Die Telefonistin verdient 70 Euro mehr im Monat

Nancy Hoffmann, 27, Callcenter-Mitarbeiterin in Chemnitz: Ich arbeite seit vier Jahren als Kundenbetreuerin für den Callcenter-Dienstleister SNT Deutschland AG in Chemnitz. Ich berate die Kunden etwa bei Kfz-Versicherungen, helfe beim Bestellen von Kaffee oder Kauf von Blumen. Früher gab es dafür als Grundlohn etwa 7,50 Euro brutto pro Stunde. Bereits seit 1. Dezember 2014, also einen Monat früher als gesetzlich vorgeschrieben, bekomme ich 8,50 Euro, ohne Überstunden-Zuschläge oder Leistungsprämien. Die gibt es zusätzlich und sie werden nicht mit dem Mindestlohn verrechnet. Bei einem Grundgehalt von jetzt monatlich 1475 Euro brutto und einer 40-Stunden-Woche habe ich dadurch netto im Monat etwa 60 bis 70 Euro mehr, und das ist echt klasse. Sicherlich überlege ich mir nach wie vor ganz genau, wofür ich Geld ausgebe. Trotzdem bedeutet für mich der Mindestlohn, dass ich mich zum Beispiel beim Einkaufen im Wurstregal nicht immer nach ganz unten bücken muss. Jetzt ist es möglich, auch mal ein paar Cent mehr für eine 100-Gramm-Packung auszugeben. Ich kann auch mit meinem Lebensgefährten öfter abends essen gehen. Oder es sind eher mal ein Paar neue Schuhe drin, was ich als Frau natürlich sehr schön finde.

Bild: dpa 26. April 2015, 16:522015-04-26 16:52:15 © SZ vom 25.04.2015/mkoh