Öffentlicher Dienst:Entspannt aufsteigen

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Während andere sich Sorgen machen müssen, ob sie ihren Job längerfristig behalten können und Überstunden anhäufen, punktet der öffentliche Sektor mit einer guten Work-Life-Balance.

(Foto: imago)

Der öffentliche Sektor hat einiges zu bieten: sichere Jobs, großzügige Altersversorgung, gute Fortbildungsmöglichkeiten. Ob diese Aspekte die Generation Y überzeugen, ist noch unklar.

Von Bärbel Brockmann

Der öffentliche Dienst hat ein Fachkräfteproblem. 160 000 Stellen sind derzeit unbesetzt. Nach einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) werden bis 2030 allein 276 000 Verwaltungsfachleute fehlen, darunter eine Vielzahl von Ingenieuren, IT-Experten und Ärzten. Fehlen werden aber auch viele Führungskräfte. So weit wird es nicht kommen, könnte man meinen, denn andererseits ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung EY im vorigen Jahr, dass jeder dritte Student am liebsten Beamter werden möchte. Planten diese jungen Akademiker tatsächlich alle ihre Karriere in den Behörden von Bund, Ländern und Kommen, wäre die Lücke schnell geschlossen und das Problem gelöst.

Die Studenten gaben als Hauptgrund für die Attraktivität des öffentlichen Dienstes die Jobsicherheit an. Der meist recht hohe Gehaltsunterschied zu einer vergleichbaren Stelle in der Privatwirtschaft wurde als nicht so entscheidend angesehen. Experten zweifeln jedoch daran, dass die jungen Leute der sogenannten Generation Y, die größtenteils noch in der Ausbildung steckt, ein interessantes Angebot aus der Industrie später zugunsten einer Verwaltungslaufbahn ausschlagen werden. Denn auch dort hat man ein Fachkräfteproblem und hat erkannt, dass man den dringend benötigten Leuten einiges mehr als Geld bieten muss, damit man sie bekommt.

Auch ein Bachelor-Absolvent kann mit der passenden Weiterbildung in den höheren Dienst aufsteigen

Sieht man einmal vom Geld ab, hat der öffentliche Dienst einiges zu bieten. "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeitmodelle, das alles gibt es im öffentlichen Dienst schon längst", sagt Frank Zitka vom Deutschen Beamtenbund. Neben der Sicherheit, dass die eigene Stelle nicht wegrationalisiert wird, braucht man auch keine Entlassung zu fürchten, es sei denn, man klaute die berühmten silbernen Löffel. Bei Beamten ist eine Entlassung gar nicht möglich. Sie können höchstens beurlaubt oder in den Ruhestand versetzt werden. Dennoch: Gerade bei den Hochqualifizierten gibt es immer mehr Lücken. "Wenn man einen Arzt sucht, der im Gesundheitswesen arbeiten will, ist man verloren. Jede Privatklinik sticht einen da aus. Die Gehaltsschere ist so groß, dass sie dann doch durchschlägt", sagt Zitka.

Vergleicht man nur die Jahresgehälter in solchen Positionen, klafft tatsächlich oft eine Lücke von mehreren Tausend Euro. Rechnet man allerdings die Altersbezüge hinzu, relativiert sich die Betrachtung vor allem bei Beamten erheblich. Denn Beamte bekommen eine "Versorgungszusage" ihres öffentlichen Dienstherren. Diese sogenannte angemessene Alimentation soll es Staatsbediensteten ermöglichen, im Pensionsalter ihrem Lebensstil entsprechend zu leben. Wenn ein junger Akademiker als Beamter einsteigt, bekommt er heutzutage eine Pension versprochen, die circa 65 Prozent seines letzten Bruttogehalts betragen wird. Bei mehr als 40 Berufsjahren sogar maximal 71 Prozent. Die Rentenansprüche liegen deutlich darunter. "Wir nehmen wahr, dass das Thema Pensionssicherheit für viele heute bei der Berufswahl eine größere Bedeutung hat, als noch vor Jahren. Mit einem Schritt ins Beamtentum hat man diese lebenslange Absicherung", stellt Peter Herrendorf von der Unternehmensberatung Odgers Berndtson fest. Das ist nicht verwunderlich, musste man sich früher doch noch nicht während der Berufsjahre Gedanken über eine private Altersvorsorge machen.

