Schule:Mehr Geld und gute Worte

Die Bildungsminister der OECD-Länder beraten über Wege aus dem Lehrer-Mangel.

Von Jeanne Rubner

Ulrich Wickert von den ARD-Tagesthemen hat bereits erklärt, warum er so großen Respekt vor Lehrern hat, und Claus Kleber, Moderator des Heute-Journals, wird demnächst im ZDF verkünden, warum Unterrichten sich lohnt: TV-Prominente werben derzeit für den Lehrerberuf. Die Sender sponsern die Spots, Auftraggeber ist die Kultusministerkonferenz, die befürchtet, in ein paar Jahren nicht mehr genügend Pädagogen in die Klassenzimmer schicken zu können. Bis 2015 könnten, so eine Schätzung, 70.000 Lehrer fehlen.

Mit ihrer Sorge stehen die Deutschen nicht alleine da. Am heutigen Donnerstag und Freitag treffen sich in Dublin die Bildungsminister der OECD-Länder. Sie wollen vor allem beraten, wie sich gute Lehrer rekrutieren lassen. Denn Überalterung und mangelnde Qualifikation bedrohe die Bildungsqualität in vielen Mitgliedsländern, heißt es bei der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Zahlreiche Schuldirektoren haben bereits Probleme, Lehrer für bestimmte Fächer zu finden. Im Durchschnitt der OECD-Länder sind drei von zehn Lehrern, die in der Sekundarstufe unterrichten, mehr als 50 Jahre alt, in Deutschland und Italien ist es gar jeder zweite. Der Grund: In den siebziger Jahren kamen die geburtenstarken Jahrgänge in die Schulen, und die Nachfrage nach höheren Abschlüssen nahm zu. Viele Lehrer wurden damals eingestellt, jetzt gehen sie in Rente.

"Einmal Lehrer, immer Lehrer"

In Deutschland ist die Pensionierungswelle so ausgeprägt, weil wegen des staatlich regulierten Arbeitsmarkts der Grundsatz gilt "einmal Lehrer, immer Lehrer", sagt Philipp McKenzie von der OECD. In anderen Ländern verlassen Pädagogen häufiger die Schulen für einen anderen Job. Die Berufstreue hängt auch mit der im internationalen Vergleich guten Bezahlung der deutschen Lehrer zusammen. Insgesamt jedoch beklagt die OECD, dass in 14 von 19 untersuchten Ländern Lehrergehälter in den vergangenen zehn Jahren langsamer gestiegen seien als das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Die Gehälter anzuheben könnte eine Antwort auf den drohenden Mangel sein, sagt Bildungsexperte McKenzie. Allerdings gehe es auch darum, Ansehen und Jobzufriedenheit zu erhöhen. Über diese - eher weichen - Faktoren gibt es aber kaum gesicherte Daten. Das Beispiel Finnland, wo Lehrer weniger verdienen als hierzulande, belegt, dass Renommee nicht immer von der Bezahlung abhängt. Zwischen der öffentlichen Meinung über Lehrer und deren Eigenwahrnehmung klaffe auch eine Lücke, sagt McKenzie. So finden viele Menschen, dass Pädagogen angenehme Arbeitszeiten und viel Freiheit haben, während sie sich selbst häufig unter großem Druck der Schüler, Eltern und Lehrpläne sehen.

In Dublin sollen die Minister sich über erfolgreiche Strategien austauschen, "Quereinsteiger" für den Lehrerberuf zu qualifizieren und Ausbildung sowie Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten. Für Deutschland nimmt Bildungs-Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen teil, und im Bundesbildungsministerium heißt es auch, man müsse den Ruf der Lehrer verbessern und die Ausbildung praxisnäher machen. Gute Absichten, die zunächst kaum Auswirkung haben dürften. Denn für die Ausbildung der Pädagogen sind gleich 16 Minister zuständig, bei der Einstellung reden 16 Finanzminister mit.

Zur SZ-Startseite
Jetzt entdecken

Gutscheine: