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Mitarbeiterkommunikation:Firmen entdecken den Flurfunk

Außerdem lassen sich diese Medien prima nutzen, um positive Botschaften zu verbreiten, sagt Achim Mollbach, Managementtrainer und Berater bei Kienbaum. Bei der Gummersbacher Unternehmensberatung sorgt man dafür, dass es sich schnell herumspricht, wenn ein neues, großes Projekt an Land gezogen worden ist. Mollbach: "Flurfunk muss nicht immer negativ sein."

Der Kienbaum-Berater sieht eine zunehmende Bereitschaft in Unternehmen, sich des Themas anzunehmen. "Um positive Aspekte des Flurfunks nutzen zu können, ist es wichtig, für spontane und netzwerkartige Kommunikation im Unternehmen Plattformen zu schaffen." Das heißt: Auch der Chef sollte sich unters Volk mischen, sich an Ritualen wie dem Gang in die Kantine beteiligen und ungeachtet aller Hierarchien und Zuständigkeiten täglich den Plausch mit Mitarbeitern suchen. Mollbach bringt das auf die Formel: "Walk the Talk."

Eine kumpelhafte Ranschmeiße ist damit jedoch nicht gemeint. Davor warnt dringend die Trainerin Dorothee Echter, Geschäftsführerin der Münchner Managementberatung Executive Coaching Quality. "Wer als Chef in der Teeküche auftaucht und ehrliche Auskünfte erwartet, merkt bald: Das funktioniert nicht. Da muss man sich schon ein Netzwerk von Vertrauten aufbauen." Und das müsse man sich erst mühsam erarbeiten. Von der berühmt berüchtigten Methode, über Befragungen an heißen Tratsch heranzukommen, hält Echter wenig: "Das ist in meinen Augen eher eine Notmaßnahme, die von Hilflosigkeit zeugt. Der Weg führt immer über die Menschen und nicht über derartige Hilfsmittel."

Die können ohnehin überflüssig werden, wenn eine ausgeprägt offene Unternehmenskultur gepflegt wird. Dies ist offensichtlich bei SAP so, wo noch nicht einmal der Wunsch nach einem Betriebsrat aufkommt. In dem IT-Unternehmen mit Sitz in Walldorf sind informelle Mitarbeitergespräche nicht nur erwünscht, sondern sie werden auch noch mit betrieblichen Fitness-Angeboten und anderen Freizeitaktivitäten gefördert. Motto: Wo auf den Fluren viel geredet wird, da lernt man auch aus Fehlern und entwickelt neue Ideen im Vorbeigehen.

Bei IBM lädt die Geschäftsleitung zuweilen Mitarbeiter zum Frühstück ein, um zwanglos ins Gespräch zu kommen, zumindest aber, um sich persönlich kennen zu lernen, was ja auch das eine oder andere Vorurteil abbauen soll. Darüber hinaus schafft man Möglichkeiten zum Plausch, etwa bei Partys oder Ausflügen. "Es ist wichtig, den Rahmen der Firma zu verlassen. Draußen hat man den Kopf frei und öffnet sich eher", sagt Berater Funke. "Es kann auch sinnvoll sein, ohne den Geschäftsführer ins Gespräch zu kommen, stattdessen diesen Part durch eine neutrale Person wahrnehmen zu lassen, der dann reportiert." Gerade wenn es in der Firma holprig läuft, ist das ein gutes Mittel, die Ratsch- und Tratschwelle in geordnete Bahnen zu lenken.

Das hat man auch bei dem früher sehr zugeknöpften Karstadt-Quelle-Konzern begriffen. Der neue Chef Thomas Middelhoff sucht anders als seine gescheiterten Vorgänger den unmittelbaren Kontakt zu den Mitarbeitern. Er ist für jeden per Mail erreichbar, auch anonym. Einem Gespräch zwischen Tür und Angel geht er nicht aus dem Weg. "Herr Middelhoff will eben wissen, was die Leute denken", sagt ein Unternehmenssprecher. Funke findet das löblich: "Jede Form, direkt Dampf abzulassen, ist gut. Dann muss man Gerüchte nicht mehr über den Flur schicken."

© SZ vom 5.11.2005
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