Süddeutsche Zeitung

Personalbranche:Welches Gehalt schwebt Ihnen vor?

Wer sich für Themen rund um Beschäftigungsverhältnisse interessiert, kann ins Personalwesen einsteigen. Für die Ausbildung gibt es viele Optionen.

Von Benjamin Haerdle

Acht Jahre arbeitete Maximilian Kamm beim Gastronomieunternehmen Feinkost Käfer in München, zuletzt als stellvertretender Personalleiter. Er machte zuerst eine Ausbildung zum Fachmann für Systemgastronomie, ehe er aufs Personalwesen umsattelte: Kamm kümmerte sich bei Käfer beispielsweise um 80 Auszubildende, führte sie in den Betrieb ein, unterstützte sie bei Prüfungsvorbereitungen oder war für die Mitarbeiter auf dem Oktoberfest zuständig. Doch irgendwann merkte er: Ihm fehlte das juristische Wissen zum Personalmanagement. Um diese Expertise etwa zum Tarifrecht, zur Vertragsgestaltung oder zum Kündigungsrecht nachzuholen, entschied er sich, sich an der IHK-Akademie München/Oberbayern parallel zum Berufsalltag zum Personalfachkaufmann weiterzubilden - 14 Monate lang zwei Abende, dazu gelegentlich Unterricht an Samstagen sowie Blockveranstaltungen. "Das war eine extreme Belastung, neben dem Job regelmäßig zu lernen, neues Wissen aufzubereiten und die Abschlussprüfung zu machen", erinnert sich Kamm.

Insgesamt drei Weiterbildungskurse zum Personalfachkaufmann bietet die IHK-Akademie Bayern/Oberbayern pro Jahr an, die Nachfrage ist groß. Dabei handelt es sich um eine bundesweit einheitliche Ausbildung, die an etlichen anderen IHK-Ausbildungseinrichtungen möglich ist. "Das IHK-Zertifikat ist bei Firmen anerkannt, weil sie sich darauf verlassen können, dass die Weiterbildung bestimmten Standards entspricht", sagt Sybille Juhasz, Projektmanagerin bei der IHK-Gesellschaft für Berufs- und Weiterbildung. Die Organisation der Personalarbeit, rechtliche Bestimmungen, Personalplanung oder -entwicklung seien wesentliche Elemente des Kursplans. "Teilnehmer sollen vor allem lernen, strategisches Personalmanagement umzusetzen", sagt sie. Doch auch das operative Geschäft komme nicht zu kurz. Offen stehe die Ausbildung denjenigen, die einen Berufsabschluss sowie Berufserfahrung im Personalwesen vorweisen und Führungsaufgaben anstreben.

Zugangsvoraussetzungen in Form gesetzlich vorgeschriebener Zertifikate, um eine Karriere im Personalwesen zu starten, gibt es in Deutschland im Unterschied etwa zu den USA oder zu Großbritannien nicht. Die Folge: "Die Wege ins Personalmanagement sind sehr unterschiedlich", sagt Katharina Heuer, Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP).

Eine Option sind kostenpflichtige MBA-Studiengänge. So bietet zum Beispiel die Hochschule Ludwigshafen in Zusammenarbeit mit der Management Akademie Heidelberg den berufsbegleitenden Studiengang Human Resources Management an. Er richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die im Personalmanagement bereits reichlich Erfahrung gesammelt haben und die ihr Wissen auf den neuesten Stand bringen möchten. Mit Fokus auf die Globalisierung positioniert sich die Hochschule Hof mit dem Vollzeit-MBA Internationales Personalmanagement. Die Absolventen sollen nach dem viersemestrigen Studium vor allem in ihren Heimatländern als Personaler in führender Position in ausländischen Niederlassungen deutscher Unternehmen arbeiten. Einen anderen, stärker fachübergreifenden Schwerpunkt setzt die Leuphana-Universität in Lüneburg. Deren berufsbegleitender MBA-Studiengang Performance Management fokussiert auf Organisations- und Personalentwicklung, kombiniert mit Wirtschaftspsychologie.

