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Paar- und Familientherapeut:Weiterbildung zum Beziehungsprofi

Carly Abramovitz

Die Therapeutin Carly Abramovitz ist in Berlin tätig. Wer sich selbst zum Paar- oder Familientherapeuten weiterbilden möchte, sollte sich gut informieren - das Angebot ist unübersichtlich.

(Foto: dpa)

Wer Paar- und Familientherapeut werden will, kann zwischen verschiedenen Fachrichtungen wählen. Neben der Ausbildung muss viel Zeit für Selbsterfahrung eingeplant werden.

Manche Menschen stoßen ganz plötzlich auf ihren Beruf - und das, wenn sie schon mitten im Leben stehen. Antje Randow-Ruddies aus Hamburg hatte eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert, als freie Journalistin gearbeitet und ein Studium der Sozialpädagogik aufgenommen. Vor einigen Jahren begann sie mit einer Therapie. Erst allein, dann mit ihrem Partner. Sie tat das, weil sie glaubte, zu Beginn wohl nur hoffte, so ihrer Tochter helfen zu können, die unter einer schweren Neurodermitis litt - dann nämlich, wenn die Krankheit etwas mit den Beziehungen in der Familie zu tun hätte. Tatsächlich: Just in der Zeit, in der ihre Eltern eine Paartherapie machten, wurde das Mädchen gesund. "Das war ein so einschneidendes Erlebnis, dass ich beschloss: Ich werde Paar- und Familientherapeutin", erzählt Antje Randow-Ruddies.

Vier Richtungen, vier Menschenbilder

Wer diese Entscheidung getroffen hat, muss allerdings bald danach noch eine treffen. Weiterbildungen werden in allen vier großen psychotherapeutischen Richtungen angeboten: der Psychodynamischen Psychologie, der Systemischen Therapie, der Verhaltens- und der Humanistischen Therapie. Paar- und Familientherapie sei eine der sogenannten Settingvarianten; ebenso wie die Einzel- oder die Gruppentherapie, erklärt Astrid Riehl-Emde, Professorin für Klinische Psychologie und Paartherapeutin am Universitätsklinikum Heidelberg.

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Die vier Richtungen gehen von verschiedenen Menschenbildern aus. Zur Psychodynamischen Psychologie gehört die Grundidee, dass die Erfahrungen der frühen Kindheit das Leben und damit auch jede spätere Beziehung prägen; zu ihr gehört unter anderem die Psychoanalyse nach Sigmund Freud. Die Verhaltenstherapie hingegen geht davon aus, dass der Mensch seine Reaktionsmuster erlernt und somit auch neue erlernen kann.

Zur Humanistischen Psychotherapie, die ebenfalls von einem ressourcenorientierten Menschenbild ausgeht, gehört unter anderem die Gestalttherapie. Die Systemische Theorie stellt "Systeme" in den Mittelpunkt der Behandlung: also Beziehungen zu Lebenspartnern, Eltern, Kindern, gegebenenfalls auch zu Kollegen. "Für Menschen, die mit Paaren arbeiten möchten, liegt die Systemische Therapie oft am nächsten", erklärt Riehl-Emde.

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"Sich selbst kennenzulernen, ist ganz wesentlich"

Dieser Logik folgte auch Antje Randow-Ruddies: "Ich habe selbst erlebt, wie hilfreich es ist, auf das große Ganze zu schauen, auf Verbindungen und Beziehungen, und nicht nur auf den Einzelnen." Sie meldete sich beim Hamburgischen Institut für Systemische Weiterbildung (HISW) für einen Kurs an. Er lief über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren, berufsbegleitend, in Blöcken, die meist am Wochenende lagen.

Die Inhalte reichten von Systemischem Denken über eine Rekonstruktion der eigenen Familie bis zu interkulturellen Kompetenzen. Immer wieder ging es darin auch um das eigene Leben, die eigene Herkunft, die eigene Familie. "Sich selbst kennenzulernen ist ganz wesentlich", konstatiert Randow-Ruddies. Und zwar nicht nur, um mitzudenken, wo eigene Schwächen und Ressourcen liegen. Sondern auch, um eine Vorstellung davon zu haben, dass eine Therapie kein Osterspaziergang ist. "Ich muss nicht jede Höhle kennen, durch die meine Klienten gehen", sagt die 55-Jährige, "aber ich muss eine Ahnung haben, wie es sich anfühlt, sie zu durchschreiten."