Migranten in Deutschland "Mach was aus den Möglichkeiten hier"

Manchmal hilft es auch, einfach nur hart zu bleiben im richtigen Moment. So wie Vefa Alparslan. Der Deutsch-Türke und ehemalige Start-Stipendiat konnte im Gegensatz zu Masic am Ende der Grundschule einen guten Notenschnitt (2,0) vorweisen, die Klassenlehrerin empfahl seinen Eltern dennoch, ihr Kind auf die Realschule zu schicken. Warum, habe die Lehrerin nicht so recht begründen können, sagt Vefa Alparslan. "Wir waren nicht einverstanden." Also machte es Vefas Vater, Abdulhaluk Alparslan, so wie viele deutsche Akademiker es tun, wenn die Schulgesetze ihres Bundeslandes das zulassen: Er ignorierte die Empfehlung der Lehrerin und schickte seinen Sohn auf ein Gymnasium in Frankfurt-Sachsenhausen. Von da an lief es problemlos. Im Frühjahr erwartet er seinen Abschluss in Luftverkehrsmanagement an der Fachhochschule Frankfurt.

Kofferschlepper und Pförtner

Sein Vater Abdulhaluk war mit 14 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen, hat beim Frankfurter Flughafen als Kofferschlepper und Pförtner geschuftet. Er hat verstanden, dass Bildung wichtig ist. Schon seine Eltern mussten viel körperlich arbeiten und seien deshalb krank geworden, sagt er. Nun sollten es wenigstens die Kinder besser haben. Alparslan versuchte also immer zu den Elternabenden zu gehen und wusste deshalb, wie entscheidend die Weichenstellung nach der vierten Klasse ist. "Mein Wunsch war von Anfang an, dass meine Kinder studieren sollen", sagt er. Diese Erwartung ließ er auch seine Kinder spüren. Und so war es auch sein Tipp, dass sich sein Sohn für das Start-Stipendium bewirbt; er hatte davon in der Zeitung gelesen.

Ohne den Einsatz der Eltern kommen Zuwanderer-Kinder meist nicht weit, dies zeigt sich auch beim Start-Programm. Bei den meisten Stipendiaten legten Vater und Mutter großen Wert darauf, dass das Zeugnis gut aussieht; viele, sagt Jacobi, hätten selbst eine akademische Ausbildung aus dem Heimatland mitgebracht, die jedoch in Deutschland nicht anerkannt wurde. "Es gibt dann sanften Druck auf die Kinder nach dem Motto: Mach' was aus den Möglichkeiten hier."

Der Aufstieg in Deutschland ist möglich

Bei Alparslan und Masic fruchtete diese Idee. Beide sagen, sie hätten sowieso studieren wollen, auch ohne Stipendium. Kindern ohne Starthilfe der Eltern, Kindern, deren Familien die Bedeutung von Bildung noch gar nicht erkannt haben, kann auch das Stipendien-Programm kaum helfen, denn gute Schulleistungen und sozialer Einsatz sind Voraussetzungen zur Aufnahme. Deshalb setzt die Hertie-Stiftung auf die Vorbildfunktion der erfolgreichen Migrantenkinder, darauf, dass der Bildungserfolg auch anderen Familien zeigt: Der Aufstieg in Deutschland ist möglich.

Vefa Alparslan merkte diesen Effekt an den vielen Fragen, die ihm Verwandte und Freunde zu seinem Stipendium stellten. Es waren interessierte Fragen, als Streber sei er deshalb nie abgestempelt worden, sagt er. "Gerade bei Geschwistern funktioniert diese Vorbildrolle", sagt Indira Masic. Doch auch andere lassen sich von dem Programm offenbar beeindrucken: Wenn die Förderung mit dem Abitur endet, geht es für viele weiter: Ein Drittel der Ex-Stipendiaten an den Hochschulen haben auch dort ein Stipendium ergattert.