MBA-Studium in KanadaDas Beste aus drei Welten

Lesezeit: 3 Min.

Kanadische Business Schools stehen im Schatten von US-Universitäten, dafür sind sie nicht so teuer. Und das Land hat ein paar einzigartige Vorteile.

Juliane Lutz

Wer das Wort MBA hört, denkt fast automatisch an die USA und an Universitäten wie Harvard oder Stanford. Doch auch beim Nachbarn im Norden, in Kanada, gibt es eine Reihe sehr guter Wirtschaftsfakultäten. So schaffte es die Rotman School of Management der University of Toronto auf Platz acht in einem aktuellen Ranking des Wirtschaftsportals Bloomberg Business Week. Und der britische Economist setzte 2009 in seinem weltweiten Fulltime-MBA-Ranking die Schulich School of Business der York University in Toronto auf Platz zwölf und damit noch vor die angesehene Kellogg School of Management der Northwestern University in Chicago.

Wer für sein MBA-Studium nach Kanada kommt, hat meist persönliche Gründe. Das soll sich jedoch ändern.
Wer für sein MBA-Studium nach Kanada kommt, hat meist persönliche Gründe. Das soll sich jedoch ändern. (Foto: dpa)

"In Kanada trifft man pro MBA-Programm vielleicht auf einen Deutschen", sagt Detlev Kran, der den MBAGuide herausgibt, einen Führer durch den Angebotsdschungel. Die wichtigsten Märkte sind nach wie vor die USA und Großbritannien, gefolgt von der Schweiz, Frankreich oder Spanien. "Wer den MBA in Kanada erwirbt, hat meist persönliche Gründe dafür", sagt Kran.

Bei Hanno Höhn war das so. Dass er als Kind vier Jahre in Kanada gelebt hatte, war für den 44-Jährigen ein Grund, sich 1990 für die Schulich School of Business zu entscheiden. Aber auch weil die York University eine Partneruni seiner Alma Mater, der Universität Mannheim, war. Dort hatte er Betriebswirtschaft studiert. Die damals bereits starke internationale Ausrichtung von Schulich zog ihn ebenfalls an. "Dort studierten Leute aus aller Welt, und es gab Austauschprogramme mit führenden Hochschulen Europas", sagt Höhn.

Ihm gefällt die Weltoffenheit der Kanadier. "Sie wissen, dass sie nicht ohne den Rest der Welt existieren können und interessieren sich mehr als ihre unmittelbaren Nachbarn für das Geschehen in Europa und anderswo." Sein Fazit: "Kanada hat mir viel gebracht. Wie in den USA legt man dort Wert darauf, dass die Studenten lernen, überzeugend aufzutreten." Im Studium in Deutschland sei dieser Punkt völlig vernachlässigt worden.

Neben den fachlichen Schwerpunkten - Höhn konzentrierte sich auf strategisches Management und Marketing - profitierte er auch persönlich während der knapp zwei Jahre Toronto. "In Kursen, die sich um Self Assessment drehten, mussten wir uns mit der Frage ,Wer bin ich, wo will ich hin' auseinandersetzen", erinnert sich Höhn. Er staunt, wie genau der Karriereplan, den er 1992 aufgestellt hatte, Realität wurde. Seine Karriere verlief steil. Heute leitet er bei einem deutschen Autozulieferer und Weltmarktführer den Einkauf.

Mittlerweile studieren an der Schulich School of Business mehr als 50 Prozent Ausländer, aber nur fünf Prozent davon kommen aus Europa. 2013 wird die Schule einen weiteren Campus in Indien eröffnen, der es den Studenten ermöglicht, zwischen beiden Ländern hin- und herzuwechseln. Wer sich für einen MBA entscheidet, kann unter 15 Spezialisierungen wählen und kommt mit 44.700 Euro (60.000 kanadische Dollars) für 16 Monate Vollzeit-MBA-Studium relativ günstig weg. Im Vergleich dazu belaufen sich die Studiengebühren an der Wharton School der University of Pennsylvania für das erste Studienjahr bereits auf etwa 42.110 Euro (54.000 US-Dollar).

