Selbstdarstellung im Büro Die Performance-Falle

In der Bürowelt wird gearbeitet, bis der Laptop raucht. Doch Leistungen zu erbringen reicht nicht - wir alle müssen zu Darstellern unserer Leistung werden.

Von Christoph Bartmann

Wenn das Subjekt als Manager funktioniert, dann heißt das auch, dass wir laufend an der Performance arbeiten und dass wir Performance planmäßig mit Leistung verwechseln. "Performance umfasst sowohl Leistung sowie Darstellung, Verbildlichung, Symbolisierung und Messung, und beides in einem Begriff zu repräsentieren, verweist nicht nur darauf, dass (theatralische) Darstellung eine Leistung ist, sondern auch darauf, dass Leistung dargestellt, theatralisiert werden muss, um als solche wahrgenommen zu werden (...) So kommt es zu permanenten Wettkämpfen, in denen Leistungen objektiviert und vergleichbar gemacht werden sollen, die sich jedoch weniger als Leistungs- denn als Darstellungskämpfe auffassen lassen."

Stromberg in Aktion: Selbstdarstellung im Büro.

(Foto: dpa)

Das Subjekt als Manager heißt: Wir alle spielen Theater, um den Klassiker von Erving Goffman zu zitieren. Wir befinden uns im Feld der Inszenierung. Die Darstellung der Leistung ist fast schon die Leistung selbst - man erkennt es an der bemerkenswerten Konjunktur der Vokabel "Darstellung" bzw. "Darstellen" im Geschäftsleben. "Wir können das System zur Zeit nicht darstellen", heißt bloß, dass die IT gerade nicht funktioniert. Was immer das unternehmerische Selbst oder manageriale Subjekt sonst können muss: Es muss vor allem eines, (sich) darstellen.

Alles performt

Wir merkten neulich in einer Sitzung auf, als uns ein Kollege über "hochperformante Systeme" informierte, die leider gerade nicht zur Verfügung stünden. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass neue Potenzpräparate die "sexuelle Performance" verbessern helfen. Auch die Performance des Dax oder einzelner Werte könnte kaum noch anders bezeichnet werden: als ein Wert oder eine Leistung, die messbar sind und "dargestellt" oder angezeigt werden können.

Die Performance lässt sich anhand von Key Performance Indicators ermitteln, die wiederum in eine (Balanced) Scorecard einfließen. Wo Leistung war, scheint es, ist nun Performance. Wo Leistung war, ist nun die im Performance-Begriff gebündelte Zwei-Einheit von Leistung und Darstellung. Von Leistungsdarstellung und Darstellungsleistung, zwischen denen ein Unterschied kaum noch auszumachen ist. Wir sind alle, wie eine Aktie, Performer, wobei noch zu klären ist, ob und wieso wir Outperformer, Underperformer oder Market Performer sind.

Wohin man schaut und hört, wird dargestellt. "Firefox kann Farbe nicht darstellen", "Videoquelle kann den Datenstrom nicht darstellen", das sind Beispiele aus der Welt der IT, aber wir finden denselben Gebrauch von "darstellen" in der sozialen Welt: So war zu lesen, dass eine Erhöhung der Abgeordnetendiäten im Augenblick "wirtschaftlich nicht darstellbar" sei. Ein im Motorsport glückloser Autohersteller gab bekannt, dass die Teilnahme an weiteren Autorennen für ihn "nicht darstellbar" sei.

Bestimmte Steuerabzüge, ist vom Finanzamt zu hören, seien künftig "nicht mehr darstellbar". Rentenerhöhungen? Nach den Worten eines Rentenpolitikers derzeit "ökonomisch nicht darstellbar". Der Boom des Performance-Begriffs geht also Hand in Hand mit dem des Verbums "darstellen". Wer nicht(s) darstellt, der ist gar nicht da. Was nicht darstellbar ist, das existiert nicht. Wir sind jetzt alle Darsteller, vor allem Selbstdarsteller auf dem Sichtbarkeitsmarkt. Wir haben eine Performance abzuliefern, die nicht so aussehen soll, als wären wir Rule Player.