Seminarkritik "Man wird kein neuer Mensch"

Was bringen Persönlichkeitstrainings? Können sie tatsächlich den Charakter verändern?

Interview: Miriam Hoffmeyer

Beruflicher Erfolg hängt stark von der Persönlichkeit ab - von diffusen Fähigkeiten wie Kommunikationstalent, Verhandlungsgeschick oder Konfliktlösungskompetenz. Wer an sich arbeiten will, sieht sich einer Unmenge von Seminar-Angeboten gegenüber. Doch auf dem Markt für Persönlichkeitstrainings tummeln sich auch unseriöse Heilsversprecher und Sektierer. Der Personalberater Rainer Vogel von der Wiesbadener Outplacement-Agentur Vogel & Detambel gibt Tipps zur Orientierung.

SZ: Was kann man mit einem Persönlichkeitstraining erreichen?

Vogel: Man darf nicht zu viel erwarten, durch ein Training wird man kein neuer Mensch. Handeln in Trainingsmaßnahmen ist immer nur Probehandeln. Geformt wird der Mensch aber durch das, was er in der Wirklichkeit tut - und auch das nur in ganz kleinen, mühsamen Schritten. Was man lernen kann, sind also nur Techniken, die einen in die Lage versetzen, in der Realität etwas zu tun, was man ohne diese Techniken nicht oder nicht so gut könnte.

SZ: An welche Techniken denken Sie denn da?

Vogel: Ich würde jedem berufstätigen Menschen ein Rhetorikseminar empfehlen. Die Angst, vor Publikum zu sprechen, ist aus meiner Sicht die größte Karrierebremse. Je stärker und besser ein Mensch sich und seine Ideen ausdrücken kann, desto erfüllter ist auch sein Berufsleben. Höflichkeit ist auch sehr wichtig, besonders bei Kontakten mit dem Ausland. Die erwirbt man zwar leider nicht im Seminar, aber länderspezifische Umgangsformen kann man lernen.

SZ: Die meisten Persönlichkeits-Kurse zielen aber mehr in die Tiefe. Kann ein Trainer einem Menschen wirklich beibringen, raffiniert zu verhandeln oder Konflikte diplomatisch zu lösen?

Vogel: Bei Themen wie Konfliktlösung, Verhandlungsführung, Kommunikation oder Verkaufen geht es zwar auch um Techniken. Wichtiger ist aber, dass man bei solchen Trainings mehr über sein Fremdbild erfährt. Die anderen Teilnehmer sagen einem, wie man auf sie wirkt. Dadurch wird einem oft erst bewusst, welche Signale man unbewusst aussendet. Dieses Feedback, das man im wirklichen Leben normalerweise nicht bekommt, macht den eigentlichen Wert solcher Trainings aus. Deshalb empfehle ich für solche Themen auch eher Gruppen- als Einzeltrainings.

SZ: Und wie findet man den richtigen Anbieter?

Vogel: Seriöse Anbieter nennen zu jedem Training klare Lernziele und beschreiben die eingesetzten Methoden und Verfahren. Fehlt es an Klarheit und Transparenz, dann ist Skepsis angesagt. Ganz besonders, wenn Sie den Eindruck gewinnen, dass man Sie mit irgendwelchen psychologischen Außenseiter-Methoden völlig umkrempeln möchte! Seminaranbieter, die seit vielen Jahren im Geschäft sind und eine große Palette von Trainingsmaßnahmen anbieten, werden sich hüten, ihre Reputation durch ein unausgereiftes Angebot zu gefährden. Daher ist man bei ihnen wohl am besten vor krassen Fehlgriffen geschützt. Aber auch kleine Anbieter können sehr leistungsfähig sein. Wenn allerdings ein einzelner Trainer die gesamte Bandbreite vom Rhetorik- bis zum Führungstraining anbietet, rate ich zur Vorsicht.

SZ: Wenn man die offensichtlich unseriösen Anbieter aussortiert hat, bleiben aber noch mehr als genug übrig...

Vogel: Das stimmt allerdings. Referenzen sind ein gutes Mittel, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Größere Anbieter nennen in der Regel unaufgefordert einige Firmen, für die sie schon gearbeitet haben. Bei kleineren Anbietern sollte man sich drei bis vier persönliche Referenzen geben lassen. Die muss man dann allerdings auch abtelefonieren.

SZ: Und was macht man, wenn die Qualität des Trainings trotz allem nicht den Erwartungen entspricht?

Vogel: Dann redet man mit dem Veranstalter darüber. Man sollte seine Unzufriedenheit aber nicht erst am Ende des Trainings aussprechen, sondern spätestens nach einem Drittel der Gesamtdauer, und dann natürlich auch die Veranstaltung vorzeitig verlassen. Dann kann man sein Geld zurückfordern.