Eine andere Möglichkeit ist ein reguläres Hochschulstudium. An zahlreichen Hochschulen kann man sich in Bachelor- und Master-Studiengänge einschreiben, etwa zu Human Resource (HR) Management oder zum Personalmanagement. Auch andere Abschlüsse, etwa in Wirtschaftspsychologie, Psychologie, Jura zum Beispiel mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht, oder Betriebswirtschaftslehre bilden eine gute Basis. "Hochschulabsolventen verschiedener Fachrichtungen können ins Personalmanagement einsteigen, wenn sie sich dafür interessieren und sie in einer Firma in diesem Bereich bereits Praktika gemacht haben", sagt Heuer von der DGFP. Vor allem größere Unternehmen böten HR-Trainee-Programme für Hochschulabsolventen an.

Auch ein berufsbegleitendes Studium bei einer privaten Hochschule wie etwa der FOM Hochschule sei eine gute Option, sagt Heuer. Allerdings sollte man bereits im Personalwesen einer Firma arbeiten, um von den Lehrinhalten in der Praxis zu profitieren. Zudem sollte der Studiengang nicht zu spezialisiert sein. "Studiengänge wie Gesundheitsmanagement oder internationales Personalmanagement decken nur einen kleinen Teil des Personalmanagements ab", sagt Heuer. Einsteiger sollten ihrer Ansicht nach besser mit einem allgemeineren Studium anfangen.

Die Richtung Personalmanagement kann man aber auch gleich nach der Schule in Form einer dreijährigen Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann einschlagen. Hierfür genügt als Abschluss die mittlere Reife. Personal anwerben, passende Bewerber auswählen, Beratungsgespräche führen sind typische Themen der Ausbildung. Zudem lernen die Azubis vieles rund um die Betreuung von Kunden und das Marketing. Wer einen anderen Beruf gelernt hat, jedoch Richtung Personalwesen umsteigen möchte und weder Vorkenntnisse noch Studienabschluss hat, kann fürs Erste auch mit einer Weiterbildung zur Fachkraft Personalwesen beginnen. "Teilnehmer haben auf diese Weise die Möglichkeit, in das Berufsfeld des Personalbereichs einzusteigen", sagt Juhasz. An der IHK-Akademie können Interessenten drei Module zu den drei Themenbereichen Personalmanagement, Personalentwicklung und -beurteilung sowie Lohn- und Gehaltsabrechnung belegen.

Optionen fürs Studium

Das Studienangebot im Personalwesen ist an Deutschlands Hochschulen breit gefächert. Möglich ist ein Bachelorstudium vor allem an Fachhochschulen, etwa "Management und Personalwesen" an der Hochschule Heilbronn, "Betriebswirtschaft/Personalmanagement" an der Hochschule Pforzheim oder "Internationales Personalmanagement und Organisation" an der Hochschule Ludwigshafen. Das Studium Human Resource Management ist meist Teil der Wirtschaftswissenschaften. Master-Kurse in Vollzeit finden etwa an der Universität Halle-Wittenberg, der Uni Hamburg oder Leuphana Universität Lüneburg statt.

Groß ist die Auswahl weiterbildender Master-Studiengänge an den Universitäten im Bereich der Organisation- und Personalentwicklung. Programme werden zum Beispiel an der Universität Erlangen-Nürnberg angeboten, im Bereich der Berufs- und Betriebspädagogik am Karlsruher Institut für Technologie oder auf dem Gebiet der berufsbegleitenden Weiterbildung an der Uni Jena. BH

Unabhängig von den formalen Karrieremöglichkeiten sollten Interessenten aber prüfen, ob ihnen das Berufsfeld vom Typ her zusagt. "Man sollte mit Menschen gut und gerne kommunizieren wollen und Empathie zeigen", sagt Claudia Becker. Sie ist zuständig in Sachen Weiterbildung beim Bundesverband Sekretariat und Büromanagement (BSB), der seit vielen Jahren an circa 40 Städten in Deutschland die Weiterbildung zum Personalreferenten anbietet. Entscheidet man sich für den BSB-Kurs, lernt man in vielen praktischen Übungen beispielsweise Methoden des Konfliktmanagements. "Das ist wichtig, da in Unternehmen immer wieder Konflikte auftreten, und es zu den Alltagsaufgaben von Personalern zählt, diese zu lösen", sagt Becker.

Gut sind im Personalmanagement die Jobaussichten. Maximilian Kamm fand nach seiner Weiterqualifizierung gleich einen neuen Job in leitender Position: Er arbeitet seit einem Dreivierteljahr beim Münchner Lederwarenhersteller Aigner als Personalleiter und ist dort für ungefähr 250 Mitarbeiter zuständig.

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Quelle:
SZ vom 16.02.2018
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