Mitarbeiterrabatte Wer nichts bietet, fällt als Arbeitgeber negativ auf

Für alles, was darüber hinausgeht, gilt ein Freibetrag von 1080 Euro im Jahr. Eine noch höhere Ersparnis muss als geldwerter Vorteil versteuert werden. Deshalb sind Nachlässe auf eigene Produkte und Dienstleistungen mit sehr hohem Verwaltungsaufwand verbunden: Die Unternehmen müssen sie getrennt vom Lohn und mit genauen Angaben zu Ort und Zeit erfassen.

Unkompliziert ist dagegen eine neue Form von Rabatten, die sich innerhalb der letzten zehn Jahre enorm verbreitet hat: Spezialisierte Internetfirmen bündeln Nachlässe für alle möglichen Produkte von verschiedenen Anbietern und stellen sie über ein Einkaufsportal Unternehmen zur Verfügung. Deren Mitarbeiter bekommen dann dauerhaft Rabatte etwa auf Möbel, Kleidung, technische Geräte, Reisen oder Veranstaltungstickets, meist zwischen 15 und 25 Prozent.

Nachlass ist Norm

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum vom vergangenen Jahr bieten 40 Prozent aller Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern in irgendeiner Form Preisnachlässe an. Rabatt-Portale hätten zwar keine große Wirkung auf die Bindung ans Unternehmen, glaubt Kienbaum-Berater Matthias Kopiske: "Das ist eine Massendienstleistung, die Angebote haben oft nichts mit den einzelnen Unternehmen zu tun und ähneln sich sehr." Trotzdem ist er überzeugt, dass künftig noch wesentlich mehr Beschäftigte in den Genuss von Sonderkonditionen beim Einkaufen kommen werden: "Nach und nach entwickeln sich Rabatt-Portale zum Standard. Wenn die Mitarbeiter diese Angebote nicht bekommen, fällt das fast schon negativ auf."

Einer der größten Vermittler ist die 2003 gegründete Corporate Benefits GmbH, die von etwa 2300 Firmen mit mehr als drei Millionen Beschäftigten genutzt wird. "Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern etwas bieten, um sie zu halten", sagt der Gründer Patrick Ellenberger. "Vergünstigungen sind dafür ein einfaches Mittel." Anders als etwa in den USA, wo es solche Portale schon seit den späten Neunzigerjahren gibt, müssen deutsche Unternehmen nicht mal Gebühren für den Service zahlen - das übernehmen alles die Anbieter der Produkte. Denn sonst käme wieder das deutsche Steuerrecht mit dem geldwerten Vorteil ins Spiel. So hingegen müssen die Mitarbeiter auf keine Höchstgrenze achten.

"Die Deutschen sind ja die Sparfüchse überhaupt", sagt Jonathan Ludwig, Gründer des Rabatte-Portals Incent, die rasante Ausbreitung der Rabattportale für Unternehmen. Ludwig macht den älteren und größeren Vermittlern seit 2012 erfolgreich Konkurrenz, sein erster Großkunde war McDonald's. Vor allem für zwei Gruppen von Unternehmen seien die Portale interessant: "Je technikaffiner die Branche, je mehr gebildete Mitarbeiter sie hat, desto eher ist man dort offen für solche Online-Programme", sagt er. "Andererseits ist das aber auch ein Thema für Branchen, wo das Vergütungsniveau nicht so hoch ist und man versucht, die Mitarbeiter über andere Services zu halten."

Das trifft beispielsweise auf Beschäftigte von Discountern zu. Die Unterschiede in puncto Personalrabatt sind hier noch erstaunlich groß: Bei Penny, das zur Rewe-Group gehört, können die Mitarbeiter sowohl im eigenen Geschäft als auch über das Incent-Portal billiger einkaufen. Aldi-Süd gewährt keinen direkten Nachlass, stellt den Beschäftigten aber immerhin ein Rabattportal zur Verfügung. Bei Lidl gibt es gar keine Vergünstigungen.

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