Medizinstudium:Den Druck spüren auch die Patienten

Insgesamt arbeiten in Deutschland etwa 180 000 Menschen an Unikliniken, darunter circa 3900 Professoren und 61 000 wissenschaftliche Mitarbeiter. Beträgt der Frauenanteil unter den Studierenden etwa 60 Prozent, sinkt er bei den Professuren im Durchschnitt auf zwölf Prozent. Die Unimedizin ist im Jahr 2017 also weiterhin ganz klar männlich dominiert.

Das hat auch etwas mit den Arbeitsbedingungen zu tun, die Familie und Beruf nur schwer in Einklang bringen lassen. "Wir versuchen, ein Klima des Gebens und Nehmens zu schaffen", sagt Leena Kaarina Bruckner-Tuderman, Ärztliche Direktorin der Universitätshautklinik Freiburg und Vizepräsidentin der DFG. Jeder sei "mal in Bedrängnis und braucht kollegiale Unterstützung. Auf diesen kollegialen Austausch kommt es an."

Wer Bruckner-Tuderman länger zuhört, kann fast den Glauben an die Reformfähigkeit von Unikliniken wiederfinden. Von partizipativer Führungskultur ist da die Rede, von flexiblen Arbeitszeiten und dem Willen, dass "Kolleginnen und Kollegen während der Elternzeit eben nicht abgehängt werden".

Etablierte und ältere Klinikdirektoren geschlossen als Blockierer darzustellen, sei auch nicht gerecht, sagt Bruckner-Tuderman. Sie kenne "sehr viele, die den Wandel unterstützen und aktiv voranbringen". Das eigentliche Problem bestehe vielmehr in der "strukturellen Unterfinanzierung". Vor allem die Krankenversorgung müsse "immer stärker auf Erlöse und Effizienz hin ausgerichtet werden".

Studenten vermissen Wertschätzung

Den Druck bekommen Patienten genauso zu spüren wie Studierende. Als "riesiges Problem" hat Carola Siech die hohe Arbeitsbelastung ausgemacht, die eine angemessene Kommunikation fast unmöglich mache. "Das sorgt für Missverständnisse und führt am Ende zu einem schlechten Klima", sagt die Medizinstudentin. Doch dazwischen gibt es durchaus Lichtblicke. Auch wenn Siech die Inseln guter Arbeit aus anderer Perspektive beschreibt als Heinze die Profilbereiche, meinen beide doch das Gleiche. Ein Umfeld, in dem alle das Gefühl haben, als Teil des Teams geschätzt und gebraucht zu werden.

"Das hatte ich bisher erst ein Mal", sagt Siech, "und es war großartig." Wo sie das Glück erfuhr, verrät sie nicht. Sicher aber ist, es kann kein Profilbereich gewesen sein. Denn die gibt es ja noch nicht. Womit zugleich klar wäre: Die Unikliniken können ihr Schicksal auch ohne sie wenden und an ihrer Attraktivität arbeiten.

© SZ vom 03.06.2017/lho
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB