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Stellenanzeigen verstehen:Floskel-Alarm am Frühstückstisch

Formulierung mit Hinweisen

Grundsätzlich empfiehlt Personalberater Soder aber jedem, sich von solchen Formulierungen nicht den Mut rauben zu lassen. "Auf eine solche Stelle kann man sich auch mit fließendem Englisch bewerben. Das fachliche Vokabular, was man für den Job braucht, kann man binnen drei Monaten lernen." Gleiches gelte für Berufserfahrung: Ist in der Stellenanzeige von fünf Jahren Minimum die Rede, haben Bewerber mit drei Jahren trotzdem eine Chance. "Wenn das Profil ansonsten stimmt und ein Kandidat die restlichen Anforderungen erfüllt, ist so etwas kein Ausschlusskriterium."

Verspricht ein Unternehmen "überdurchschnittliche Bezahlung", können Bewerber davon ausgehen, dass der Verdienst über dem Branchendurchschnitt liegt. Doch ob das Gehalt nun zehn oder 20 Prozent darüber liegt, darauf gibt die Formulierung keinen Hinweis.

Dröge Selbstdarstellung

Ebenso wenig können Bewerber Andeutungen in einer Anzeige finden, ob eine Stelle bereits vergeben ist und nur pro forma ausgeschrieben wird. Auch ob das suchende Unternehmen Männer oder Frauen bevorzugt, ist aus den Texten nicht ersichtlich. "Mit der Verabschiedung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes sind die Personalabteilungen extrem vorsichtig geworden", sagt Soder. Selbst kleine Unternehmen formulierten ihre Annoncen heute so neutral, dass sie auch dann keine Präferenzen erkennen ließen, wenn sie eine hätten.

Trotzdem erkennt der Personalberater bei mindestens der Hälft aller Stellenanzeigen in Zeitungen oder Online-Portalen Defizite. Viele Unternehmen hätten, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, die falsche Einstellung: "Sie erwarten, dass sich die Jobsuchenden bei ihnen bewerben. Doch sie müssen umgekehrt genauso auf sich aufmerksam machen." Mit einer drögen Selbstdarstellung, die lediglich betriebswirtschaftliche Kennzahlen referiere, interessiere man niemanden für eine Stelle.

Vielmehr müssen Kandidaten damit gelockt werden, dass sie viel Verantwortung übernehmen dürfen und im Unternehmen aktiv gestalten können. Begeisterung für eine neue Aufgabe transportieren sie über dynamische Sprache, auch ihre Unternehmenskultur sollten sie vermitteln: "Mit großem Gestaltungsspielraum erfüllen Sie anspruchsvolle Aufgaben in einer offenen, durch Kreativität geprägten Kultur", klingt besser als eine Strichpunktaufzählung unter den Überschriften "Ihre Aufgaben" und "Ihr Profil". "Mit einer Stellenanzeige können Firmen Marketing betreiben", erklärt Soder. "Das haben viele noch nicht begriffen." )