Berufsunfähigkeitsversicherung:Zur Debatte über diesen Beitrag

Lesezeit: 5 min

Stellungnahme der Autorin

1. Anders als Sie es darstellen habe ich den Text überschrieben mit: "Sieben Irrtümer und ein Bandscheibenvorfall" - und genau das war Thema: Warum Verbraucherschützer die Berufsunfähigkeitsversicherung für unverzichtbar halten - und trotzdem nur jeder Fünfte einen Vertrag hat.

Antwort Jens Berger: Liebe Frau Fichter, in der Online-Version ihres Artikel steht nicht "Sieben Irrtümer und ein Bandscheibenvorfall", sondern "Sieben Irrtümer und die Wahrheit dahinter". Das ist ein kleiner, aber nicht eben unbedeutender, Unterschied.

Der Bandscheibenvorfall sollte schon andeuten: Nicht jeder bekommt eine Versicherung - der mit Bandscheibenvorfall schon mal nicht. Im Text greife ich das erneut auf: "Je mehr Malaisen festgestellt wurden, desto schwieriger ist es, eine Police zu bekommen. Wer einen Bandscheibenvorfall erlitt, bekommt wohl keine BU mehr oder nur gegen Risikoaufschlag." Offensichtlich haben Sie eine Onlineversion meines Textes gelesen, in der mein Titel verändert worden war.

Antwort Jens Berger: Das ist anscheinend der Fall. An diesem Satz ist ja auch gar nichts auszusetzen. Es wäre jedoch für den Leser sicher nicht uninteressant gewesen, dass Ablehnungen durch den Versicherer keinesfalls selten sind, sondern mit 200k pro Jahr eine durchaus relevante Zahl darstellen. Weiterhin wäre es durchaus möglich gewesen, hier die Frage aufzuwerfen, ob es nicht dem Grundprinzip der kollektiven Risikoübernahme widerspricht, wenn Risiken in einem derartigen Maßstab aussortiert werden. Diese Fragen stellen Sie nicht, bei Ihnen überwiegt das Pro und Contra-Argumente finden sich, wenn überhaupt, am Rand. Das ist ok und letztlich Ihre Entscheidung (bzw. die der Redaktion), aber dann müssen Sie Sich selbstverständlich auch Vorwürfe wegen der mangelnden Ausgewogenheit gefallen lassen.

2. Folgende Aussagen haben Sie aus dem Zusammenhang gerissen: "Jeder braucht sie" ist kein Satz, den ich mir zu eigen mache - davor steht der Satz: "selbst Versicherer und Verbraucherschützer sind sich einig: Jeder braucht sie, die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)". Dass beide Parteien mit "jeder" nicht Hartz IV-Empfänger meinen, die derzeit keinen Beruf ausüben, dürfte den Lesern klar sein.

Antwort Jens Berger: Aber den wenigsten Lesern dürfte klar sein, dass sich diese Einschränkung auch auf Niedriglöhner ausweiten lässt.

3. Eine weitere Textpassage, die Sie aus dem Zusammenhang reißen, ist folgende: "Beinahe drei Viertel sind überzeugt, dass es so läuft: Erst zahlt man Beiträge, und wird man dann berufsunfähig, springt die Versicherung nicht ein. 41 Prozent denken, bei einem selbst verschuldeten Unfall zahle sie nicht. Das ist falsch. Es gibt grundsätzlich nur äußerst wenige Ausnahmen, in denen die Unternehmen keine Rente zahlen: wenn sich der Versicherte etwa vorsätzlich verletzt." Die beiden darauf folgenden Sätze lauten: "Wichtig ist allerdings, die Gesundheitsfragen vor Abschluss wahrheitsgemäß zu beantworten. Andernfalls kann es später wirklich zu Problemen kommen." Recht geben möchte ich Ihnen hierbei mit der Anmerkung, dass ich diese Kritik noch hätte ausbauen und verschärfen sollen. Die Probleme der BU greife ich immer wieder in Texten auf. Dazu gehört vor allem, dass viele Menschen von Versicherern abgelehnt werden oder die Unternehmen im Ernstfall nicht zahlen. Einen solchen Menschen habe ich diese Woche bereits getroffen, um daraus meine nächste Geschichte über die BU zu machen.

Antwort Jens Berger: Das ist ein ehrenwertes Anliegen.

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