Schwerin (dpa/mv) - Im Bereich der drei Industrie- und Handelskammern (IHK) Mecklenburg-Vorpommerns ist kein Vertrag des begonnenen Ausbildungsjahres wegen der Corona-Krise aufgelöst worden. Fachkräftesicherung sei weiterhin ein wichtiges Thema für Unternehmen im Nordosten, sagte Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg, am Dienstag in Schwerin.
Bis Ende Juli wurden den Angaben zufolge 2727 Ausbildungsverträge im Bereich der Kammern abgeschlossen, 428 weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Die Corona-Krise habe den Bewerbungsverlauf verlangsamt, etwa weil keine Berufsmessen stattfinden konnten. In allen Berufen und Regionen des Bundeslandes seien noch freie Ausbildungsstellen vorhanden.
Das Bildungsministerium hatte zuletzt appelliert, dass sich Jugendliche keine Sorgen machen müssten, wenn sie erst nach dem 1. August mit einer Ausbildung anfangen. Darauf seien Berufsschulen und Betriebe eingestellt. Ende August soll der Unterricht an den Berufsschulen wieder starten.
Eine IHK-Umfrage unter den Auszubildenden, die im vergangenen Jahr ihre Lehre begannen, ergab, dass 84 Prozent ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen würden. Bei mehr als 80 Prozent laufe die Ausbildung trotz der Corona-Pandemie normal weiter.
Mehr als jeder vierte Azubi sei für die Ausbildung umgezogen, fast zehn Prozent mehr als im Durchschnitt der neuen Bundesländer. Mehr als die Hälfte hat demnach maximal fünf Bewerbungen schreiben müssen, bis eine Zusage kam. Bei knapp neun Prozent waren es laut IHK mindestens 20 Bewerbungen.
Etwa sechs von zehn Unternehmen in MV würden alle Auszubildenden übernehmen. Dies habe eine Befragung unter 206 IHK-Ausbildungsbetrieben ergeben.
Die Kammern betonten die Notwendigkeit eines Azubi-Tickets für den Nahverkehr. Mecklenburg-Vorpommern sei das einzige ostdeutsche Bundesland, in dem es ein solches Ticket noch nicht gebe. Laut Umfrage pendelt etwa jeder vierte Auszubildende mindestens 90 Minuten pro Strecke zur Berufsschule.
Mehr als 50 Prozent der geschulten Berufe werden demnach nur an einem Standort im Bundesland unterrichtet. „Das wird zunehmend zum Problem“, sagte Haasch. Demnach werden im Nordosten etwa 117 verschiedene Berufe ausgebildet.
Haasch betonte, dass noch mehr auf sozialen Medien für Ausbildungen geworben werden müsse. Die Auszubildenden seien besonders aktiv auf Instagram, Youtube und Snapchat. Facebook spiele bei vielen nur noch eine untergeordnete Rolle.