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Schülerpraktikum:"Die Schüler kommen häufig motivierter in den Unterricht zurück"

Was allen klar ist: Der Nutzen dieser punktuellen Schnupperphase für die konkrete Berufswahl ist abhängig von zufälligen Umständen, von den Betreuern, von der Vorbereitung. Doch der persönliche Gewinn ist oft groß. Außerdem ahnt man endlich, wofür die Schule gut ist: "Die Schüler kommen häufig motivierter in den Unterricht zurück, sie sind bewusster im Hinblick auf später", sagt Elisabeth Marberger, Lehrerin am Sankt-Anna-Gymnasium in München.

Was die Firmen vom Schülerpraktikum haben, reicht von der Nachwuchssicherung, der regionalen Standortwerbung bis hin zu beruflichem Stolz oder persönlichem Engagement. "Natürlich ist es eigentlich mühsam", sagt die Architektin Dorothea Menzel aus Stuttgart, die ab und zu Schülerpraktika vergibt. "Aber wir sind neugierig auf den Nachwuchs. Ein bisschen soziale Verantwortung spielt auch mit, und wenn es junge Leute sind, die sich nicht zu gut sind, auch mal zu fegen, und wissen, wo man anpacken kann, dann macht es richtig Freude."

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Eine validierbare Auswertung der Schülerpraktika gibt es nicht - zu viele Beteiligte und zu viele Einflussfaktoren. Wenn es aber wie geschmiert läuft, dann wird das sichtbar. Das Netzwerk "Schule und Wirtschaft" hat Qualitätsstandards zusammengestellt für die Berufs- und Studienorientierung in der Sekundarstufe und vergibt ein "Berufswahlsiegel". Eine mit dem Siegel ausgezeichnete Schule ist zum Beispiel das Ulrich-von Hutten-Gymnasium im Süden Berlins: Ein umfassendes Konzept von Klasse acht bis zwölf, Schülerfirmen, Kooperationen mit Hochschulen und großen Firmen, Mitglied in Netzwerken - die Lehrer sind sehr engagiert.

Michael Dannenberg, Lehrer für den Oberstufenkurs "Studium und Beruf", betont den größeren Zusammenhang: "Unsere Schüler sollen sich vielfältig und frei ausprobieren können. Wir wollen alle Facetten der Berufsorientierung im Auge behalten. Von der Kenntnis über das offene Bildungssystem und Alternativen zum Studium bis zu Lebensplanung und Selbsteinschätzung."

Die Schule ist gut vernetzt mit Betrieben in der Nachbarschaft und mit den Eltern, oft auch in Personalunion. Und die engagieren sich gern für den Nachwuchs, für den Stadtteil, für Projekte ihrer ehemaligen Schule. Dannenberg hat viele Ideen: "Zum Beispiel noch mehr Eins-zu-eins-Kontakt. Weil es am wichtigsten ist, dass die Schüler herausfinden können, was für sie passt. Am liebsten würde ich es einem Schüler ermöglichen, eine Woche lang mit einem Azubi oder einem Studierenden dessen Alltag zu teilen." Je mehr Einblick in die Realität, umso besser.

Stefanie Pommée sagt, sie möchte "nicht nur output-orientiert unterrichten", sie sieht Schule also nicht in erster Linie als berufsvorbereitende Maßnahme. "Aber ich kann als Lehrkraft dazu beitragen, dass sich die Schüler mit dem Berufsleben und mit ihrer Zukunft frühzeitig auseinandersetzen. Ich möchte, dass meine Schüler am Ende sagen können: Darin bin ich gut. Dass sie erfahren, wo sie es einsetzen können und wie sie damit im Idealfall auch ihren Lebensunterhalt verdienen können." Denn es geht es ja auch um Lebensplanung - um ein Schnuppern an der eigenen Zukunft.

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