NRW: Historischer Schulkonsens Neue Sekundarschule für Nordrhein-Westfalen

Der Streit hat ein Ende: Die Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen hat sich mit der CDU-Opposition auf ein Schulsystem geeinigt. Die geplante Gemeinschaftsschule wird es nicht geben - dafür eine neue "Sekundarschule".

In Nordrhein-Westfalen haben die rot-grüne Minderheitsregierung und die CDU-Opposition nach monatelangem Streit einen Kompromiss zur Zukunft des Schulsystems erzielt. Sie einigten sich am Dienstag auf die Bildung einer neuen "Sekundarschule", die die Jahrgänge 5 bis 10 umfasst und keine eigene gymnasiale Oberstufe hat.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (rechts, SPD), der CDU-Landesvorsitzende Norbert Röttgen und Schulministerin Sylvia Löhrman (Grüne) haben sich auf einen Schulkonsens geeinigt.

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"Wir haben für Nordrhein-Westfalen einen Schulfrieden für die nächsten zwölf Jahre geschlossen" sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in Düsseldorf. Mit der CDU sei ein Konsens und echter Kompromiss geschlossen worden. Alle hätten sich bewegt und Zugeständnisse gemacht. Zuvor hatte es wochenlange Geheimverhandlungen gegeben.

CDU-Landeschef Norbert Röttgen sagte: "Nordrhein-Westfalen hat jetzt einen langfristigen Schulkonsens - und das ist gut." Der Konsens sei verfassungsrechtlich abgesichert. Es gebe nun keine Gemeinschaftsschule, sondern eine Sekundarschule.

Alle Beteiligten hätten gewonnen, sagte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Den Kommunen müssten die Schulen ermöglicht werden, die für sie die besten seien.

Beide Seiten vereinbarten, dass das Schulsystem dann bis 2023 nicht mehr angetastet werden soll. Die neue Sekundarschule ermöglicht ein längeres gemeinsames Lernen aller Schüler in den Klassen 5 und 6. Dabei sollen auch gymnasiale Standards im Unterricht gelehrt werden. Ab Klasse 7 ist integriertes Lernen weiter möglich. Im Unterschied zur Gemeinschaftsschule wird die Sekundarschule keine Oberstufe haben. Die neue Schulform soll jedoch mit Gymnasien oder Gesamtschulen kooperieren. Neben der neuen Sekundarschule wird es in NRW künftig weiter auch Gesamtschule, Realschule, Gymnasium und Hauptschule geben.

Der Weg zum Abitur soll durch Kooperation mit der Oberstufe eines Gymnasiums oder Berufskollegs gesichert werden. Die Lehrpläne orientieren sich an denen der Gesamtschule und Realschule.

Bereits am Mittwoch sollen die Grundzüge des Konzepts per Entschließungsantrag im Landtag gebilligt werden. Die Fraktionen von CDU und SPD hatten den Kompromiss jeweils einstimmig bei zwei Enthaltungen verabschiedet. Bei den Grünen gab es ein einmütiges Ja. "Wir haben es geschafft. Wenn das kein großer Wurf ist, dann weiß ich es nicht", sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann sagte, der Kompromiss sorge dafür, dass "es keine Einheitsschule" gibt.