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Polizei in NRW:Begründungen sind teilweise absurd

Andere Argumente in dem Bericht muten zum Teil grotesk an. So wird angeführt, kleine Polizisten könnten bei einer Verkehrskontrolle von Autofahrern übersehen werden. Zudem, so heißt es, hätten kleine Menschen so schmale Hüften, dass an ihren Gürteln nicht alles angebracht werden könne, was ein Polizist brauche - von der Waffe bis zur Taschenlampe.

Glaubhaft ist zwar, dass eine gewisse Größe vorteilhaft ist, wenn ein Randalierer überwältigt werden soll und dass die 22 Kilo schwere Schutzausrüstung für kritische Einsätze eine zierliche Beamtin mehr belastet als größere Kollegen. Der Bericht erweckt jedoch den Eindruck, es gehe dabei um Dauerbelastungen statt um Ausnahmesituationen.

Eine Oberkommissarin aus Hessen, die vor etwa zehn Jahren aufgrund ihrer Körpergröße als Polizistin in NRW abgelehnt wurde, sieht das entsprechend gelassen: "Natürlich schränkt es die Bewegung ein, wenn ich in der Amokausrüstung komplett eingemummelt bin", sagt Maren Kunze (Name geändert). Sie habe sich jedoch mittlerweile daran gewöhnt. Außerdem böten die relativ großen Ausrüstungen auch Vorteile. "Wenn bei mir mehr abgedeckt ist als bei den Männern, bin ich auch besser geschützt", sagt sie.

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Für den Europäischen Gerichtshof sind solche Beispiele ohnehin kein Grund, kleinere Menschen ganz vom Polizeidienst auszuschließen. Es sei nicht ersichtlich, dass die körperliche Eignung "zwangsläufig mit dem Besitz einer Mindestkörpergröße verbunden ist", hat er im Oktober 2017 entschieden. Zum Fall einer Polizeibewerberin aus Griechenland merkte das Gericht zudem an, dass es bei der Polizei Tätigkeiten wie den "Beistand für den Bürger und die Verkehrsregelung" gebe, die keinen hohen körperlichen Einsatz erforderten.

Die Mindestgröße soll noch 50 Jahre halten

Doch die Arbeitsgruppe in NRW beruft sich auf Studien aus den 70er- und 80er-Jahren. Polizeivollzugsbeamte würden "mit ihrer körperlichen Konstitution von der Bevölkerung als Vertreter des Staates und seiner Leistungsfähigkeit wahrgenommen", heißt es in dem Bericht. Großen und männlichen Polizeibeamten werde eine natürliche Autorität zugesprochen, die Frauen kommunikativ ausgleichen müssten.

Rafael Behr weist dieses Argument zurück: "Kommunikation wird als etwas nachrangiges dargestellt, das man einsetzt, wenn man es sich leisten kann." Längst sei erwiesen, dass nicht die Größe, sondern die innere Haltung eines Polizisten über Respekt und Gegenwehr entscheide. Viele Männer wollten das nur nicht wahrhaben. Tatsächlich würden Gewaltübergriffe auf Polizisten meist erst durch plumpe Machtdemonstration provoziert.

Dass sich die Polizeiarbeit künftig vom Physischen ins Digitale verschieben könnte, wird in dem Bericht nicht erwähnt. Stattdessen wurde bedacht, dass heute ausgewählte Polizisten auch noch in 50 Jahren fähig sein müssen, dem immer größer werdenden Durchschnittsbürger über die Schulter zu schauen.

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