Positionierung im Job "Selbstüberschätzung ist hilfreich"

Superman macht super Job: Ein gesundes Ego hilft im Job.

Karriere dank übergroßem Ego: Personaler glauben, dass sie Blender im Vorstellungsgespräch mit Leichtigkeit entlarven. Doch großspurige Bewerber haben oft mehr Erfolg als Kandidaten, die sich realistisch einstufen.

Von Christine Demmer

Eigentlich stimmte alles: Lebenslauf, Ambitionen, Alter, Gehaltsvorstellung. Und selbstbewusst wirkte der Softwareentwickler auch, als er zum Vorstellungsgespräch mit dem IT-Direktor eines großen Unternehmens zusammentraf. Doch gleich nach dem Händeschütteln hob der Bewerber an zu einem viertelstündigen Vortrag: Warum der Webshop der Firma komplett umgebaut werden müsse. Wie er das tun würde. Wann er damit anfangen und wann er damit fertig sein könne. Anschließend schaute er erwartungsfroh in die Runde, doch der IT-Direktor kniff den Mund zusammen, und der Personalberater, der das Treffen vermittelt hatte, lächelte peinlich berührt. Soeben hatte sich sein Kandidat virtuos ins Aus geschossen.

"Der Bewerber hat nicht verstanden, dass seine Äußerungen als Angriff aufgefasst werden mussten, gegen die man naturgemäß eine Abwehr aufbaut", erklärt André Soder, Personalberater aus Hamburg, dem diese Geschichte vor einiger Zeit passiert ist. "Das war ungeschickt. Die Firmenvertreter kennen die Schwachstellen ja selbst, da muss man sie nicht extra darauf hinweisen", sagt er. "Bis zu einem bestimmten Punkt ist die Darstellung des eigenen Denkens und Könnens gut. Aber wenn der Vorgesetzte oder Personalleiter den Eindruck gewinnt, der Bewerber wisse alles besser, ist es vorbei."

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Wie muss ein Bewerbungsschreiben aussehen? | Darf ich im Lebenslauf schummeln? | Was gilt es im Vorstellungsgespräch zu beachten? | Wie läuft ein Assessmentcenter ab? Der Bewerbungs-Ratgeber von SZ.de gibt Tipps.

Jeder Personaler kennt Kandidaten, die sich in Vorstellungsgesprächen übertrieben in Szene setzen und ihr raumgreifendes Ego zur Schau stellen. "Solche Typen fordern geradezu zum Nachbohren heraus", sagt Torsten Schneider, Personaldirektor bei der Kölner Rechtsanwaltsgesellschaft Luther. Was sich hinter der Fassade verberge, könne man mit den richtigen Fragen herausfinden. Zum Beispiel: "Nennen Sie mir ein konkretes Beispiel für die gerade von Ihnen herausgestellte gute Eigenschaft oder Fähigkeit." Das wird nur gewertet, wenn es aus dem beruflichen Bereich stammt und wenigstens im Ansatz belegt werden kann.

Entlarvende Grenzgespräche

Die zweite Testfrage: Gab es Situationen, in denen er oder sie überfordert war? "Ein Dampfplauderer", sagt Schneider, "nennt entweder ganz banale Dinge oder ist mit der Frage überfordert. Jemand mit Substanz wird tatsächlich glaubhaft antworten. Gute Leute haben kein Problem, über ihre Grenzen zu sprechen."

Das ist ehrlich - aber fördert es tatsächlich den beruflichen Aufstieg? Neue Erkenntnisse der Persönlichkeitspsychologie sollten Personalchefs und Berater ins Grübeln bringen. Denn Michael Dufner, promovierter Psychologe an der Uni Leipzig, hat in einer Studie herausgefunden, dass die Überschätzung des eigenen Wissens und Könnens - ein verbreitetes menschliches Phänomen - gewinnbringender ist als die gemeinhin geforderte realistische Selbsteinschätzung. Das heißt: Wer sich für besser hält, als er tatsächlich ist, gilt bei seinen Mitmenschen als emotional stabil, sozial attraktiv und einflussreich. Das droht die beste Eignungsdiagnostik auszuhebeln.

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