Plagiate-Jägerin:"Ich habe schon Studenten zum Weinen gebracht"

Lesezeit: 4 min

Weber-Wulff: Professoren und Lehrer rüsten auf und lernen dazu. Häufig ist aber nicht mangelnde Medienkompetenz das Problem, sondern Zeit und der Betreuungsschlüssel. Bei 200 Studenten in einem Proseminar muss ein Dozent erst einmal alles lesen. Will er dann noch Plagiatskontrollen durchführen, dauert das unglaublich lange.

Debora Weber-Wulff

Debora Weber-Wulff: Sie ist Expertin für die Erkennung von Plagiaten, hat Richtlinien für Lehrende erarbeitet und testet Software zur Identifikation von Plagiaten.

(Foto: Foto: oH)

sueddeutsche.de: Mittlerweile können Unis auch Software zur Plagiats-Erkennung einsetzen. Funktioniert sie besser als die Fälschersuche via Suchmaschine?

Weber-Wulff: Das kommt ganz auf die Software an. Wir haben 24 Systeme getestet, von denen leider keines mit sehr gut abgeschnitten hat. Sieben haben wir mit gut bewertet, zwei mit einer fünf, und bei acht Systemen musste der Test abgebrochen werden, weil sie nicht funktionierten. Ein großes Manko bei allen Produkten ist, dass sie keine Übersetzungsplagiate finden. Übersetzt ein Student etwa aus einem englischen Text und gibt die Quelle nicht an, rutscht das der Software bislang noch durch.

Manche Systeme sind für Unis umsonst, andere dagegen kosten mehrere tausend Euro im Jahr. Da sollte man sich schon genau überlegen, ob man die Plagiate nicht schneller und unkomplizierter über die Suchmaschine findet.

sueddeutsche.de: Mit welchen Konsequenzen müssen Schüler, Studenten und Professoren rechnen, die erwischt werden?

Weber-Wulff: Das liegt in der Hand ihrer Lehrer, Professoren und der Universitäten. Schüler und Studenten fallen in der Regel durch und müssen die betreffende Arbeit noch einmal schreiben. Mit plagiierenden Professoren wird leider ganz unterschiedlich umgegangen. Die Uni Bonn hat einem Dozenten sowohl die Prüfungsberechtigung in allen Fällen als auch die Verfügung über Finanzmittel entzogen. Andernorts bleibt es aber oft bei mahnenden Worten.

sueddeutsche.de: In Baden-Württemberg gibt es Pläne, plagiierende Studenten zu exmatrikulieren. Was halten Sie davon?

Weber-Wulff: Ich finde die Idee gut. Allerdings ist das Verfahren noch nicht ausgereift. Ich plädiere für Ordnungsausschüsse an jeder Universität. Dieses Gremium, in dem auch Studenten vertreten sein sollten, sollte nach festgelegten Kriterien jeden Plagiatsvorwurf überprüfen.

sueddeutsche.de: Wie reagieren Studenten, wenn sie erwischt werden?

Weber-Wulff: Ein Unrechtsbewusstsein haben nur ganz wenige. Ich habe aber schon Studenten zum Weinen gebracht, wenn ich sie mit dem Plagiat konfrontiert habe. Andere behaupten, sie hätten gar nicht gewusst, dass abschreiben nicht erlaubt ist. Sie nehmen das Studium nicht ernst. Ihnen geht es nicht ums Lernen. Sie wollen nur einen akademischen Titel, damit sie später möglichst viel Geld verdienen.

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