Schule:Besser lernen in Uniform

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Warum eine Realschule in Oberbayern einheitliche Schulkleidung einführen will.

Die Staatliche Realschule Haag in Oberbayern führt zum nächsten Schuljahr eine einheitliche Schulkleidung für ihre Schüler ein. Ein Gespräch mit Dieter Landthaler, dem Schulleiter der Haager Realschule.

Schule: "Einigen Schülerinnen bieten wir hier einen Laufsteg mit 700 Zuschauern": So sparsam bekleidet wie diese zwei Mädchen auf einem Festival sollen Landthalers Schülerinnen im Unterricht nicht mehr sitzen dürfen.

"Einigen Schülerinnen bieten wir hier einen Laufsteg mit 700 Zuschauern": So sparsam bekleidet wie diese zwei Mädchen auf einem Festival sollen Landthalers Schülerinnen im Unterricht nicht mehr sitzen dürfen.

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Herr Landthaler, Sie wollen an Ihrer Schule jetzt eine Schuluniform einführen?

Landthaler: Das ist nicht ganz richtig, es geht um eine Schulkleidung, nicht um eine Uniform. Bei einer Schuluniform wäre die gesamte Kleidung einheitlich, ähnlich wie bei der Polizei. Bei der Schulkleidung handelt es sich um eine einheitliche Oberbekleidung, ein T-Shirt oder einen Pullover. Diese gibt es dann in zwei Ausführungen: In hellblau mit einem dunklen Schullogo und in dunkelblau mit einem weißen Schullogo. Diese Kleidung soll von der fünften Klasse verbindlich getragen werden, für alle anderen ist sie freiwillig. In sechs Jahren wären dann alle Jahrgangsstufen mit diesen Oberteilen ausgestattet.

SZ: Wer sucht die Kleidung denn aus und wer zahlt sie?

Landthaler: Das T-Shirt kostet 5,80 Euro, das Sweatshirt liegt bei etwa 9 Euro, die Kosten übernehmen die Eltern. Die Schülervertreter haben zusammen mit dem Elternbeirat und einer Lehrerin die Kleidung ausgewählt. Die Oberteile werden von einer schottischen Firma hergestellt und hier in Deutschland mit unserem Logo bestickt. Natürlich werden wir unsere Kollektion, in Absprache mit den Schülern, die die Sachen ja hinterher auch tragen müssen, modisch immer wieder anpassen.

SZ: Also soll die Schulkleidung modisch sogar etwas hermachen?

Landthaler: Zumindest soll sie nicht unmodisch sein. Allerdings soll sie auch nicht zu modisch sein, nicht mit tiefem Dekolleté oder bauchfrei. Das wollen wir ja gerade verhindern, einigen Schülerinnen bieten wir hier einen Laufsteg mit 700 Zuschauern. Außerdem wollen wir den Markenwahn, die Unterscheidung zwischen den "Chiemsee- und Chevignon-Kindern" auf der einen und den "Aldi-Kindern" auf der anderen Seite, unterbinden.

SZ: Lernen die Schüler denn mit Schulkleidung besser?

Landthaler: Das behauptet zumindest eine Studie von Professor Dickhäuser von der Uni Erlangen, der unser Projekt wissenschaftlich betreut. Diese Studie besagt, dass die Schüler bessere Lernerfolge haben, dass sie konzentrierter arbeiten und vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl gesteigert wird. In Hamburg wurde das bereits getestet, nun sollen die Ergebnisse dieser Stadtschule mit denen einer Landschule, wie wir es sind, verglichen werden.

Interview: Marc Kniepkamp

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