MBA-Studium:Ab ins Management

Lesezeit: 3 min

Vollzeit oder Teilzeit? Generalist oder Spezialist? Bevor sich Arbeitnehmer zur Führungskraft ausbilden lassen, müssen zentrale Fragen geklärt werden. Ein ABC des MBA.

Von Antonia Schäfer

Der Master of Business Administration (MBA) ist ein Studienabschluss, der ursprünglich aus den USA stammt. Er wurde erdacht, um Techniker oder andere Spezialisten, die nicht aus dem Wirtschaftsbereich stammen, auf eine Führungsrolle vorzubereiten. Der MBA richtet sich an Menschen mit Berufserfahrung, die zusätzlich Kompetenzen im Bereich des Managements erwerben wollen. Laut Staufenbiel Institut, das in Frankfurt und Köln ansässig ist und Unternehmen wie Studenten sowie Absolventen in Karrierefragen berät, gibt es bundesweit aktuell mehr als 250 Programme von mehr als 180 Anbietern.

Executive MBA

Die Frage, ob Studieninteressenten sich für einen MBA oder einen Executive MBA (EMBA) entscheiden sollten, ist nicht nur eine Frage der persönlichen Präferenz. Denn für EMBAs gelten höhere Eingangsvoraussetzungen als für normale MBAs. Sie richten sich gezielt an Führungskräfte, die noch weiter aufsteigen wollen. Dementsprechend sind die Teilnehmer der Kurse meist älter und haben mehr Berufserfahrung. Je nach Hochschule müssen Bewerber fünf, oft sogar zehn Jahre Erfahrung vorweisen, während bei normalen MBAs meist zwei Jahre genügen. Auch das Programm selbst sei oft anders angelegt, sagt Professor Frank Jacob, der sich an der ESCP Europe Berlin als Academic Dean, also als Leiter, um das EMBA-Programm kümmert. So hätten EMBA-Teilnehmer mehr Erfahrungen, die sie als "Peers" miteinander teilen könnten. Da die EMBA-Teilnehmer in ihren Firmen oft wichtige Positionen haben, sind die Programme meist in Teilzeit konzipiert und vergleichsweise kurz (siehe Vollzeit versus Teilzeit).

Kosten

Je nach Hochschule könne ein komplettes MBA-Programm leicht im sechsstelligen Euro-Betrag liegen, sagt Detlev Kran, Autor des "MBA-Guide". Es gebe kaum noch Anbieter, die ihre MBAs zu normalen universitären Gebühren oder keinen Studiengebühren anböten. Stattdessen liege der Mittelwert in Deutschland bei 18 000 Euro, das Maximum bei 65 000 Euro. In den USA seien die Kosten mit maximal 100 000 Euro noch höher.

Generalist versus Spezialist

Ursprünglich ist der MBA als generalistischer Studiengang angelegt, in dem die Teilnehmer eine weite Bandbreite an Fähigkeiten erlangen. Doch in den vergangenen Jahren haben Hochschulen immer mehr spezialisierte Programme entwickelt, die sich auf einen Schwerpunkt fokussieren. An der Hamburg Media School etwa können sich Teilnehmer auf Media Management spezialisieren, am Bordeaux International Wine Institute auf Wein-Marketing und -Management. Professor Jacob sieht diese Entwicklung kritisch: "Der MBA ist per definition eine generalistische Ausbildung, wenn ein Kurs spezialisiert ist, sollte er auch anders heißen."

Internationale Programme

Da MBA-Programme auf dem Bologna-Prozess fußen und über ECTS-Punkte bewertet werden, werden deutsche Abschlüsse auch im Ausland anerkannt und umgekehrt. Jeder MBA-Interessierte hat also die freie Wahl. Die grundlegende Frage müsse sein, wo einen der MBA hinbringen solle, sagt Hochschulberater Kran: "Für eine internationale Karriere brauche ich einen internationalen Abschluss." Wolle man hingegen nur in einem kleineren Unternehmen eine weitere Stufe erklimmen, reiche ein deutscher MBA völlig aus. Der Vorteil: Den könne man meist neben der normalen Arbeit absolvieren, während Programme im Ausland oft auf Vollzeit angelegt seien (siehe Vollzeit versus Teilzeit).

Freizeit ade

Studiendauer

Im Durchschnitt dauern MBA-Programme zwischen einem und zwei Jahren, wobei sich Vollzeitprogramme tendenziell in kürzerer Zeit bewältigen lassen (siehe Vollzeit versus Teilzeit). Auch EMBAs sind meist auf eine relativ kurze Dauer angelegt (siehe Executive MBA). Werben Teilzeitprogramme mit einer außergewöhnlich kurzen Studiendauer, kann das überdurchschnittlich viel Arbeit bedeuten. Am wichtigsten sei es, immer auf die Credit Points zu achten, sagt Kran: Denn gebe es für ein kürzeres Studienprogramm auch weniger Punkte, könnten diese im Zweifelsfall zu wenige sein, um den Abschluss zu erlangen.

