bedeckt München 20°

Motivation im Job:Besser jetzt als gleich

"Morgen ist auch noch ein Tag": Wer seine Aufgaben vor sich her schiebt, macht sich das Leben oft selber schwer. Um aus dem Leistungstief zu kommen, hilft nur eines: Selbstmotivation.

Verschleppen, aufschieben, vertagen - wenn es darum geht, ungeliebten Aufgaben im Berufsleben auszuweichen, werden viele Menschen erfinderisch. Egal ob es darum geht, die nächste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen oder darum, neue Kunden zu akquirieren - oft scheitern solche Vorhaben an dem, was der Volksmund den "inneren Schweinehund" nennt.

Auch Psychologen und Experten für Personalentwicklung haben einen Namen für das Phänomen des fortwährenden Aufschiebens, das vor allem dort zu einem Problem werden kann, wo eigenverantwortliches Arbeiten verlangt wird. Prokrastination heißt es, abgeleitet von dem lateinischen procrastinare für aufschieben. Selbstständige können daran scheitern. Aber auch für Angestellte kann die fehlende Fähigkeit zu Selbstmotivation fatale Folgen haben.

"Prokrastination kann ein absoluter Karrierekiller sein", betont Andreas Frintrup, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens S & F Personalpsychologie aus Stuttgart. Auch Susanne Rausch, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGFK) in Berlin, betont, dass in einer immer schnelllebigeren Berufswelt die Fähigkeit zu Selbstmotivation eine besonders wichtige Qualifikation sei.

Fachleute betonen, dass sich Menschen bereits aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur sehr bei der Fähigkeit unterscheiden, Vorhaben langfristig umzusetzen und auf entfernte abstrakte Ziele hinzuarbeiten. Die einen stürzen sich auf neue Herausforderungen, anderen fällt das schwerer - und sie können dies auch nur mühsam ändern. "Selbstmotivation hängt auch stark mit personalen Kompetenzen wie Optimismus zusammen, die in der Regel nur schwer zu verändern sind, sagt Susanne Rausch.

Das Ausmaß an Beharrlichkeit und Engagement, mit dem sich ein Mensch an weit in der Zukunft liegende Ziele macht, sei eine stabile Eigenschaftskomponente, erläutert Frintrup. Man könne dies trainieren, aber es sei schwierig. Bestimmte Arbeitsmodelle seien daher für Typen, die besonders zum Aufschieben neigen, eventuell sogar ungeeignet. Gefährlicherweise flüchteten gerade sie sich oft in die Selbstständigkeit, um den Anforderungen fester betrieblicher Abläufe auszuweichen - nur um dort erst recht beruflich Schiffbruch zu erleiden.

Ohne Ehrgeiz glücklich

Umgekehrt sei die Neigung zum Aufschieben auch nicht für alle Menschen automatisch problematisch, betont der Experte. Viele hätten von sich aus keinen besonders ausgeprägten beruflichen Ehrgeiz und seien damit glücklich. Schwierigkeiten verursache Prokrastination erst, wenn der Betroffene leidet, weil er die eigenen Ambitionen wegen der dauernden Selbstblockade nicht umsetzen kann - oder wenn er die Abläufe eines Unternehmens durcheinanderbringt.

Die Tendenz des Aufschiebens hängt auch von der Zufriedenheit mit einer Aufgabe ab und kann ein Ausdruck von latenten Ängsten oder Konflikten sein. "Wenn ich eine Aufgabe habe, die mich nicht interessiert, ist es schwer, mich zu motivieren", sagt Frintrup. Oft seien es auch Versagensängste oder Perfektionismus, die dazu führten, dass Menschen bestimmte Projekte nicht angehen, erklärt Rückert.

Den Schweinehund einkreisen

Menschen sollten eigene Wünsche und Ziele kennen und sich diesen annähern, empfiehlt Karriereberaterin Rausch. Die Identifikation mit einer beruflichen Aufgabe, einer Firma und deren Werten, aber auch mit Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern sei wichtig. "Menschen sollten genaue Kenntnis darüber haben, was sie leisten können und tun wollen, wo, wofür und mit wem sie arbeiten wollen", sagt die Beraterin.

Durch Selbstbeobachtung lässt sich das Prokrastinationsrisiko nach Frintrups Auffassung verringern. Eine ehrliche Analyse der eigenen Motive, die hinter dem Verschleppen stehen, sei ein erster Schritt hin zu einer Verhaltensänderung: "Man kann den inneren Schweinehund gewissermaßen einkreisen." Dabei helfen könnten auch bestimmte Abläufe - etwa wenn man sich für eine "stille Stunde" vom alltäglichen Routinestress zurückzieht und gezielt langfristigen Projekten oder eigenen Zukunftsplänen widmet.

© sueddeutsche.de/dpa/Sebastian Bronst/holz
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema