Schauspieler:"Ein knochenharter Job"

Der lange Weg zur Filmkarriere.

Wer den Sprung ins Film- und Fernsehgeschäft schaffen will, braucht einen langen Atem. Zwar schießen für Filmschauspieler Workshops und Kurse regelrecht wie Pilze aus dem Boden. Doch allein mit "Crashkursen" kommen nur wenige ans Ziel.

Schauspieler: Franka Potente

Franka Potente

(Foto: (Foto: AP))

Bei der Zentralen Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung (ZBF) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn werden Blitz-Ausbildungen skeptisch betrachtet: "Der Beruf des Schauspielers muss genauso mühsam erlernt werden wie der des Kfz-Mechanikers oder Arztes", stellt Michael Kerwer klar, der den Bereich Film und Fernsehen leitet.

Kerwer empfiehlt eine drei- bis vierjährige Ausbildung, wie sie in Deutschland die staatlichen Schauspielschulen sowie Privatschulen anbieten. Karriere ohne mehrjährige Schulung sei höchstens in Seifenopern möglich. "Und ich habe Zweifel, ob man damit langfristig seinen Lebensunterhalt verdienen kann."

Falsche Versprechungen

Der Berufsverband Deutscher Schauspieler in München beklagt ein mangelndes Niveau vieler Kurse für Filmschauspieler. Vorsicht sei bei diffusen Bezeichnungen wie "Show-Training" geboten. Interessenten, die mit ihrer Bewerbung an einer Schauspielschule gescheitert sind, rät Klein, nicht aufzugeben. Wer aber mehrfach abgewiesen wird, solle sein Berufsziel überdenken: "Schauspieler wie Jürgen Vogel, die es trotz Absage geschafft haben, sind die große Ausnahme."

Nach Ansicht Mechthild Holters von der Film-Agentur "Players" aus Berlin sind viele Schauspielschulen zu sehr auf die Bühne fixiert. "Film und Fernsehen werden oft vollständig ausgeklammert". Holter, die etwa Til Schweiger in ihrer Kartei hat, rät deshalb zu einer "filmspezifischen" Schauspielausbildung. Diese sollte klassischen Schauspielunterricht und auch medienspezifische Schulung abdecken.

Wer schon eine Bühnenausbildung hinter sich hat, für den machen Film-Crashkurse laut ZBF und Schauspielerverband durchaus Sinn. Dabei könnten Schauspieler etwa lernen, sich vor der Kamera richtig zu verhalten. Vor der Kursbuchung sollte der Anbieter geprüft werden. Verspricht er eine rasante Karriere, rät Kerwer: "Hände weg!".

Auf der Überholspur nach Hollywood? Mit solchen Versprechen will etwa die Schauspielakademie "Mallorca Film Academy" nichts zu tun haben. Die Schule, in deren Beirat die Regisseure Dieter Wedel und Detlev Buck sitzen, verspricht lediglich eine fundierte Ausbildung in Bereichen wie dem "Camera Acting", dem Schauspiel vor der Kamera.

Wer das Schauspiel-Einmaleins beherrscht und sich mit der Kamera vertraut gemacht hat, ist für den Beruf gut gerüstet. Bis zum Star ist es trotzdem ein steiniger Weg: In Zeiten sinkender Werbeeinnahmen werden Talkshows gegenüber teuren Filmproduktionen bevorzugt und Drehzeiten verkürzt. "Es ist ein knochenharter Job, und vor Arbeitslosigkeit ist niemand gefeit", sagt Wolfgang Klein.

© Quelle: sueddeutsche.de/dpa
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