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Originelle Gründungsideen:Wie schützt man sich vor Ideenklau?

Besteht dann nicht die Gefahr, dass die Idee von einem Konkurrenten geklaut wird?

Eine Idee kann nicht patentiert werden, nur eine technische Neuerung. Wenn es reicht, eine Idee zu klauen, dann kann sie nicht sehr gut gewesen sein. Denn die Umsetzung ist ja letztlich das Entscheidende.

Wie schütze ich mich denn gegen Ideenklau?

Erzählen Sie von Ihrer Idee immer aus Sicht des Kunden, also welches Problem durch die Erfindung oder das Konzept gelöst wird. Details zur technischen Umsetzung oder zum Prozess sollten Sie dagegen für sich behalten. Wenn Sie ein konkretes Produkt im Kopf haben, sollten Sie auf jeden Fall in den Patentdatenbanken der wichtigsten Länder - also USA, Japan und den europäischen Staaten - recherchieren um sich eine Übersicht über bestehende Patente zu verschaffen und dann einen Termin beim Patentanwalt machen, der Sie in Ihrem konkreten Fall beraten kann.

Und was ist, wenn mehrere Leute gleichzeitig die selbe Idee haben?

Das ist sogar wahrscheinlich, vermutlich spielen auf der Welt gerade noch etwa 1000 Menschen mit exakt denselben Gedanken wie Sie. Und einige von ihnen haben vielleicht sogar angefangen, die Idee umzusetzen. Deswegen sollten Sie sich damit nicht allzu viel Zeit lassen, denn eine gute Idee alleine bringt am Ende nichts. Sich gegen Widerstände durchzusetzen und am Ende schneller zu sein als die Konkurrenz, ist entscheidend. Man sollte vorher überlegt haben, wie viel Zeit und Geld man in die Idee investiert. Dazu gehört auch, persönlich abzuschätzen: Wann ist das Projekt für mich gescheitert?

Kann ich auch einfach eine gut laufende Geschäftsidee aufgreifen und ein wenig abwandeln?

Grundsätzlich ist das dann legitim, wenn man zum Beispiel im Ausland eine Geschäftsidee sieht und diese dann an den heimischen Markt anpasst. Die Frage ist aber eher: Habe ich das Know-how für die Umsetzung? Und liegt mir persönlich die Idee überhaupt?

Und wenn die eigentliche Idee nicht funktioniert?

Es gibt ja nicht nur eine gute Idee. Mir sind die Leute suspekt, die fest davon überzeugt sind, dass nur der eine gute Einfall zählt. Es kommt oft vor, dass Gründer letztlich erst mit der x-ten Abwandlung ihrer eigentlichen Idee Erfolg haben. Das ist eine wesentliche Charaktereigenschaft eines erfolgreichen Unternehmers: Er muss flexibel bleiben und auf Veränderungen reagieren. Er muss also ständig im Blick behalten wie sich der Markt weiterentwickelt. Und auch Scheitern gehört dazu. Und dann wieder aufstehen.

Oliver Bücken arbeitet bei der UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der Technischen Universität München. Er empfiehlt Gründern zur weiteren Lektüre die Bücher "Sturm gegen den Stillstand" von James Dyson und Jessica Livingstons "Founders at work".