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Problemberatung im Job:Der neutrale Blick

Ohne die persönliche Situation zu verstehen, geht das indes nicht. "Bei der Supervision schält jemand aus dem Dickicht seiner Gefühle und Erfahrungen eigene Lösungen heraus", sagt er. Es sei wichtig zu sehen, was alles an einem Problem dranhängt. "Erst dann kann sich der Klient ans Aufräumen machen und die Dinge wieder in Bewegung bringen", sagt der Berater, der auch im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Supervision ist (DGSv).

Besserwisserei, also den Klienten hereinreden und ihnen vorschreiben, was sie tun sollen, lehnt Hinsching ab. Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, blickt er humorvoll auf seine eigenen Erfahrungen zurück. "Nach meiner Supervisionsausbildung war ich so begeistert von dem Gelernten, dass ich dachte, ich wüsste, wie es geht. Ganz nach dem Motto: Gestern konnte ich das Wort Inschenjör noch nicht schreiben, heute bin ich schon einer." Über die Versuchung, sich plötzlich für jemand Größeres zu halten, sei er anfangs gestolpert. Heute plädiert er klar für eine innere Haltung, die den Klienten auf Augenhöhe wahrnimmt, ihn wertschätzt. Und ihm so ermöglicht, sich weiterzuentwickeln.

Ohne Hilfe geht es nicht

Denn fremde Tipps haben einen entscheidenden Nachteil: Sie passen oft nicht, gehen am Kern des eigenen Problems vorbei. Doch wer Hilfe sucht, spürt meist großen Leidensdruck. Und der soll ja weichen. Wie bei einem Paar, das ihn aufsuchte. Die Schwierigkeiten begannen, als die Ehefrau in die aufstrebende Agentur mit einstieg. "Schon nach kurzer Zeit waren wir derart in gegenseitigen Vorwürfen und Verletzungen verfangen, dass auch die Ehe zu scheitern drohte", sagt sie. Drei Jahre lang wursteln sich die beiden durch, lieben und quälen sich gleichermaßen. Dann ist klar: Ohne Hilfe geht es nicht.

Heute ärgern sie sich ein wenig, dass sie sich nicht schon früher Unterstützung geholt haben. "Es ist so entlastend, in einem geschützten Rahmen miteinander zu streiten und die Dinge zu entzerren", sagt die Frau. Der neutrale Blick von außen wirkt wie Balsam. Und hilft, Privates von Beruflichem zu trennen, klare Rollen sowie Rechte und Pflichten im Job festzulegen. Oder schwierige Mitarbeitergespräche vorzubereiten. Störungen, die im beruflichen Alltag passieren, schreiben sie auf und besprechen sie in der nächsten Sitzung.

Das Vertrauen zum Supervisor spielt dabei eine große Rolle. Und natürlich Diskretion. Bei der Suche nach einem geeigneten Supervisor sei daher eine Empfehlung für beide Seiten am besten, so Hinsching. Natürlich könne man auch nach einem Supervisor googeln, das Telefonbuch wälzen oder auf eine Anzeige reagieren. Letztlich aber, davon ist er überzeugt, entscheide die Chemie, ob Supervisor und Klient zueinander kommen. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Berater oft die Kunden haben, die zu ihnen passen. Oder umgekehrt."

© SZ vom 09.08.2008/cag
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