Motivation:Ein Hoch auf die Antriebslosigkeit

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Zwischenziele setzen

Man könnte jetzt skandieren: Nieder mit den Motivationssprüchen! Ein Hoch auf die Antriebslosigkeit! Besser wäre es zu differenzieren: Wenn es nur darum geht, eine unangenehme Aufgabe hinter sich zu bringen, können vielzitierte Expertentipps helfen, wie beispielsweise: "Setzen Sie sich Zwischenziele!" Bezogen auf die zweifelhafte Anforderung, chronisch grundbegeistert zu sein, die die arbeitende Bevölkerung unglücklich macht, bringt Tricksen allerdings wenig. Deshalb ist auch die Chakka-Mentalität der US-Motivationstrainer aus den neunziger Jahren überholt. "Kurzfristig mag es wirkungsvoll sein, tausend Menschen auf einmal anzuheizen und sie davon zu überzeugen, dass sie zu allem fähig sind", sagt Westbrock. "Aber die Glücksgefühle aus so einem Seminar in die Realität hinüberzuretten, wo man eigentlich an seinen inneren Blockaden und Einstellungen arbeiten müsste, ist dann eine ganz andere Geschichte."

Heute weiß man, dass Motivation für jeden etwas anderes bedeutet. Nur in den Chefetagen ist das noch nicht angekommen. Unternehmensberater Reinhard Sprenger erklärt, warum etwa Verdienstprämien und Medaillen für den "Mitarbeiter des Monats" in Sachen Motivation nichts bringen: "Diese Art von Belohnungen fördern nicht, sie zerstören nur die Zusammenarbeit." Und trotzdem werden Zusatzzahlungen für besondere Leistungen eher als die längst fällige Gehaltserhöhung bewilligt.

Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem ein Angestellter seinem Chef gestehen darf: "Ich bin im Moment ein wenig lustlos, und Sie können weder mit einem Blackberry noch mit einem Extraurlaubstag etwas dagegen tun. Sie haben aber nichts zu befürchten, denn ich bin ein verantwortungsbewusster Erwachsener und weiß, dass die Arbeit auch unmotiviert erstklassig erledigt werden muss."

Eine solide Grundmotivation tut's auch

Coach Schmidt hält das für einen angemessenen Umgang mit der Antriebslosigkeit: "Man motiviert sich in so einem Fall einfach dadurch, das zu tun, was getan werden muss. So schultert man stolz seine Selbstverantwortung und bringt sich in einen positiveren Grundzustand." Auch Gabriele Westbrock warnt davor, sich von dem stets proaktiven Überflieger-Kollegen einschüchtern zu lassen: "Dem geht es nicht anders als jedem von uns. Auch er macht unangenehme Arbeiten nicht gern. Aber er hat die Notwendigkeit erkannt, sie zu erledigen, um sein Ziel zu erreichen." Eine solide, unaufgeregte Grundmotivation tut's auch.

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