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Psychotherapie für Kinder:Wo Mitleid nicht weiterhilft

Immer mehr 12- bis 18-Jährige stecken in seelischen Krisen und brauchen einen Psychotherapeuten. Doch der Weg in den Beruf ist schwierig und kostspielig.

Von Jonathan Fischer

Immer wieder beliebt: Karikaturen, in denen Patienten auf der Couch liegend ihrem Psychodoktor ein Ohr abquatschen, während dieser seelenruhig im Hintergrund schlummert. Das wirkliche Leben sieht, wie so oft, anders aus. Vor allem nicht lachhaft, zumal schon Kinder auf die Hilfe von Psychotherapeuten angewiesen sind.

Kind mit Teddy

"Man muss erkennen, ob ein Mensch genügend belastbar ist": Nicht jeder ist zum Psychotherapeuten geeignet.

(Foto: Foto: photodisc)

Wer von sich aus einen Psychotherapeuten aufsucht, hat schon einen wichtigen Schritt zu seiner psychischen Gesundung getan. Im Lauf der Therapie, einer Psychoanalyse etwa, soll der Klient dann lernen, unbewusste Konflikte bewusst zu machen und sich so für den Heilungsprozess zu öffnen.

Je früher desto besser. Deshalb kann die Arbeit der analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten kaum überschätzt werden. Wer aber qualifiziert sich für diesen Beruf? Wie sieht die Ausbildung aus? Und welche Chancen haben Therapeuten auf dem Arbeitsmarkt?

Wolfgang Zorn arbeitet als Sozialpädagoge in einer therapeutischen Wohngemeinschaft. Nach Feierabend beschäftigt er sich mit dem Unbewussten, psychischen Widerständen oder "Krankheit als missglücktem Selbstheilungsversuch". Psychoanalytische Grundbegriffe, die zur Ausbildung des angehenden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gehören. "Es ist die beste Qualifikation, die ich auf meinen Beruf draufsatteln konnte", meint er. "Außerdem sagt mir das psychoanalytische Menschenbild aus persönlicher Erfahrung zu."

Durchschnittlich jedes zweites Wochenende verbringt der 39-Jährige auf den Seminaren der Münchner Arbeitsgemeinschaft für analytische Psychotherapie (MAP), einem von drei durch die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten (VKAJP) anerkannten Ausbildungszentren für diese Therapie-Richtung in Bayern. Bevor Zorn sich dort einschrieb, hatte er schon Erfahrungen mit zweifelhaften Instituten gesammelt: Anbieter, die horrende Honorare verlangen und ohne genügend qualifizierte Supervisoren arbeiten.

"Wegen der kostenintensiven Ausbildung", sagt Peter Bründl, Leiter der Kinder- und Jugendlichentherapie-Ausbildung der MAP, "haben wir es mit einem hart umkämpften Markt zu tun". Um Enttäuschungen zu vermeiden, rät er, sich vor einer Einschreibung beim VAKJP kundig zu machen. Deren anerkannte Mitglieds-Institute bieten eine fünfjährige, zeitlich sinnvoll gegliederte berufsbegleitende Ausbildung an. Inzwischen, hat Bründl beobachtet, steige die Anzahl der Bewerber wieder.

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