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Mein Kollege sagt ...:"Schade, dass du gehst"

"Abschiedskultur" und "Trennungsmanagement"? Wer die Wochen zwischen Kündigung und letztem Arbeitstag meistern will, sollte sich einiger Tricks bedienen.

"Abschied ist ein scharfes Schwert, das oft so tief ins Herz Dir fährt", dichtete Roger Whittaker im Jahr 1983. "Du bist getroffen und kannst Dich nicht wehren, Worte sind sinnlos, Du willst sie nicht hören. Weil, einmal geht auch die schönste Zeit vorbei, ooh." Ja, Scheiden tut weh: Prägnant brachte der Schunkelkönig die Trauer eines Lebewohls auf den Punkt.

Sarg, ddp

Trennungsmanagement: Das gibts nicht beim Beerdigungsinstitut, sondern bei jeder gelungenen Kündigung.

(Foto: Foto: ddp)

Der geneigte Hörer geht davon aus, dass er dabei eher eine gescheiterte Beziehung im Sinn hatte denn eine Kündigung. Doch wer weiß: Genau wie manche Ehe ist auch das Verhältnis zum Arbeitgeber nur eines auf Zeit. Wie man am besten kündigt, ist an dieser Stelle schon beschrieben worden, doch was auf die erlösenden Worte folgt, blieb bislang noch im Dunkeln.

Motivationsschub dank Arbeitszeugnis

Dabei sind die Wochen zwischen der Kündigung und dem letzten Arbeitstag recht qualvoll. Das Dilemma: Der Kündigende will sich auf keinen Fall nachsagen lassen, nur weil er demnächst gehe, lege er sich jetzt auf die faule Haut. Auf Arbeitsaufträge reagiert er aber dennoch so lustvoll wie weiland die CSU auf Gabriele Pauli. Einen Motivationsschub kann ihm einzig das Zeugnis verschaffen. Das bekommt er nämlich noch, Patzer auf den letzten Metern sollte er sich da nicht erlauben.

In die gleiche Richtung gehen auch die Gedanken des Vorgesetzten: Kann er sich auf den Verräter noch verlassen? Soll er ihn aus wichtigen Besprechungen nicht lieber ausschließen, weil er sonst die Dienstgeheimnisse bei seinem neuen Arbeitgeber ausplaudert? Und muss er bei der Abschiedsfeier eine seiner grauslichen Reden halten?

Abschluss vor Neubeginn

Gute Kollegen dagegen bedauern den Weggang eines Mitstreiters - wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. Die einen verlieren einen Freund, die anderen ärgern sich, dass sie die Arbeit jetzt alleine machen müssen. Und dann gibt es noch die, die vor Neugier fast platzen: Wo geht er hin? Und verdient er dort mehr als wir hier? Trotzdem würden sie nie zu fragen wagen. Es könnte sich ja zeigen, dass der andere plötzlich besser dasteht als sie selbst.

Arbeitspsychologen und Karriereberater sind sich einig: Um so eine Situation zu meistern, braucht es eine gute Abschiedskultur. Was klingt wie das Geschäftsmodell eines Beerdigungsinstituts oder Scheidungsanwalts, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Voraussetzung für ein dauerhaft glückliches Berufsleben: Denn nur, wer einen Lebensabschnitt wirklich abschließt, kann auch einen anderen beginnen.

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