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Positionierung im Job:Nicht beliebt, aber erfolgreich

"Selbstüberschätzung kann man von außen nicht gut erkennen", sagt Dufner. "Nicht einmal die besten Freunde merken, ob sich jemand innerlich für überlegen hält und dabei überschätzt." Im Gegenteil: Die Menschen im Umfeld folgten treu und brav der Selbsteinschätzung ihres Freundes oder Kollegen, unabhängig davon, ob sie passt oder ein paar Nummern zu groß ist. "Selbstüberschätzung ist hilfreich", sagt Dufner. Sogar dann, wenn andere wider Erwarten doch spürten, dass es sich um ein verzerrtes Selbstbild handelt. "Wer als starkes Ego wahrgenommen wird, ist zwar nicht beliebt", sagt der Wissenschaftler, man solle damit auch keinesfalls übertreiben. "Trotzdem kommt so jemand leichter auf Führungspositionen."

Personalberater sind in der Regel davon überzeugt, Blender erbarmungslos zu entlarven, ganz gleich aus welcher Altersklasse. "Die Jungen gehen selbstbewusst und naiver in Vorstellungsgespräche", sagt Jörg Breiski von der Managementberatung Mercuri Urval in München, "solches Verhalten nimmt man denen nicht übel. Bei den Älteren ist es Taktik, sie wollen ihre Vorstellungen durchsetzen. Das geht meist nach hinten los. Hokuspokus überzeugt nicht."

Michael Faller von der Unternehmensberatung Baumann in Frankfurt ordnet die übergroßen Egos mehrheitlich der Generation Y zu: "Mir gehört die Welt - diese Haltung ist ein echtes Problem." Er merke das schon beim ersten Telefonat, "etwa an der Gesprächsführung oder wie jemand seine Erwartungen formuliert". Trotzdem prüft Faller, ob der Bewerber in das Unternehmen und zum Vorgesetzten passt. "Dann stelle ich ihn vor - oder nicht."

"Viel heiße Luft"

Renate Schuh-Eder aus Baldham bei München macht mit Aufschneidern kürzeren Prozess. "Bei Positionen vom mittleren Management bis zur Geschäftsführung erleben wir dieses Gebahren regelmäßig: Das bin ich, das kann ich, das will ich - viel heiße Luft." Den Kunden stellt sie solche Kandidaten gar nicht vor. Allerdings weiß die Personalberaterin auch: "Ab einer bestimmten Führungsebene braucht es ein gewisses Ego. Sonst wird es schwer, sich in der männlichen Welt durchzusetzen."

Verständnis für die selbsternannten Supertalente zeigt hingegen Maik Lehmann vom Institut für Personal- und Unternehmensberatung in Köln: Bei Menschen, die seit ihrer Kindheit auf Leistung getrimmt worden seien, kreise alles um das eigene Ego: "Die dürsten nach Anerkennung, ganz gleich ob in Form von Status, Gehalt, Firmenwagen oder Lob." Mit seinem Rat rückt der Jurist nahe an das, was Sozialpsychologen wie Dufner herausgefunden haben. "Man sollte sich bewusst machen, dass man ein starkes Ego hat. Kluge Menschen gehen dann an die Wurzel und fragen sich: Warum bin ich so? Damit beginnen sie, sich selbst zu reflektieren. Diese Kandidaten sind mir und den Arbeitgebern am liebsten."

© SZ vom 08.02.2014/jobr

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