bedeckt München

Nebenjob:Knietief im Angstschweiß

Enger Horizont

Es kann nie schaden, wenigstens einmal kurz am anderen Ende der Nahrungskette vorbeizuschauen. Erst wenn man weiß, welche verschiedenen Arten es gibt, das Leben zu leben, kann man herausfinden, welches dieser Leben man führen will. Und damit sollte man möglichst bald anfangen. Wenn man nämlich erst einmal einen festen Job hat, bewegt man sich fast nur noch in der eigenen Branche, und es fällt immer schwerer, da wieder rauszukommen. Gefährlich daran ist, dass man irgendwann glaubt, die Menschheit bestünde aus genau dieser Clique. Dann wird der Horizont eng.

Die wichtigste Erfahrung, die ich in einem meiner Nebenjobs gemacht habe, war Silvester 2004. Seitdem kann ich hervorragend mit Stresssituationen umgehen - aus dem einfachen Grund, weil ich weiß, dass es nie wieder so stressig werden wird wie an diesem Abend, als 500 Gäste von zwei Barkeepern sehr viele Getränke wollten, die Spülmaschine ausgefallen war und der Chef ein kleines Nickerchen machte, weil ihm alles "irgendwie zu viel" geworden war.

Und noch etwas Gutes haben all diese vermeintlich unnützen Erfahrungen: Wann immer ich Angst vor der Zukunft bekomme, schaue ich in den Stellenanzeigen unter "Sonstiges" nach und werde ganz schnell ganz ruhig. Weil ich dann wieder weiß, dass ich immer irgendwie genug Geld verdienen kann, um mich über Wasser zu halten. Und sei es als Kindermädchen für verzogene Gören im Vorort.