Nachhilfe-ExpertinPersönliche Ansprache

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Cornelia Sussieck erklärt, was guten Nachhilfeunterricht ausmacht, und warum leistungsschwache Kinder ihn derzeit besonders brauchen. Für den Lernerfolg sind neben der Qualifikation des Lehrers weitere Faktoren wichtig.

Von Bärbel Brockmann

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Die promovierte Mineralogin Cornelia Sussieck, 68, ist Vorsitzende des Bundesverbands Nachhilfe- und Nachmittagsschulen. Als ausgebildete Lehrerin hatte sie jahrelang Chemie und Erdkunde unterrichtet, bevor sie ihre eigene Nachhilfeschule gründete.

SZ: Was zeichnet guten Nachhilfeunterricht aus?

Cornelia Sussieck: Nachhilfe muss immer individuell sein, denn der Schüler braucht die persönliche Ansprache. Er hat ein Wissensdefizit, das beseitigt werden soll. Wichtig ist auch die Qualifikation der Nachhilfelehrer, besonders dann, wenn sie mit Schülern zusammenarbeiten, die den Anschluss verpasst haben. Am wichtigsten ist dabei die fachliche Kompetenz. Denn die hilft, den Unterricht zu strukturieren und dem Schüler die Inhalte zugänglich und verständlich zu machen. Danach kommt die didaktische Qualifikation, bei der es darum geht, den Stoff so aufzubereiten, dass der Schüler ihn versteht. Schließlich muss man auch psychologische Kompetenzen haben, um einem Schüler Selbstvertrauen geben zu können.

Steigt der Bedarf an Nachhilfe?

Das sehen wir nicht. Man muss Nachhilfe unterscheiden, beispielsweise von Repetitorien, wo Schüler das Gelernte nur wiederholen. Nachhilfe betrifft auch nicht die ehrgeizigen, guten Schüler, die sich etwa auf Youtube-Kanälen weiteres Wissen aneignen. Nachhilfe betrifft Schüler, die in einem oder mehreren Fächern schlecht sind und besser werden wollen. Aber auch Schüler mit einer Lernschwäche oder solche, die aus einem schwierigen sozialen Umfeld kommen. Diese Gruppe ist aus unserer Sicht in Corona-Zeiten ganz besonders abgehängt worden, was gefährliche Folgen haben kann, wenn man hier nicht schnell und beherzt gegengesteuert.

Wie beurteilen Sie die wachsende Zahl von Online-Nachhilfeangeboten?

Wir sehen das als zusätzliches Angebot an die Schüler, vor allem seit Corona. Vorher hatten unsere Mitglieder alle ausschließlich Präsenz-Nachhilfeinstitute. Jetzt bietet ein Teil zusätzlich Online-Unterricht an. Wir haben aber auch die ersten neuen Mitglieder, die reinen Online-Unterricht geben. Beim Online-Nachhilfeunterricht hapert es an den immer gleichen Dingen. Das Internet ist oft nicht stabil, auch die Endgeräte sind vielfach ein Problem.

Viele sozial schwache Eltern wissen nicht, dass sie die Kosten für Nachhilfe erstattet bekommen.

Ja, hier sind die Schulen in der Pflicht, den Eltern oder auch den Kindern zu sagen, dass es Geld für Nachhilfe gibt und wie sie daran kommen. Es ist nicht so, dass da nur ein paar Hundert Euro für den einzelnen Schüler gezahlt werden. In meiner Nachhilfeschule in Schwetzingen hatten wir Schüler, die mit 1000 Euro im Monat unterstützt wurden. Aber die Schulen und die Lehrer wissen zum Teil selbst nicht von diesem Bildungs- und Teilhabe-Paket. Viele Schulen haben heute Sozialarbeiter. Die müssten die Schüler finden und die Eltern persönlich ansprechen. Das wird viel zu selten getan.

Was wird sich nach Corona ändern?

Es wird mit Sicherheit viel mehr Online-Nachhilfe geben. Auch weil online sparsamer ist. Man muss nirgendwo hinfahren, keine Räume anmieten, man hat keine Fahrtwege. Persönliche Treffen sind aber dennoch wichtig, deshalb muss man eine gute Balance finden. Ideal werden in Zukunft Kombilösungen von Präsenz- und Online-Unterricht sein.

© SZ vom 04.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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