MBA
Was Sie mitbringen müssen

Die Anforderungen für Studien-Aspiranten sind gestiegen, wie das Staufenbiel Institut, das zahlreiche Publikationen zum Thema Karriereplanung anbietet, auf seiner Fachseite mba-master.de schreibt. Im Durchschnitt werde jede zweite Bewerbung abgelehnt. Bei Bewerbern achten die Business Schools auf eine Mischung aus fachlicher und persönlicher Qualifikation.

Fachlich erwarten MBA-Anbieter ein abgeschlossenes Hochschulstudium, zumindest einen Bachelor-Abschluss. Der MBA ist schließlich ein Master, auch wenn er fachlich nicht auf dem Bachelor aufbauen muss. Dennoch gilt die "magische Schwelle" von 300 Credit Points, wie Professor Frank Jacob von der Wirtschaftshochschule ESCP Europe Berlin erklärt. Dort verantwortet er als Academic Dean den Executive MBA.

Credit Points werden im Rahmen des European Credit Transfer Systems (ECTS) seit dem Bologna-Prozess flächendeckend für Studiengänge vergeben. Im Schnitt steht ein Bachelor-Abschluss für 180 ECTS-Punkte, für einen Master muss man insgesamt 300 Punkte vorweisen. Dies gilt auch für den MBA.

Habe ein MBA-Interessent bisher nur einen Bachelor, müsse er sichergehen, dass das MBA-Programm genügend Credit Points umfasst, damit es gemeinsam mit seinen Studienleistungen aus dem Bachelor die 300-Punkte-Schwelle überschreite, erklärt Jacob. Andernfalls lehne die Hochschule ihn ab. Interessiere sich ein Bewerber für ein MBA-Programm, dessen Voraussetzungen er nicht erfülle, solle er sich trotzdem an das Studierendenbüro wenden, empfiehlt das Staufenbiel Institut. Manchmal gebe es Verhandlungsspielraum, indem etwa zusätzliche Berufserfahrung angerechnet werde.

Zudem müssen die Bewerber bei den meisten Programmen Berufserfahrung vorweisen, im Durchschnitt zwei Jahre für einen MBA-Kurs und mindestens fünf Jahre für einen Executive MBA. Auch hier gibt es laut Staufenbiel Institut bei vielen Hochschulen Raum für Verhandlungen. So könnten etwa außergewöhnlich gute Studienleistungen oder längere Praktika mangelnde Berufserfahrung wettmachen. Meist müssen Bewerber zudem mindestens zwei professionelle Referenzen nennen.

Wichtig ist auch die Wahl des Zeitpunkts: Auch wenn bei vielen Programmen die offizielle Bewerbungsfrist im Frühjahr ende, sollten Bewerber ihre Unterlagen bereits vor dem Jahreswechsel einreichen. Laut Staufenbiel Institut verfolgen viele Schulen das Prinzip "First come, first served". So könne es ein, dass schon vor Ablauf der offiziellen Deadline alle Plätze vergeben seien.

Vollzeit versus Teilzeit

Einige MBA-Programme werden nur in Teilzeit angeboten (siehe Executive MBA). Bei allen anderen müssen sich die Teilnehmer vorher überlegen, wie sie die Zeit ihres MBA-Programms gestalten wollen. Ein Vorteil von Vollzeitstudien ist, dass sie relativ kurz dauern. Jedoch, und das ist der größte Nachteil, müssen die Teilnehmer während der kompletten Dauer aus dem Berufsleben ausscheiden. Einen Teilzeit-MBA hingegen können sie parallel zu ihrer normalen Arbeit absolvieren. Doch das bedeutet auch eine immense Arbeitsbelastung, warnt Hochschulberater Kran: "Für die Dauer des MBA kann man all seine Ferien, Wochenenden und freien Abende streichen." Die Frage der Dauer sei auch mit der Ortswahl verknüpft, sagt Kran: Während in Deutschland kaum Vollzeit-Programme angeboten würden, seien sie im angelsächsischen Bereich weit verbreitet (siehe Internationale Programme).

MBA auf Englisch

Interessiert sich ein Bewerber für einen englischsprachigen MBA, muss er seine Sprachkompetenzen nachweisen. Dies geschieht meist mithilfe des klassischen "Test of English as a Foreign Language" (TOEFL). Vor allem im angloamerikanischen Raum fordern viele Hochschulen zudem einen "Graduate Management Admission Test" (GMAT). Zusätzlich wollen die meisten Hochschulen ein persönliches Motivationsschreiben von jedem Bewerber lesen, viele auch einen Aufsatz - das gilt für alle MBA-Studiengänge, nicht nur für den englischsprachigen. Die ESCP Europe Berlin etwa fordert drei Mini-Essays über die bisherigen Erfolge, die Karriereziele und die Frage, welche Rolle die ESCP in diesem Plan spielen solle. "Die wichtigste Frage ist, ob eine Systematik in der Karriereentwicklung erkennbar ist", sagt Professor Jacob. Erscheint der Bewerber geeignet, wird er in der Folge zu einem persönlichen Interview eingeladen.

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