"Sticks & Stones"-Jobmesse Karriere-Event für Rockstars und Einhörner

"Homo oder hetero, etwas dazwischen oder außerhalb davon - Hauptsache gut": So beschreiben die Veranstalter der Jobmesse ihre Klientel.

(Foto: Sebastian Busse/Rockstar)
  • Kommende Woche findet zum siebten Mal die Karrieremesse "Sticks & Stones" statt, die sich ursprünglich an Schwule und Lesben richtet.
  • Mittlerweile ist das Event jedoch auch bei Heterosexuellen beliebt, auch viele Firmen schätzen die lockere Atmosphäre.
Von Miriam Hoffmeyer

Vor einem knappen Jahr hat Max Betz bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields angefangen. "Wenn man viel im Team arbeitet, kann man es sich nicht leisten, sich ständig zu verstellen", sagt der junge Anwalt. Während des Studiums hatte er sich auch in anderen Kanzleien umgeschaut. Die Atmosphäre dort gefiel ihm nicht immer. "Natürlich wurde nicht direkt etwas gegen Schwule gesagt", erklärt Betz. "So etwas läuft subtiler - zum Beispiel, indem Witze über bestimmte Prominente gerissen werden." Als Referendar suchte Betz deshalb auf der "Sticks & Stones", der Berliner Jobmesse für Schwule und Lesben, nach einem wirklich offenen Arbeitgeber. Dort fiel ihm der Messestand von Freshfields ins Auge.

In der nächsten Woche findet die "Sticks & Stones" zum siebten Mal statt. Mehr als hundert Aussteller werden teilnehmen, darunter Konzerne wie Adidas, Bosch, IBM oder die Deutsche Post. Der Messegründer Stuart Cameron von der Uhlala GmbH erinnert sich noch gut an den ersten Versuch - mit sechs Messepartnern und 200 Besuchern. "Es war damals wahnsinnig schwer, die Unternehmen zu überzeugen. Im Gespräch haben viele instinktiv die Arme verschränkt und sind zwei Schritte zurückgetreten. Das ging bis zu dem Spruch: interessantes Konzept, aber bei uns arbeiten leider keine Schwuchteln."

Mit dem allgemeinen Aufschwung des Themas Diversity in Unternehmen schnellte dann auch die Zahl der Messepartner in die Höhe. Während in den ersten Jahren vor allem Consulting- und IT-Firmen auf der "Sticks & Stones" vertreten waren, ist die Messe inzwischen branchenübergreifend. Die Jobofferten richten sich, wie bei anderen Messen auch, vor allem an Berufsanfänger, in diesem Jahr werden erstmals auch Ausbildungsplätze angeboten.

"Mittlerweile sind etwa die Hälfte der Besucher Heteros"

"Bunt" ist das Wort, das bei Beschreibungen der "Sticks & Stones" am häufigsten fällt. "Die meisten Jobmessen sind ja Pinguin-Veranstaltungen, alle stehen in Anzügen da und langweilen sich", sagt Cameron. Ein Blick auf den Messekalender zeigt: Allein im Juni findet fast jeden Tag irgendwo in Deutschland eine Jobmesse statt, oft für haarscharf definierte Zielgruppen: Doktoranden, Ingenieure, Pharmazeuten, Internetexperten oder gar "Jurastudenten, die in der Zwischenprüfung mindestens neun Punkte erreicht haben".

Die "Sticks & Stones", laut Eigenwerbung für "Rockstars, Geeks, Pandas und Einhörner" gedacht, fällt tatsächlich aus diesem Rahmen. Im Postbahnhof am Ostbahnhof in Berlin-Friedrichshain ist von morgens bis abends ein DJ im Einsatz, es gibt Cocktails und eine große Abschlussparty. Als Redner treten nicht nur Sachbuchautoren und Geschäftsführer auf, sondern auch eine Dragqueen und eine Youtuberin. Die Kombination aus Messe und Spaß hat im vergangenen Jahr etwa 2700 Menschen angelockt. "Mittlerweile sind etwa die Hälfte der Besucher Heteros", sagt Cameron.