bedeckt München
vgwortpixel

Online-Bewerbung:Persönliche Note

BUK

Elf Otterbach.

(Foto: privat)

Digitale Bewerbungen sind inzwischen Standard. Bei bestimmten Positionen ist es sogar ratsam, eine eigene Webseite zu haben.

Elf Otterbach ist Personalchefin bei der Digitalagentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr GmbH (TLLG) in Berlin. Ihr Team sichtet pro Woche 150 digitale Bewerbungen. Sie glaubt: Die Selbstdarstellung im Netz wird immer wichtiger - auch für Unternehmen.

SZ: Bekommen Sie eigentlich noch Bewerbungen per Post?

Elf Otterbach: Nur dann, wenn ein Bewerber richtig für Aufmerksamkeit sorgen will. Ab und zu schickt ein Kreativer mal ein Buch. Oder einen riesigen Umschlag mit einem Brief, auf dem nur ein QR Code steht, den man einscannen muss. Sonst bekommen wir nichts mehr auf Papier. Viele Kandidaten schicken heute eine E-Mail mit einem Link zur Bewerbung, die online komplett aufbereitet ist. Da sind dann Portfolios, Blogs oder Tools wie Linkedin oder Xing gleich mitgelistet.

Was ist wichtig bei einer guten digitalen Bewerbung?

Man muss differenzieren, für welchen Bereich man sich positionieren will. Wenn ich ein digitaler Designer bin und keine richtige Webseite habe, wo ich meine Arbeiten professionell präsentiere, ist das schlecht. Wenn ich aber im Office Management oder am Empfang arbeiten will, erwartet keiner, dass ich eine Webseite habe. Bei einer digitalen Bewerbung ist vor allem wichtig, dass der Bewerber professionell auftritt. Wer Rechtschreibfehler macht oder unseren Firmennamen falsch schreibt, fällt eigentlich schon raus. Außerdem sollte man ehrlich sein: Wir recherchieren alles, was uns komisch vorkommt. Eine persönliche Note ist auch gut, das heißt aber nicht, dass jede Bewerbung total verrückt sein muss.

Was sind die größten Fehlerfallen bei einer digitalen Bewerbung?

Ich habe auf Facebook schon Bilder von Bewerbern gesehen, die ich lieber nicht gesehen hätte. Das ist zwar nicht unser direkter Fokus, aber diese Dinge ploppen manchmal schneller auf, als man denkt. Das Internet vergisst ja nichts. Gegen einen schön gemachten Blog über Privatinteressen habe ich aber nichts einzuwenden. Wir möchten ja wissen, wer zu uns passt.

Wohin geht der Trend?

Zu Matching-Apps wie Truffls, wo Unternehmen ihre Jobs einstellen und Bewerber anhand von Anforderungsprofilen oder Fähigkeiten gematcht werden. Wir testen das gerade. Ich kann mir schon vorstellen, dass das für die Zukunft der schnellste Weg ist. Man braucht nichts mehr hochzuladen und keine E-Mails mehr zu schreiben.

Wird das Thema Selbstdarstellung im Netz insgesamt immer wichtiger?

Definitiv. Man muss sich richtig Gedanken machen darüber. Das gilt aber auch für die Unternehmen. Durch den Fachkräftemangel ist es ja mittlerweile so, dass Unternehmen sich bei ihren zukünftigen Arbeitnehmern bewerben. Auch wir müssen ständig an unserem Employer Branding arbeiten, um attraktiv für unsere Bewerber zu bleiben. Wir merken das heute schon, dass uns Leute in Interviews fragen: Was bietet ihr mir? Bevor wir überhaupt eine einzige Frage stellen konnten. Das ist eine ganz andere Haltung. Da wird es einen riesigen Shift geben.

© SZ vom 10.02.2018
Zur SZ-Startseite