Medizinstudium und Promotion:"Zu doof zum Promovieren"

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Elite-Mediziner und blöde Ärzte

Würden die Ideen des Wissenschaftsrates in die Praxis umgesetzt, würde dies zu einer Zweiteilung der Ärzteschaft führen, glaubt Henke: "Auf der einen Seite hätte man die Elite-Mediziner, die Forschung und Wissenschaft betreiben. Auf der anderen Seite, in der Versorgung, stünden dagegen die blöden Ärzte, von denen es heißt, sie seien zu doof zum Promovieren."

Das Argument, dass eine Promotion noch lange keinen guten Arzt ausmacht und für Mediziner, die mit und für Patienten arbeiten wollen, gar nicht zwingend notwendig ist, lässt er nicht gelten. "Wir brauchen eine enge Verzahnung von Forschung und Praxis. Die Medizin braucht Ärzte, die in beiden Feldern tätig sind, deshalb ist der Vorschlag des Wissenschaftsrates Quatsch." Dass es ihm vielleicht auch darum gehen könnte, für seine Klientel das mit dem Doktortitel verbundene Prestige zu retten, bestreitet er.

Handfeste finanzielle Argumente

Doch gegen eine Verzahnung haben Ulrike Beisiegel und der Wissenschaftsrat überhaupt nichts - nur müsse sie auf höherer Ebene stattfinden: "Wenn jeder Student promoviert, heißt das noch lange nicht, dass der Austausch zwischen Forschung und Praxis funktioniert. Es müssen doch komplette Institute und Einrichtungen einbezogen werden, nicht der Einzelne", sagt Beisiegel.

Zudem hat sie auch handfeste finanzielle Argumente auf ihrer Seite: Eine einzige Promotion, so schätzt die Biochemikerin, verschlingt etwa 10.000 Euro. Labormaterialien, Betreuungskosten, teure Apparaturen und medizinische Geräte wollen erst einmal bezahlt werden. "Das ist Geldverschwendung. Am Ende kommt was raus, das die Studenten Zeit gekostet hat, teuer war und wissenschaftlich nichts bringt."

Auch das Arzt-Patienten-Verhältnis würde unter dem Verzicht auf die Promotion keineswegs leiden, glaubt sie. "Stellen Sie sich vor, was Studenten mit all der Zeit, die sie in ihre Doktorarbeit stecken, anfangen könnten: Würden die angehenden Ärzte stattdessen mehr über den Umgang mit Patienten lernen, wäre unsere Medizin noch besser."

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