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Vorwurf Rassismus:"Stellt euch dem Vorwurf, nur nach Hautfarbe zu kontrollieren"

Sie meinen, der Job des Polizisten macht aus manchen Rassisten?

Automatisch sicher nicht. Aber es wird Zeit, dem Rechtsradikalismus- und Rassismusvorwurf nachzugehen und nicht auf die Gesellschaft zu zeigen. In den 80er Jahren hatten wir eine ähnliche Debatte um die Republikaner und Polizisten, die dort Mitglied wurden. Damals hat die Polizei darauf reagiert.

Die Republikaner wurden vom Bundesamt für Verfassungsschutz wegen des Verdachts auf rechtsextreme Bestrebungen beobachtet. Welche Maßnahmen wurden ergriffen?

Die Ausbildung wurde pädagogisiert. Der politische Unterricht wurde intensiviert. Nach meiner Erfahrung wird heute im Studium über Rassismus gesprochen: Was ist das? Wie zeigt sich das? Ich sage im Unterricht zu meinen Studenten: Stellt euch diesem Vorwurf, nur nach Hautfarbe zu kontrollieren. Stimmt das? Was macht ihr denn tatsächlich? Können wir dem auch etwas Intelligentes entgegensetzen? Etwa, dass wir nach Ort und Zeit und so weiter entscheiden.

Offenbar reicht Pädagogik nicht aus.

Nein, Demokratie muss auch gelebt werden. Die gesamte Führungskultur, der Umgang mit Mitarbeitern muss widerspiegeln, dass wir in einer wertschätzenden Organisation und nicht in einem bürokratischen Apparat leben. Viele Polizisten der unteren Dienstränge erleben sich als kleine Rädchen im Getriebe, da kann es dann schon zu abweichenden Wertvorstellungen kommen.

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Viele Polizeibeamte teilen also das Gefühl des Abgehängtwerdens, von dem auch mit Blick auf AfD- und Trumpanhänger immer wieder gesprochen wird?

Strukturell gesehen sind Mitarbeiter am unteren Ende einer Hierarchie dafür anfälliger. Mit mehr Wertschätzung könnte man dem entgegenwirken. Wohlgemerkt: Wertschätzung - und auch Mitsprache - im Innern der Polizei.

Muss im Innern der Polizei auch darüber geredet werden, was die Leute fordern, die etwa in Chemnitz aufmarschieren und ob etwa die Vorwürfe von Pegida-Anhängern gegen Journalisten gerechtfertigt sind?

Im Einsatz ist es hilfreich, wenn sich die Polizisten gar nicht so viel Gedanken um die Inhalte machen. Sie müssen nicht sagen, ich habe was gegen Pegida oder ich bin für die Integration von Flüchtlingen. Sie begleiten Versammlungen, weil sie das Versammlungsrecht schützen und nicht, weil sie die Demo gut finden. Ob ein Polizist konservativ ist oder grün, rechts oder links - das ist egal, wenn er seinen Job so macht, wie es im Gesetz steht.

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