Für eine klassische Beamtenkarriere im höheren Dienst, der höchsten Laufbahn, braucht der Einsteiger mindestens einen Master-Abschluss oder eine vergleichbare Qualifikation. Bei Juristen ist das zum Beispiel das zweite Staatsexamen. Viele der Leute, die heute Spitzenpositionen in den obersten Bundesbehörden bekleiden, haben zusätzlich an der Verwaltungshochschule in Speyer studiert. Nach dem Studium bewirbt man sich bei einem öffentlichen Dienstherren auf eine bestimmte Position, etwa als Verwaltungsbetriebswirt im Innenministerium eines Bundeslandes und wird nach einer festgelegten Zeit als Beamter auf Probe verbeamtet und entsprechend der Besoldungsordnung eingestuft. Noch ist man dann in der Regel nicht in den hohen B-Besoldungsgruppen des Höheren Dienstes, aber mit einem Masterabschluss steht jedem der Weg offen.

In den vergangenen Jahren ist im Öffentlichen Dienst immer wieder darüber diskutiert worden, ob ein Master tatsächlich zwingend die Einstiegsvoraussetzung für den Höheren Dienst sein soll oder ob man nicht auch einen Bachelor-Abschluss akzeptieren sollte. Bislang wird am Master festgehalten, weil viele Berufe im öffentlichen Sektor eine hohe fachliche Spezialisierung brauchen. Da der öffentliche Sektor aber ein ausgeklügeltes Weiterbildungssystem hat, in dem man durch Fortbildung die Laufbahngruppen durchbrechen kann, steht letztlich auch einem Bachelor der Aufstieg in den höheren Dienst offen. Jeder gut qualifizierte Beamte im mittleren oder im gehobenen Dienst kann sich mit einer Zusatzausbildung für den Höheren Dienst qualifizieren. Die Verwaltungshochschule Speyer bietet beispielsweise die beiden Master-Studiengänge Administrative Science und Öffentliche Wirtschaft an.

Hohe Beamte müssen mobil sein. Mobilität ist aber offenbar nicht die Stärke der Generation Y

Grundsätzlich geht an Weiterbildungen im öffentlichen Dienst kein Weg vorbei, will man als einer der 1,8 Millionen Beamten einen der circa 11 000 Posten in der höchsten Besoldungsordnung B erreichen, also beispielsweise Ministerialrat, Diplomat oder Präsident des Bundeskartellamts werden. Auch häufige Ortswechsel sind in den Biografien der Spitzenbeamten normal. "Wenn man Karriere machen will, gehört dazu eine innere Opferbereitschaft. Dazu zählt auch, eine Standortveränderung in Kauf zu nehmen", sagt Berater Herrendorf. Er stellt allerdings fest, dass die Mobilität gerade in der Generation Y meist geringer ist als früher. "Es ist ein verbreiteter Irrtum zu glauben, die Jungen seien alle sehr mobil. Sie sind viel immobiler als Vorgängergenerationen."

Mobilität und Weiterbildung sind auch bei den Spitzenkräften im öffentlichen Dienst gefragt, die nicht oder nicht mehr verbeamtet werden. Im Unterschied zur Beamtenbesoldung sind die öffentlichen Dienstherren hier in der Entlohnung freier. "Gerade bei Stellen in den klassischen Mangelbereichen werden heute in der Regel hohe Funktionszulagen gezahlt", sagt Zitka vom Deutschen Beamtenbund.

Für Beamte und Angestellte, die im öffentlichen Dienst Karriere machen wollen, gilt aber gleichermaßen: Ein Parteibuch kann den Weg nach oben begünstigen und beschleunigen. "Das war früher wichtiger als heute, aber es spielt immer noch eine große Rolle", sagt Herrendorf. Soll man sich deshalb auf jeden Fall parteipolitisch engagieren? "Nein", sagt Herrendorf. Denn ein Parteibuch berge immer auch das Risiko, dass es "das falsche" sei.

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