Neues Berufsbild Facilitator Wie man störrische Angestellte versöhnlich stimmt

Veränderungen im Betrieb sind unumgänglich. Doch wenn wichtige Entscheidungen über die Köpfe der Angestellten hinweg fallen, können diese zickig werden. Eine neue Form der Beratung soll Chefs deshalb für die emotionalen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter sensibilisieren.

Von Isa Hoffinger

Gute Vorsätze durchzuhalten, ist nicht leicht. Das weiß jeder, der sich schon einmal vorgenommen hat, mehr Sport zu treiben oder gesünder zu essen. Noch schwerer ist es, wenn Menschen alte Gewohnheiten ablegen sollen, ohne es wirklich zu wollen. Psychologen wissen, dass eine Veränderung dann unmöglich ist.

Werden sie aus ihrer Routine gerissen, verhalten sich manche Angestellte wie störrische Esel. Dann soll der Facilitator helfen.

(Foto: ddp)

Dabei sind sogenannte Change-Prozesse im Berufsalltag unumgänglich. Meist wird über die Köpfe der Beteiligten hinweg entschieden, was sich ändern soll. Besonders kompliziert sind Veränderungen, wenn sie zur selben Zeit auf mehreren Ebenen stattfinden. Wenn etwa ein neuer Chef kommt und die Mitarbeiter ohnehin gestresst sind, weil sie gerade in andere Büros umziehen, während sie auch noch einen IT-Kurs zur Weiterqualifizierung besuchen.

Dass Angestellte sich da überfordert fühlen, ist kein Wunder. Auch nicht, dass jeder dritte Change-Prozess in deutschen Unternehmen scheitert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Düsseldorfer Unternehmensberatung C4 Consulting.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Veränderungen in Unternehmen funktionieren, ist auch bei kleineren Einschnitten geringer, als es den Verantwortlichen lieb sein kann. Und nicht immer liegt es daran, dass die Erwartungen zu hoch gesteckt waren oder den Beteiligten zu wenig Zeit eingeräumt wurde. Als Hauptgrund für das Scheitern wird in der Studie das mangelnde Feingefühl der Führungskräfte im Umgang mit verunsicherten Mitarbeitern genannt. Veränderungen lösen Ängste aus. Doch ausgerechnet Vorgesetzten ist das oft nicht bewusst. Dabei sollen sie als "Change Agents" den Wandel vorantreiben und ihre Mitarbeiter mitziehen.

Ob Veränderungen gelingen, hängt da nicht so sehr von äußeren Rahmenbedingungen ab, sondern von der Empathiefähigkeit der Führungskräfte. Genau da setzt eine neue Form der Beratung an, die sich Facilitating nennt. Facilitatoren begreifen sich als "Ermöglicher". Sie geben keine Marschrichtung vor und tüfteln auch keine schlauen Ideen aus, die sie der Chefetage vorsetzen. Stattdessen nehmen sie eher die Rolle eines Therapeuten ein. Sie hören zu, fragen nach, statt Vorträge mit Powerpoint-Präsentationen zu halten, sprechen sie mit Teamleitern, aber auch mit verschiedenen Mitarbeitern.

"Wir wollen keine Widerstände brechen, sondern herausfinden, warum bestimmte Ängste vor einer Veränderung bestehen", sagt Barbara Zuber von der Berliner School of Facilitating, einem Netzwerk freier Trainer, die sich der neuen Methode verschrieben haben. Da das eine zeitintensive Angelegenheit ist, begleiten Facilitatoren ihre Klienten viel länger als klassische Berater.

Nervige Mitarbeiter

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