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Rekrutierung ehemaliger Mitarbeiter:Nicht jeder Boomerang ist optimal

Um die Verbindung nicht abreißen zu lassen, bieten sich viele Möglichkeiten an. Weitzel nennt ein großes Unternehmen aus der IT-Branche, das alle ausgeschiedenen Mitarbeiter jedes Jahr zum ersten Einstellungstag mit einem Geschenk bedenke. "Die haben innerhalb von drei Jahren drei Viertel ihrer Top-Positionen wiederbesetzen können." Andere Unternehmen schicken ihren Alumni regelmäßig Grußkarten, laden frühere Mitarbeiter weiterhin zu Betriebsfesten ein, versenden ihre Firmenzeitschrift oder sogar ein Magazin, das sich gezielt an Alumni richtet - gespickt mit Neuigkeiten aus dem Unternehmen und interessanten Karrierewegen Ehemaliger. Ist der Kontakt einmal abgerissen, sei es möglich, Ex-Angestellte über Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn aufzuspüren.

David Mortimer fängt einen Bumerang

"Boomerang Hiring" im Trend: Wegen des Fachkräftemangels stellen Unternehmen vermehrt ehemalige Mitarbeiter ein.

(Foto: AP)

Größere Unternehmen pflegen mit einigem Aufwand eigene Alumni-Netzwerke. Isabel Koch ist Alumni-Network-Managerin bei der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants. "Wir tun alles, um mit unseren Ehemaligen in Kontakt zu bleiben." Das beginnt schon, wenn ein Berater das Unternehmen verlassen will, um sich weiterzuentwickeln, etwa in der Industrie. "Häufig begleiten wir unsere Mitarbeiter auf diesem Weg, etwa durch ein spezielles Karriere-Coaching und interessante JobAngebote", sagt Koch.

Nach dem Ausscheiden werden die Ehemaligen ins weltweite Alumni-Netzwerk aufgenommen. Über eine Internet- Plattform hätten frühere Berger-Berater weiter Zugriff auf interne Informationen, etwa die Ressourcen der firmeneigenen Research-Abteilung, erläutert Koch. Alumni erhalten alle firmeneigenen Publikationen und werden zu regelmäßigen Alumni-Veranstaltungen eingeladen. "Das ist ein bisschen wie bei einem Klassentreffen", sagt Koch. Und sie können sich auch bei der Planung weiterer Karriereschritte an den früheren Arbeitgeber wenden. Wer nach einem Abstecher in die Industrie oder Wissenschaft wieder bei Berger einsteigen will, ist fast immer willkommen. "Mitarbeiter, die hautnah die Praxis in einem Unternehmen kennengelernt haben, sind sehr wertvoll für uns", sagt Koch. Allerdings sei das Boomerang Hiring insgesamt eher die Ausnahme als die Regel.

Die Wiederanwerbung ehemaliger Mitarbeiter habe Vorteile für Unternehmen jeder Größenordnung, sagt Kienbaum-Kreativleiter Dylla. Zunächst könne man sich eine erneute Stellenausschreibung und den entsprechenden Auswahlprozess schenken. Darüber hinaus falle eine lange Einarbeitungszeit ebenso weg wie aufwendige Schulungen. Schließlich seien Alumni vertraut mit der Firmenkultur und passten sich gut in Mitarbeiterteams ein. Außerdem seien sie oft hoch motiviert. "Sie betrachten ihre Anstellung als freien Entschluss und nicht als Notwendigkeit, zu der es möglicherweise noch Alternativen gegeben hätte", sagt Dylla.

Trotzdem sei Boomerang Hiring keine Gewähr dafür, eine Stelle in jedem Fall optimal besetzen zu können, warnt Werner Schmidt von Harvey Nash. "Ich halte den Grundsatz ,Einmal weg, immer weg' im Allgemeinen nach wie vor für den besseren Weg." Vor allem, wenn der Zeitpunkt des Ausscheidens und des Wiedereinstiegs zu lange auseinander lägen. "In dieser Zeit kann sich das Unternehmen stark gewandelt haben. Dann passen die Erwartungen oft nicht mehr zusammen." Schmidt rät deshalb, nicht mehr als ein Jahr verstreichen zu lassen. Problematisch sei es auch, wenn die Gründe für das Ausscheiden, etwa schlechte Karrierechancen, in der Firma noch nicht ausgeräumt seien. Außerdem, meint Schmidt, lebten manche Wiedereinsteiger in dem trügerischen Gefühl, im Unternehmen unentbehrlich zu sein.

Solcher Hochmut dürfte bei Kollegen und Vorgesetzten schlecht ankommen und das Betriebsklima belasten. Es sei denn, man heißt Udo Lattek. Oder Ottmar Hitzfeld. Auch Hitzfeld war ein erfolgreicher Boomerang. Zweimal stand er beim FC Bayern unter Vertrag und führte die Fußballer zu zahlreichen Siegen, einmal sogar als Nachfolger seines eigenen Nachfolgers Felix Magath.

© SZ vom 31.07.2010/holz
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