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Pisa-Studie: Deutschland holt auf:Besser ist noch nicht gut

Manches hat sich verändert an Deutschlands Schulen, doch beim Lesen sind deutsche Schüler bestenfalls Mittelmaß. Das Problem liegt im System.

Jetzt loben sie sich wieder alle. Eifrig waren die Kultusminister am Dienstag bemüht, selbst hauchzarte Verbesserungen ihres Bundeslands als einen Erfolg ihrer Reformen zu deuten. Es gehe nicht um Gewinner und Verlierer, betonte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), als sie die Pisa-Tabellen vorstellte. Im Vergleich zur ersten Studie aus dem Jahr 2000, die zum Synonym für das Versagen der deutschen Schulen wurde, konnte fast jedes Bundesland Fortschritte melden.

Schüler, ap

Mathematik: Der Abstand zwischen Schlusslicht Bremen und dem Spitzenreiter Sachsen enorm entspricht dem Lernpensum von bis zu zwei Schuljahren.

(Foto: Foto: ap)

Und im internationalen Vergleich liegen nun 13 Bundesländer zumindest in den Naturwissenschaften über dem OECD-Durchschnitt. Im Lesen und in Mathematik bleiben die meisten jedoch Mittelmaß. Und noch immer ist der Abstand zwischen dem Schlusslicht (Bremen) und dem Spitzenreiter (Sachsen) enorm: Er entspricht dem Lernpensum von bis zu zwei Schuljahren.

Jeder fünfte Leistungsschwach

Sachsen verdrängte Bayern von der Spitze und liegt jetzt in allen drei Testbereichen - Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften - auf dem ersten Platz. Auch Thüringen landete über dem Mittelwert der OECD; Rheinland-Pfalz steigerte sich beim Lesen. Selbst Brandenburg bekam ein Lob des Pisa-Forschers Manfred Prenzel, weil das Land die Leistungsanforderungen in seinen Schulen angehoben habe.

Bundesweit eine der größten Schwächen bleibt die unzureichende Förderung von Migranten und Kindern aus armen Familien. An den Hauptschulen in Hamburg und Bremen scheitern bis zu 75 Prozent der Jugendlichen an einfachsten Lese- und Rechenaufgaben. Bundesweit und über alle Schulformen betrachtet, gehört jeder fünfte Jugendliche zur Gruppe der besonders Leistungsschwachen.

Berufsprestige der Eltern

Außerdem bleibt die hohe Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft nach den Worten des Berliner Bildungssenators Jürgen Zöllner (SPD) "das zentrale Problem" in Deutschland. In Berlin und Hamburg hängen die Leistungen der Jugendlichen besonders stark mit dem Einkommen und Berufsprestige der Eltern zusammen. Vergleichsweise gering ist dieser Zusammenhang in Sachsen und Niedersachsen.

Arbeiterkinder haben es in allen Bundesländern schwer, auf ein Gymnasium zu kommen - sogar bei guten Leistungen. In Bayern besuchen nur acht Prozent der Kinder von ungelernten oder angelernten Arbeitern ein Gymnasium. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sind es 20 Prozent. Allerdings ist das bayerische Schulsystem sozial durchlässiger geworden. Die Chancen eines Facharbeiterkinds, im Alter von 15 Jahren ein Gymnasium zu besuchen, sind zwar immer noch 4,3 mal geringer als die eines Kindes aus der Oberschicht. Doch im Jahr 2000 waren die Chancen noch viel schlechter.

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Pisa-Studie: Die Aufgaben

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