Neue Namen für Fachhochschulen:Alles Unis oder was?

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Immer mehr FHs verzichten auf das "Fach-" im Titel und nähern sich - zumindest dem Namen nach - Universitäten an. Gute Marketingkampagne - oder Etikettenschwindel?

Henning Hochrinner

Die Mode unterliegt mitunter seltsamen Trends - und wer allen hinterherläuft, wird als Fashionvictim - Modeopfer - bezeichnet. Dass sich ganze Institutionen so benehmen, ist eine seltene Ausnahme. Dennoch kann genau das momentan jeder beobachten, der die deutsche Hochschullandschaft betrachtet - genauer gesagt, die Fachhochschullandschaft.

Neue Namen für Fachhochschulen: Altes und neues Logo der FH München: In Bayern gibt es inzwischen schon mehr Hochschul-Fachhochschulen als Fach-Fachhochschulen.

Altes und neues Logo der FH München: In Bayern gibt es inzwischen schon mehr Hochschul-Fachhochschulen als Fach-Fachhochschulen.

(Foto: Foto: FH München, Montage: sueddeutsche.de)

Mehr und mehr FHs legen ihre alten Namen ab wie knallbunte Leggings, die nicht mehr gesellschaftsfähig sind. Die Fachhochschule von heute, die auch international beachtet werden will, trägt jetzt lieber den Titel "Hochschule" oder schaut sich direkt von der englischen "University of Applied Science" das "Hochschule für angewandte Wissenschaft" ab.

Süddeutsche Trendsetter

Gesetzt wurde der Trend im Jahr 2005 in Baden-Württemberg; das neue Landeshochschulgesetz strich sämtlichen Fachhochschulen das "Fach-" aus dem Titel und machte sie zur Hochschulen (HS). Für Karl-Heinz Meisel, Rektor der Hochschule Karlsruhe, war die Umbenennung ein notwendiger Schritt: "Die Namensänderung war die zwangsläufige Folge für die Veränderung an den FHs, die nicht mehr nur wenige spezifische Fächer anbieten, sondern ein breites Fächerspektrum, das mitunter größer ist als an einigen Universitäten."

FHs in anderen Bundesländern fanden die neuen Namen der süddeutschen Trendsetter so klangvoll, dass sie sich jetzt auch mit einem neuen Namen kleiden wollen. In Bayern gibt es inzwischen schon mehr Hochschul-Fachhochschulen als Fach-Fachhochschulen.

Das ist verwirrend. Denn bei dem Wort Hochschule denken Abiturienten und Arbeitgeber meist an Universitäten - die das wissenschaftlichere Image besitzen. Versuchen sich die FHs also am Etikettenschwindel, um ihren Ruf aufzupolieren und mehr Nachwuchs anzulocken?

Kein Promotionsrecht, keine Forschung

Zahlreiche Studenten der Fachhochschulen rätseln, was ihnen der neue Name bringt - und ob sie den Zusatz "(FH)" nun weglassen dürfen. Doch dies ist bei Diplom-Studenten nicht der Fall, denn auch mit neuem Titel bleiben die neuen Hochschulen von der Kategorie her Fachhochschulen. Es gibt kein Promotionsrecht für Studenten, Forschung findet auch weiterhin vor allem an Universitäten statt.

Trotzdem setzt sich auch in anderen Bundesländern der neue Name durch - allerdings nicht überall problemlos. An der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, die laut aktuellem Senatsbeschluss künftig "Hochschule Bonn-Rhein-Sieg" heißen wird, stieß der Vorschlag zur Umbenennung nicht nur auf Gegenliebe. Dem Beschluss gingen monatelange interne Diskussionen unter Beschäftigten und Studenten voraus.

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Alles Unis oder was?

Ingenieur- und Klosterschulen

Hartmut Ihne, Präsident der FH Bonn-Rhein-Sieg, ist trotzdem überzeugt von den Vorteilen des neuen Namens: "Die Begriffe 'Hochschule' oder 'Hochschule für angewandte Wissenschaft' bringen beide sehr klar die veränderte Situation der FHs und ihre neuen Herausforderungen zum Ausdruck", erklärt der Präsident. "Wir sind eben heute nicht mehr nur die Nachfolger der Ingenieurschulen - genauso wenig wie die Universitäten heute längst nicht mehr nur die Nachfolger der Klosterschulen sind, aus denen sie entstanden."

Aber nicht überall wird eine Umbenennung so positiv aufgenommen. Jürgen Schröder, Rektor der Hochschule Heilbronn, hält sie für kontraproduktiv: "Die Umbenennung war nicht nötig, in meinen Augen sogar ungeschickt. Hochschule ist ein Sammelbegriff. Das eindeutige und die Fachhochschulen auszeichnende Profil der angewandten, praxisorientierten Ausbildung wurde verwässert." Die HS Heilbronn erhielt wie die HS Karlsruhe mit dem neuen Landeshochschulgesetz in Baden-Württemberg 2005 den neuen Namen.

Neuer Name - neues Logo

Für das Image und den Erfolg einer Fachhochschule oder Hochschule dürften letzten Endes aber andere Faktoren als der Titel ausschlaggebender sein, der Meinung ist auch Hartmut Ihne: "Das gute Image, das unsere Hochschule hat, hängt nicht vom Namen ab, sondern von der Qualität unserer Lehre. Das mag für Marketing-Fachleute schwer zu verstehen sein, doch Namen sind Schall und Rauch."

Umso schlimmer, dass sich einige Fachhochschulen mit ihrem neuen Namen gleich ein neues Logo, einen neuen Internetauftritt und eine kostspielige Marketingkampagne leisten. Das Geld dafür wäre, davon sind die Studenten überzeugt, besser in die Lehre investiert.

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