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Pflegeberufe sollen attraktiver werden:Gratis-Massagen und Kopfgeld für Pfleger

Unbesetzte Stellen, zu wenige Fachkräfte: Das Personal in der Pflegebranche wird langsam knapp. In ihrer Not lassen sich Krankenhäuser und Altenheime so einiges einfallen, um neue Mitarbeiter anzuwerben. Kostenlose Massagen sind nur ein Lockmittel.

Massagen für geschundene Rücken, kostenlose Kinderbetreuung in den Schulferien oder Kopfgeld auf neue Mitarbeiter - Pflegekräfte werden von Krankenhäusern und Altenheimen inzwischen heiß umworben. Schon heute können die Arbeitgeber viele Stellen nicht besetzen, und der demografische Wandel wird das Problem in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Experten sprechen bereits von einem "Kampf um Pflegekräfte".

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Kostenlose Massagen sollen den Plfegerberuf mancherorts attraktiver machen.

(Foto: dpa-tmn)

Diesen führen die Personalabteilung durchaus kreativ. 1000 Euro sind neue Angestellte den vier großen Krankenhäuser in Bremen Wert. So viel zahlen sie ihren Mitarbeitern, wenn es diesen gelingt, eine Fachkraft für eine unbesetzte Stelle anzuwerben. "Wir erhoffen uns, dass wir dadurch einfach schneller an Personal kommen", erläutert Daniel Goerke, Sprecher beim Klinikverbund Gesundheit Nord. Seit April kamen dank der Mund-zu-Mund-Propaganda drei neue Arbeitsverträge zustande.

Über akuten Personalmangel können die Bremer - außer in sehr spezialisierten Fachrichtungen wie auf der Kinderintensivstation - zurzeit nicht klagen. Doch die Prognosen lassen jetzt schon die Alarmglocken schrillen. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass 150.000 Kranken- und Altenpfleger im Jahr 2025 fehlen werden. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste rechnet sogar mit rund 220.000 fehlenden Pflegekräften - und zwar bis 2020.

Mit Hochglanzbroschüren, selbst gedrehten Youtube-Videos, Facebook- und Twitter-Auftritten, witzigen Werbeaktionen und auf Jobmessen buhlen die Pflegeeinrichtungen um Mitarbeiter. "Das sind eher Gags, die Aufmerksamkeit erwecken", meint der Präsident des Gesundheitswirtschaftskongresses, Heinz Lohmann. Die Fachtagung wird sich Ende August in Hamburg mit kreativen Wegen aus der Personalnot beschäftigen.

Dabei rückt immer mehr in den Fokus, was in anderen Branchen schon lange gang und gäbe ist: Ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Das hat auch der Bremer Klinikverbund erkannt. "Viel wichtiger als die Prämie ist, dass unsere Mitarbeiter Beruf und Familie vereinbaren können", sagt Goerke. Das ist im Schichtdienst nicht immer einfach, trotz flexibler Arbeitszeitmodelle. Deshalb sind die Kitas der Kliniken nicht nur länger geöffnet. Sie bieten in den Schulferien auch kostenlose Betreuung für Kinder an, die sonst in externen Einrichtungen untergebracht sind.

Betriebssport und Weiterbildungen sollen die rund 7300 Angestellten bis ins hohe Alter fit halten. Einen ähnlichen Weg geht die Medizinische Hochschule Hannover. Sie will an die sogenannten stillen Ressourcen ran - meist Frauen, die nach einer Schwangerschaft für längere Zeit zu Hause geblieben sind und sich nun vor einem Wiedereinstieg scheuen. "Man hat gut geschultes Personal, das aber nicht genutzt wird", sagt der Sprecher der Uniklinik, Stefan Zorn. Pflegekräfte können deshalb spezielle Kurse besuchen, die sie ein dreiviertel Jahr lang auf die neuen Berufsanforderungen vorbereiten. Ihre Kinder können sie in der Zeit kostenlos betreuen lassen.

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