Schulsysteme in Deutschland:Die Hauptschule als "Restschule"

Nicht nur in NRW ist die Schullandschaft in Bewegung. Geburtenrückgang, Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und Ansprüche einer immer selbstbewussteren Elternschaft an die Bildung ihrer Kinder haben in fast allen Ländern die Strukturen aufbrechen lassen. Das klassische dreigliedrige System aus Haupt-, Realschule und Gymnasium gibt es derzeit in dieser Form nur noch in Baden-Württemberg und Bayern - das deutsche Schulsystem gleicht mittlerweile reinster Kleinstaaterei.

Schulreformgegner gewinnen Volksentscheid

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und Bildungssenatorin Christa Goetsch sind mit ihrer Schulreform gescheitert.

(Foto: dpa)

In Berlin tritt von August an die Schulreform des rot-roten Senats in Kraft: Haupt-, Real- und Gesamtschulen fusionieren zu Sekundarschulen, parallel zum Gymnasium, das dadurch nicht beschnitten werden soll. Da man zugleich auf den Ausbau von Ganztagsangeboten sowie eine breite Beteiligung der Bürger setze, habe man in Berlin eine weitaus größere Akzeptanz der Reform als in Hamburg, sagte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), der den Ausgang des Volksentscheids dennoch bedauerte. Ein solches zweigliedriges Schulsystem ist auch in den meisten ostdeutschen Ländern vorhanden. Mit den "Stadtteilschulen" wird es nun - unabhängig vom Volksentscheid über die sechsjährige Grundschulzeit - aber auch in Hamburg dazu kommen.

In Rheinland-Pfalz gibt es neben dem Gymnasium eine "Realschule plus", an der Abitur gemacht werden kann. In Mecklenburg-Vorpommern wurde bereits für die Klassen fünf und sechs gemeinsames Lernen verwirklicht - durch eine Orientierungsstufe. Die Jamaika-Koalition im Saarland will die Grundschulzeit auf fünf Jahre verlängern, bietet zugleich aber eine "Verfassungsgarantie" für den Erhalt des grundständigen Gymnasiums. Selbst im konservativ regierten Hessen soll es von 2011/12 an eine Neuerung geben: die Mittelstufenschule, bei der von der siebten Klasse an das nach wie vor dreigliedrige System greift.

Im Süden und Südwesten, wo man an der Dreigliedrigkeit festhält, reagiert man vor allem auf die Kritik an den Hauptschulen, deren Beiname "Restschule" mittlerweile in der Öffentlichkeit fest verankert zu sein scheint. Baden-Württemberg baut sie derzeit teilweise zu Werkrealschulen um. Von der fünften Klasse an sollen diese dann zum mittleren Bildungsabschluss führen. Kritiker halten das für Etikettenschwindel, zudem würden nicht umgewandelte Hauptschulen endgültig ausbluten. Und Bayern bastelt sich aus Hauptschulen sogenannte Mittelschulen. "Da kommt in den Ferien der Hausmeister und tauscht das Klingelschild aus", hat der Bayerische Lehrerverband kürzlich gespottet.

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