Professoren-Protest in Hamburg Steife Brise

An der Universität Hamburg weht ein rauer Wind - Präsidentin Monika Auweter-Kurtz regiert rigide. Damit provoziert sie den Widerstand der Professoren.

Von Hermann Horstkotte

Professoren sammeln Unterschriften zur Abwahl der Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz; vier von zehn Hochschullehrern im Senat, dem Selbstverwaltungsgremium, treten aus Protest gegen die Hochschulleitung zurück. Drei ehemalige Vizepräsidenten warnen vor einer "drohenden Zerstörung" der fünftgrößten Universität in Deutschland. Schon länger schwelende Unzufriedenheit mit der seit 2007 amtierenden Präsidentin schlug Ende voriger Woche in eine offene Meuterei um.

Kritik am Führungsstil: Monika Auweter-Kurtz, Präsidentin der Universität Hamburg.

(Foto: Foto: dpa)

Auslöser ist die (laut Gesetz mögliche) Weigerung Auweters, den neugewählten Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät zu akzeptieren. Kritiker aus allen Fakultäten wenden sich gegen einen angeblich "autoritären" Führungsstil. Sie werfen der Präsidentin "fehlende Kommunikation" mit den Gremien vor; ihr Stil habe zu einer "tiefen und zerstörerischen Vertrauenskrise" geführt.

Öffentliche Verteidiger hat die Präsidentin kaum, auch wenn einflussreiche Medizinprofessoren und Naturwissenschaftler eine Eskalation verhindern wollen und eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Uni-Leitung nach wie vor für möglich halten. Auch der Studentenvertreter Severin Pabsch hält trotz Vorbehalten Auweter zugute, "die Uni in Bewegung gebracht und ihre Zukunft zum Thema in der Stadt gemacht zu haben". Für dieses Lob wird der angehende Jurist von studentischen Fachschaften sehr gescholten. Und der Hochschulrat und die zuständige politische Senatorin gehen vor dem Sturm einfach in Deckung und schweigen.

Die Präsidentin setzt auf zackige, harte Entscheidungen

Monika Auweter-Kurtz hält die ganze Aufregung für grundlos und fühlt sich unverstanden. Die Ingenieurprofessorin aus Stuttgart hatte nie von dem Präsidentenamt geträumt und sich darum auch gar nicht selbst beworben. Nachdem vier andere Kandidaten abgelehnt hatten, lockte sie der Headhunter und frühere Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, an die Elbe. Sie übernahm eine Uni in finanziellem Schlamassel mit fehlenden Jahresabschlüssen. Auch wissenschaftlich steht die Hochschule wenig glanzvoll da; im bundesweiten Exzellenzwettbewerb kam sie nur mit einem Antrag durch. Mit einem repräsentativen Neubau im Hafengelände will die Universitätspräsidentin einen attraktiven Campus schaffen, das würde aber etwa zwei Milliarden Euro kosten, die noch nicht in Sicht sind.

Wie ein Unternehmenssanierer setzt Auweter-Kurtz auf zackige, auch harte Entscheidungen. So bei der anstehenden Novelle des Hochschulförderungsgesetzes, das der Uni-Leitung den Wahlvorschlag für die Dekane der sechs Fakultäten einräumen und damit ein reibungsloses Durchregieren von Oben nach Unten ermöglichen soll. Unterhalb der Dekanate, etwa auf Institutsebene, gibt es bereits jetzt keine Entscheidungskompetenzen mehr.

Bei der Beratung über die Novelle folgt die Präsidentin der politisch formulierten Terminvorgabe, alle internen Verhandlungen binnen sechs Wochen hinter sich zu bringen. Ein Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeiter protestiert: "Das ist für uns ein Witz, als könnten wir mal so eben die tägliche Arbeit liegen lassen und uns ins Gesetz vertiefen! Früher hatte man wenigstens ein Viertel bis ein halbes Jahr Zeit, in den Gremien zu diskutieren und dann zu einer einigermaßen kompetenten Stellungnahme zu kommen." Trotzdem beugten sich alle Gremien dem Abgabetermin am vergangenen Freitag.

"Raketen-Moni" mit hohem Tempo

Wegen ihres hohen Tempos hat sich die Raketen-Spezialistin Auweter längst den Spitznamen "Raketen-Moni" verdient. Eine offene Diskussion erscheint da eher als Störfaktor. Dementsprechend hatte die Präsidentin schon vor zwei Jahren in einem Maulkorberlass den Professoren untersagt, sich öffentlich zu äußern, "wenn es um ein Thema (geht), das die Universität oder die Hochschulpolitik betrifft".

Mit dieser - schließlich weitgehend wirkungslosen - Anweisung machte sich Auweter in gewohnt schnellem Tempo und sehr nachhaltig unbeliebt. Die ehemaligen Vizepräsidenten Hartmann, Hennig und Vogel werfen ihr in der augenblicklichen Auseinandersetzung die Zerstörung wissenschaftlicher Umgangsformen vor: Junge Akademiker könnten an der Hamburger Universität nicht mehr "erleben, dass Dissens und unterschiedliche Auffassungen in Diskurs, Streitkultur und verantwortlichem Miteinander zu tragfähigen Lösungen geführt werden".

Der Headhunter Landfried sieht in den Attacken gegen die von ihm angeworbene Präsidentin ein letztes Gefecht zwischen der alten kollegialen Selbstverwaltung unter einem bloß vermittelnden Rektor und der präsidialen "Vorstands-Leitung" eines modernen "Unternehmens Hochschule".

Solche Konflikte gebe es derzeit bundesweit, sagt Landfried, wenngleich meist in milderen Formen. Nächster Termin in Hamburg ist die Sitzung des Akademischen Senats am Dienstag kommender Woche. Auf der Agenda: ein Vertrauensvotum für den gewählten Dekan der Geisteswissenschaftler - und ein Antrag, Präsidentin Auweter-Kurtz abzuwählen. Das letzte Wort darüber hat allerdings der über allem stehende Hochschulrat.