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Neuorientierung im Beruf:Angst vor der Zukunft

Wie überwinde ich meine Angst?

"Der große Schritt macht mir Angst, deshalb sind Teilschritte besser", sagt Lüdemann. "Ich gehe einen nach dem anderen." Sie rät zur 1-2-3-Methode, die zwar banal klinge, aber nützlich sei: Was ändert sich nach einem Tag? Was nach zwei Monaten? Was nach drei Jahren? "Die Frage ist dann: Ist die Veränderung nach drei Jahren so viel Wert, dass ich es in Kauf nehme, nach zwei Monaten eine Durststrecke zu haben?"

Wie mache ich den ersten Schritt?

Wehrle rät: "Lieber erstmal einen Fuß auf das Eis setzen und probieren, wie es trägt, drei Schritte machen und den Rückweg offen halten." Schließlich geht es um etwas, die meisten leben in materiellen Zwängen: Kinder, Miete, ein Haus. "Kaum jemand ist vollständig frei." Bei der Überwindung der ersten Hürden hilft ein Zeitplan. "Die Dinge, die wir tun, sind manchmal zäh wie Gummi. Studien haben gezeigt: So viel Zeit, wie wir uns geben, so viel Zeit brauchen wir auch", erklärt Lüdemann. Sich positiv unter Druck zu setzen, habe deshalb Sinn. "Aber es muss realistisch bleiben. Wenn ich mir etwas aufbürde, was nicht machbar ist, bin ich verfolgt von Misserfolgen."

Wann gibt es kein Zurück mehr?

Wehrle vergleicht das mit dem Absprung von einer Schanze: "Man merkt, man muss springen, sonst fällt man runter. Nur viele springen entweder zu früh, sie werfen alles hin und haben dann nichts mehr, oder sie verpassen den Absprung." Ist die innere Sicherheit groß genug, werde die Entscheidung unumkehrbar: "Wenn man seine Energie die ganze Zeit streut, macht man alles ein wenig, aber nichts richtig. Wenn ich auf einem bestimmten Feld erfolgreich sein will, muss ich meine ganze Energie darauf konzentrieren." Der Lohn für diese Mühen ist groß: "Wir sind glücklich, wenn wir spüren, durch unser eigenes Handeln unseren Zielen näher zu kommen", sagt Werth. Dieses abstrakte, unscharfe Gefühl von Glück, nach dem letztlich jeder Mensch sucht, hat viel damit zu tun, Dinge freiwillig und selbstbestimmt zu tun. "Ansonsten geht uns Energie verloren bei allem, was wir tun. Es passiert dann leicht, dass wir über unsere psychischen Verhältnisse leben."