bedeckt München 14°

Frauen in der Raumfahrt:"Früher war ich gegen eine Quote, aber das hat sich geändert"

Bereit für den Weltraum: Suzanna Randall

(Foto: Marek Beier)

Die Astrophysikerin Suzanna Randall will als erste deutsche Frau ins All. Ein Gespräch über Kindheitsträume, knallhartes Training und die Frage, warum es nicht mehr Astronautinnen gibt.

Interview von Johanna Pfund

Suzanna Randall ist eine von zwei Frauen, die sich im Rahmen der Initiative "Die Astronautin" auf einen Flug ins Weltall vorbereiten - genau 60 Jahre, nachdem der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum flog. Die 41-jährige Astrophysikerin, die am Forschungsinstitut Europäische Südsternwarte in Garching arbeitet, träumt schon seit ihrer Kindheit vom All.

SZ: Was ist ein gutes Alter fürs All?

Suzanna Randall: Eigentlich fast jedes. Die Europäische Weltraumorganisation Esa sagt zwar, man sollte bei der Bewerbung zwischen 27 und 37 Jahre alt sein. Aber Matthias Maurer, der als nächster Deutscher ins All fliegt, ist 50. Man muss eine Pilotenausbildung oder ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen haben, deshalb hat man zwangsläufig ein gewisses Alter.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Die erste Frau im All war 1963 die sowjetische Kosmonautin Walentina Tereschkowa. Seitdem hört man wenig von Astronautinnen.

Bei Tereschkowa ging es der damaligen UdSSR darum, Erste zu sein. Die Nasa schickte 1983 mit Sally Ride ihre erste Frau in den Weltraum. Seitdem waren 65 Frauen im All, das entspricht etwa zehn Prozent der Astronauten. Die meisten davon sind Amerikanerinnen, weil sich die Nasa aktiv darum bemüht hat. In Europa gab es bisher nur drei Astronautinnen. Das ist ein Armutszeugnis für die europäische und die deutsche Raumfahrt. Es geht nicht um ein exakt gleiches Verhältnis, sondern darum, wenigstens ein paar Frauen als Vorbilder zu zeigen. Oft höre ich bei Vorträgen: Was? Frauen können Astronautin werden? Früher war ich gegen eine Quote, aber das hat sich geändert. Ich finde, man muss aktiv gegensteuern. Denn wer bestimmt, wer die beste Person für einen Job ist? Die Noten werden von Männern gemacht, das begünstigt wiederum Männer.

Seit wann wollen Sie ins All fliegen?

Immer schon. Als Kleinkind war ich von Mond und Sternen fasziniert. Als Jugendliche habe ich allen erzählt, dass ich die erste Frau auf dem Mars sein werde.

Sie haben sich ja bereits vor Jahren bei der Esa beworben, ohne Erfolg.

Ja, ich bin gleich bei den ersten Tests rausgeflogen, weil ich zu naiv war. Damals war ich 28, hatte gerade promoviert und dachte, man kann es oder kann es nicht. Aber man muss sich vorbereiten.

Worauf?

Es sind vor allem kognitive Tests, wie bei den Piloten. Es geht um Kopfrechnen, Gedächtnis, technisches Verständnis - das kann man alles sehr gut trainieren.

Und die körperliche Vorbereitung?

Man muss gesund sein. Wenn man schon tauchen oder fliegen kann, erhält man extra Punkte. Den Tauchschein habe ich und jetzt auch den Flugschein für kleine Maschinen. Zum Beispiel muss man wissen, was man macht, wenn der Motor ausfällt, man muss konzentriert nach Checklisten vorgehen. Die wichtigste Fähigkeit ist, Anweisungen korrekt zu befolgen.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Das Basistraining bei "Die Astronautin" hat über zweieinhalb Jahre gedauert, allerdings haben wir das in Teilzeit absolviert. Dazu gehörte unter anderem Fliegen, die Zentrifuge und viel Theorie.

Haben Sie schon einen Parabelflug absolviert, bei dem das Flugzeug eine parabelförmige Bahn beschreibt und die Schwerelosigkeit erreicht wird?

Ja, in Bordeaux. Das hat viel Spaß gemacht, war aber gar nicht so wild. Es gibt Anstrengenderes, etwa auf einen 6000 Meter hohen Vulkan zu marschieren.

"Die Astronautin" ist ein privat finanziertes Projekt. Wie funktioniert das?

Die Finanzierung steht noch nicht. Wir haben Geld verdient mit Spenden und Vorträgen, auch das DLR hat uns unterstützt. Die Idee ist, mit Space-X oder Boeing ein kommerzielles Ticket zu kaufen und für eine kurze Mission, etwa zwei Wochen lang, auf der ISS zu arbeiten. Aber die Corona-Krise hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt hat die Bundesregierung andere Sorgen, als uns zu unterstützen. Als Astronautin bin ich sozusagen im Winterschlaf. Stattdessen konzentriere ich mich als Moderatorin auf dem ZDF-Youtube-Kanal "Terra X Lesch & Co" auf wissenschaftlich-journalistische Themen. Auch das macht viel Spaß.

© SZ
Zur SZ-Startseite
ESA's new astronaut Maurer of Germany poses during his presentation at the ESA headquarters in Darmstadt

SZ PlusRaumfahrt
:Unser Mann im All

Matthias Maurer soll als nächster Deutscher zur ISS fliegen. Dafür hat er jahrelang eine extrem anspruchsvolle Ausbildung absolviert. Viel Steuergeld wird investiert, damit Menschen im All arbeiten können. Lohnt sich der Aufwand wirklich?

Von Peter Schneider

Lesen Sie mehr zum Thema