Hochqualifizierte Arbeitnehmer
:Kluge Köpfe zieht es nach München

Gutausgebildete Arbeitnehmer zieht es in die Metropolen: Eine Studie erklärt München und Hamburg zu den Gewinnern. Andere Städte sind weniger beliebt.

Doch wie angesehen ist ein Abschluss einer kanadischen Uni? "Bislang hatten wir kaum Bewerber mit einem kanadischen MBA, doch sie sind für uns durchaus relevant", sagt Kathrin Kammer, Personalreferentin bei der Strategieberatung Roland Berger. "Das Wichtigste ist, dass ihr Profil zu uns passt und sie schlüssig begründen, warum sie sich für diese Business School entschieden haben."

Jubel über ein gelungenes Studium: Kanadas Universitäten locken immer mehr ausländische Studenten.
Jubel über ein gelungenes Studium: Kanadas Universitäten locken immer mehr ausländische Studenten. (Foto: BLOOMBERG NEWS)

Auch Joachim Sauer, Präsident des Bundesverbands der Personalmanager, steht kanadischen Abschlüssen offen gegenüber: "Ich beobachte, dass noch immer viele deutsche Manager schlecht Englisch sprechen. Ich würde mir daher diese Kandidaten, die ja die Sprache sehr gut beherrschen, auf jeden Fall ansehen."

Ideal findet es Sauer, der bei Airbus Deutschland Personalgeschäftsführer ist, wenn sich Deutsche für eine Business School im französischsprachigen Teil Kanadas entscheiden - und damit drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: ein US-geprägtes Wirtschaftsstudium absolvieren, in einem zweisprachigen Land leben, die französische Kultur verinnerlichen. "Der kulturelle Unterschied zwischen Franzosen und Deutschen ist groß. Da in multinationalen europäischen Konzernen viele Franzosen arbeiten, kann ein Studium in Montreal nur ein Vorteil sein", sagt Sauer.

Torsten Homburg hat sich für eine Hochschule im englischsprachigen Teil des Landes entschieden und es keine Sekunde bereut. Der Textilingenieur, der bei einem führenden Modeproduzenten das Geschäft mit Strickwaren mitverantwortet, wollte sein Managementwissen ausbauen und entschied sich für den Omnium Global Executive MBA an der Rotman School of Management der University of Toronto, die für ihren Finanzschwerpunkt bekannt ist.

"Ich war auf der Suche nach einem englischsprachigen Programm, das in Modulen stattfindet", sagt Homburg, "und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis war ein Grund." Die Studiengebühren betragen derzeit 63.325 Euro (85.000 Kanadische Dollar), für das Executive-MBA-Programm des Lausanner IMD müsste er 96.124 Euro (126.000 Franken) hinblättern.

Der 36 Jahre alte Niedersachse war nur einer von wenigen Deutschen. "Zwar finden Sie bei uns 80 Nationen, aber in den vergangenen zehn Jahren hatten wir nur 80 deutsche MBA-Studenten, die meisten davon im Global Executive Program", sagt Beatrix Dart, die bei Rotman den Studiengang leitet. "Am spannendsten war es, alle paar Monate irgendwo auf der Welt die Seminarbank zu drücken", erzählt Homburg. In Sao Paulo, Mumbai und Hongkong gewesen zu sein, habe ihm einen anderen Blick auf die Globalisierung verschafft - weit weg von Deutschland und Europa.

© SZ vom 16.09.2010 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Die besten Unis weltweit
:Schnuppern am Erfolg

Heidelberg und München versuchen mit der Weltelite mitzuhalten, doch im internationalen Vergleich liegen die deutschen Universitäten noch immer im Mittelfeld. Eine Überraschung gibt es an der Spitze.

in Bildern.

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: