Mediation Schlichter gesucht

Zwei Menschen beharren auf ihren Standpunkten und verstricken sich immer tiefer in Konflikte. Da braucht es oft einen neutralen Dritten, der aufmerksam zuhört und sich in verschiedene Sichtweisen hineinversetzt. Das lernen künftige Mediatoren in ihrer Ausbildung.

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Der Bedarf an Mediatoren wächst - und damit auch das Fortbildungs-Angebot. Die Qualität und die Kosten der Weiterbildungen unterscheiden sich stark.

Von Verena Wolff

Immer häufiger kommen Mediatoren zum Einsatz: bei Auseinandersetzungen in Unternehmen, in der Familie, auch in den Schulen gibt es Vermittler, die bei kleineren Streitigkeiten vermitteln. Gerichte berufen ebenfalls Mediatoren, die in Konfliktfällen als Schlichter im Einsatz sind. Vor mehr als drei Jahrzehnten kam das Verfahren aus den USA nach Deutschland. Circa 5000 Mediatoren sind hierzulande in den Verbänden organisiert, doch nach Schätzungen gibt es deutlich mehr. Mediator ist allerdings in der Regel kein Beruf, auf den eine Ausbildung oder ein Erststudium vorbereiten. Man kommt in den allermeisten Fällen über eine Weiterbildung zu diesem Titel. Die Zertifizierung ist allerdings nicht geschützt, was die Suche nach einem guten Mediator kompliziert machen kann und auch von den Berufsverbänden als ungut empfunden wird. Trotzdem handelt es sich um einen reizvollen Beruf. Wie wird man Mediator? Wie viel Zeit und Geld muss man investieren? Und wo arbeitet man eigentlich?

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um sich als Mediator ausbilden zu lassen?

Zum Mediator ausbilden lassen kann sich eigentlich jeder - es braucht keine bestimmte Studienrichtung und keinen besonderen Ausbildungsabschluss. Dafür interessieren sich vor allem Juristen und Psychologen, wie Alexandra Bielecke, Vorstand des Bundesverbands Mediation, sagt. "Viele von ihnen brauchen die Ausbildung für die Selbständigkeit oder in den Unternehmen, in denen sie arbeiten. Mancher will sich auch in eine andere Richtung weiterentwickeln." Mitbringen müssen die angehenden Mediatoren "Interesse an Menschen und deren Geschichten", sie müssen gut und aufmerksam zuhören können. "Ein Gespräch gut zu strukturieren, einen roten Faden beizubehalten, auch wenn es hoch hergeht - das lernt man in der Ausbildung", erläutert Bielecke. Zudem seien ein großes Maß an Empathie, viel Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, sich nicht in einen Konflikt reinziehen zu lassen unabdingbar. "Denn gerade die Allparteilichkeit des Mediators ist eine wichtige Voraussetzung für eine gelungene Klärung." Die Konflikte werden eher mehr als weniger, sagt Dorothea Faller, die im Vorstand des Bundesverbands für Mediation in Wirtschaft- und Arbeitswelt (BMWA) ist. Wichtig sei für Mediatoren immer, Emotionen nicht in die Diskussion zu lassen. Am Ende der Mediation sollte eine Lösung stehen, mit der beide Parteien einverstanden sind.

Wie findet man eine gute, anerkannte Ausbildungsstätte?

Mediator ist zwar eine per Gesetz geschützte Berufsbezeichnung, allerdings werde die Erfüllung der Ausbildungsvoraussetzungen bislang noch nicht überprüft, sagt Bielecke. Daher raten die Verbände dazu, sich auf ihren Webseiten umzuschauen: Denn sie listen Weiterbildungen auf, die ein Qualitätssiegel haben und geprüft sind. Circa drei Dutzend Institute gibt es in Deutschland, zudem zahlreiche Einzelpersonen, die als Trainer zertifiziert sind. Wie bei allen anderen Aus- und Weiterbildungen gilt auch hier, sich im Vorfeld nicht blenden zu lassen und sich gut über die Inhalte zu informieren, betont Professor Michael Krämer, Präsident des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).

Und noch eines ist wichtig: diese Weiterbildung braucht Zeit. "Das Gelernte muss sich erstmal setzen, die Schüler müssen es praktisch anwenden", betont Faller. Im Mediationsgesetz ist eine Mindest-Stundenzahl von 120 für eine Weiterbildung mit Titel festgeschrieben, das ist nach Fallers Worten ein Kompromiss zwischen den Berufs- und den Juristenverbänden. "Wir halten allerdings mindestens 200 Stunden für sinnvoll", sagen beide Expertinnen übereinstimmend. Es gebe Kurse, die die Stunden auf vier oder fünf Wochen verteilen; danach entlassen die Kursleiter die Teilnehmer als Mediatoren. Doch hier fehlt die Zeit, die Lerninhalte zu verinnerlichen und verschiedene Fälle durchzuspielen. Faller rät zudem, bei der Suche nach einer Weiterbildung darauf zu achten, dass ausgebildete Lehrtrainer die Veranstaltungen leiten, und dass verschiedene Modelle vorgestellt werden. "Das ist der größte Garant für eine umfassende Ausbildung." Grundsätzlich sollte der Praxisanteil hoch sein. Das bedeutet vor allem, dass man in Rollenspielen die unterschiedlichen Perspektiven der Konfliktparteien einnimmt und die Perspektiven wechselt. Denn so lerne man, die verschiedenen Standpunkte zu verstehen. Oft kommen in der Ausbildung Variationen von realen Fälle vor, die verfremdet wurden, erläutert Bielecke. In manchem Institut besteht auch die Möglichkeit einer Hospitation bei Mediationen.

Gibt es Hochschulen, die einen Studiengang "Mediation" anbieten?

Es gibt nur wenige Hochschulen in Deutschland, die das Fach als Masterstudiengang anbieten. Zu ihnen gehören die Fernuni Hagen, die Uni Witten-Herdecke und die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, die das Studium berufsbegleitend anbieten. An der Viadrina können die Studierenden den dreisemestrigen Studiengang "Mediation und Konfliktmanagement" entsprechend ihren Vorkenntnissen ausrichten - und mit dem akademischen Grad Master of Arts (M.A.) oder Master of Laws (LL.M.) abschließen. Zahlreiche Hochschulen bieten die reguläre Ausbildung zum Mediator an - unabhängig vom Studienfach oder Semester. Die Teilnehmer prägen sich in Blöcken und Modulen während mindestens zwei Semestern an der Hochschule ein, was andere in einer Weiterbildung neben dem Beruf erlernen. An vielen Hochschulen orientiert man sich dabei an den Richtlinien der Verbände. Diese Ausbildung muss von den Studierenden bezahlt werden.

Wie hoch sind die Kosten für eine Weiterbildung zum Mediator?

Das Spektrum der Anbieter auf dem Markt ist breit und damit auch die Abschlüsse und Kosten, die sie berechnen: "Das variiert zwischen 2000 und circa 10 000 Euro", sagt Bielecke. Allerdings ist ein kurzer, günstiger Kurs nicht immer der beste. Vielmehr kommt es darauf an, dass die Weiterbildung passend und zielführend für die angestrebte Tätigkeit ist. Denn inzwischen gibt es auch Spezialisierungen innerhalb der Kurse - etwa in Wirtschafts- oder Familienmediation. Mehr Anbieter gibt es in den Ballungsräumen und den großen Städten, sagt Faller. Unangefochtener Spitzenreiter ist dabei Berlin. "Das hat sicher damit zu tun, dass in der Hauptstadt viele Start-ups sind, die Mediatoren ganz selbstverständlich einsetzen, bevor es knallt." Mancher traditionelle Mittelständler hingegen tue sich eher schwer zu sagen, dass er Hilfe brauche. "Aber auch aus dieser Richtung gibt es immer mehr Anfragen."

Welche sind die Betätigungsfelder von Mediatoren?

Viele Mediatoren arbeiten freiberuflich und bieten ihre Dienste in Verbindung mit anderen Tätigkeiten an, etwa Supervision, Organisationsentwicklung oder Trainings. "Die Dynamik ist enorm hoch, man muss für die Mediationen sehr kurzfristig Termine anbieten können", sagt Faller. In den Unternehmen gibt es immer häufiger Personaler, die eine Weiterbildung zum Mediator gemacht haben und bei Konflikten eingesetzt werden können. "Auch Führungskräfte machen eine solche Ausbildung und integrieren den Kommunikationsstil in ihre tägliche Arbeit", berichtet Faller. Mediatoren können von Richtern bestellt werden, in diesen Fällen geht es auch darum, einen Prozess zu vermeiden.

Auch im Familienbereich kommen häufig Mediatoren zum Einsatz. "Viele von ihnen haben einen pädagogischen Hintergrund und arbeiten in Jugendämtern oder Familienberatungsstellen. Man finde aber auch Ärzte oder Architekten unter den Mediatoren, sagt Bielecke. "Sie haben den Vorteil, Experten in ihrem Fach zu sein und gleichzeitig die Techniken der Mediation zu beherrschen. Auf diese Weise können sie in verzwickten Lagen vermitteln."

Auf den Webseiten der großen Mediations-Verbände in Deutschland findet man zahlreiche Informationen zum Beruf und zu Kriterien, die für die Qualität der Ausbildung wichtig sind: Bundesverband Mediation (BM): www.bmev.de; Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation (BAFM): www.bafm-mediation.de; Bundesverband für Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt (BMWA): www.bmwa-deutschland.de