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MBA Sportmanagement:Auf der Überholspur

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Ein Team motivieren, ein Team professionell führen: Wie das geht, lernt man im MBA-Programm der Hochschule Kaiserslautern, das auf den Motorsport zugeschnitten ist.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Der Bedarf an Führungskräften im Sportbusiness steigt. Wie man sich für solche Positionen qualifizieren kann.

Sport fasziniert die Massen. Das zeigt sich regelmäßig bei Großveranstaltungen wie Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, wenn die Menschen nur so in die Stadien strömen. Es verwundert deswegen kaum, dass viele versuchen, im Umfeld des Sports beruflich Fuß zu fassen. Auf dieses Interesse reagieren Deutschlands Hochschulen und bieten MBA-Studiengänge im Bereich Sportmanagement an. Als erste Hochschule hierzulande legte die Universität Bayreuth den MBA Sportmanagement auf, das war im Jahr 2010. "Die Sportbranche hat zahlreiche Besonderheiten, da lassen sich allgemeine Managementkenntnisse nicht einfach eins zu eins übertragen", sagt Guido Schafmeister, einer der beiden Studiengangsleiter. Eine der Besonderheiten ist die Unberechenbarkeit bei Wettkämpfen. Selbst wenn Team A gegen Team B gewinnt und B gegen C, kann A gegen C verlieren. "Diese Unsicherheit beim Spielausgang macht Sport zu etwas Besonderem", sagt Schafmeister. Zudem seien im Sport starke Wettbewerber notwendig, um im Wettkampf die maximale Leistung zu erzielen. Das zieht Interessierte aus unterschiedlichen Bereichen in den Bayreuther MBA: auf der einen Seite etwa Trainer, Sportler und Sportwissenschaftler, die sich weiterqualifizieren möchten; auf der anderen Seite beispielsweise Juristen oder Logistiker, die sich in der Sportbranche ein berufliches Standbein schaffen möchten.

Exkursionen, Events und Networking spielen bei diesem speziellen MBA eine wichtige Rolle

Das Kursprogramm des viersemestrigen berufsbegleitenden MBAs in Bayreuth sieht vor, dass die Studierenden im ersten Semester ein Geschäftsmodell im Sportbusiness erarbeiten - etwa zur Digitalisierung eines Profifußballklubs oder zur Vermarktung von Fanartikeln - oder, sollten sie sich selbständig machen wollen, ein eigenes Businessmodell. Im zweiten Semester widmen sich die Studierenden strategischen Fragen: Wie kann ein Verein mit dem Thema E-Sport umgehen? Wie kann ein Unternehmen im Sportbereich Sponsoring betreiben? Wie lässt sich Breitensport fördern, wenn sich kaum noch Menschen ehrenamtlich engagieren wollen? Bevor im vierten Semester die Masterarbeit ansteht, rückt im dritten Semester die Wissenschaft in den Vordergrund. "Der MBA ist stark in die rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät eingebunden und wird von zahlreichen Professoren mit eigenen Schwerpunkten im Sportmanagement unterstützt", sagt Schafmeister.

An der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen setzt André Bühler auf den MBA Internationales Sportmarketing. "Der MBA-Abschluss ist in diesem Sektor immer stärker gefragt, etwa in der Rechtevermarktung, im Sponsorenbereich, bei Medien- und Freizeitunternehmen oder in Vereinen", sagt der Marketingprofessor und Akademische Leiter des MBA. Das Studium dauert vier Semester, ist trotz des Namens überwiegend deutschsprachig und wird als Fernstudiengang angeboten. Die meisten Teilnehmer arbeiten schon im Sportbusiness und wollen dort Karriere machen. "Der MBA ist ein Karrieretreiber", sagt Bühler und verweist als Beispiel auf einen Absolventen, der am Tag nach seiner Urkundenübergabe zum Prokuristen einer Sponsoring-Agentur aufstieg. Im Studium setzt Bühler auf einen hohen Praxisanteil, so wie es für Fachhochschulen charakteristisch ist. "Die meisten unserer Professoren haben bereits mit Sportorganisationen und -verbänden kooperiert", sagt er. Zudem arbeite man mit externen Dozenten aus der Praxis zusammen. So habe man für das Modul Krisenmanagement einen Referenten des Weltfußballverbands Fifa gewinnen können. Wichtig seien auch die beiden Exkursionen, die den angehenden Managern angeboten werden. Eine von ihnen führte voriges Jahr für eine Woche in die Schweiz. Dort trafen die Teilnehmer Geschäftsführer und Marketingleiter von Sportverbänden. Sie bekamen so in Gesprächen etwa mit dem früheren Fifa-Chef Sepp Blatter vermittelt, wie Entscheidungen in der Sportbranche getroffen werden. Dieses Jahr nahmen sie auf Einladung des Österreichischen Skiverbands an der offiziellen Einkleidung der Skimannschaft für den Weltcup in Kitzbühel teil. "Solche Events und Treffen sind wichtig, weil im Sportbusiness ein Netzwerk mit guten Kontakten unentbehrlich ist", sagt Bühler. Zudem leisteten solche Veranstaltungen einen authentischen Einblick in die Szene.

Lehrer, Informatiker, Trainer, Juristen - die Teilnehmer haben ganz unterschiedliche Berufe

Diese Authentizität will auch Wirtschaftsingenieurin Bettina Reuter ihren Studierenden bieten. Der Studienort des viersemestrigen MBA Motorsport-Management der Hochschule Kaiserslautern liegt am Nürburgring, sagenumwobene Rennstrecke des Motorsports in der Eifel. "Es ist manchmal etwas laut hier, aber die Bedingungen sind für uns an der Rennstrecke exzellent", sagt die MBA-Studiengangsleiterin und Hochschulprofessorin. "Es gibt viele Studiengänge, die sich mit den ingenieurwissenschaftlichen Aspekten rund um das Rennauto beschäftigen, aber keine zur Organisation und zum Management im Motorsport - außer unserem", sagt sie. In den ersten beiden Semestern werden vor allem Managementgrundlagen vermittelt. "Motorsport ist teuer und muss aufwendig finanziert werden, deshalb brauchen unsere Absolventen fundiertes Wissen zu Finanzierung, Rechnungswesen und Marketing", erklärt sie. Im dritten und vierten Semester geht es konkret um Motorsportmanagement.

Während der Ausbildung stehen die Themen Personal und Teamführung im Fokus. In vielen Rennteams gibt es einen festen Personalstamm von vier bis fünf Mitarbeitern, bei Rennveranstaltungen wie etwa dem 24-Stunden-Rennen am Nürburgring schwillt das Team auf bis zu 50 Mitglieder an: Techniker, Logistiker, Mitarbeiter für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Ingenieure, Fahrer. Außerdem muss man sich mit Rennleitung und Reifenherstellern abstimmen. "Da muss alles passen, deswegen steht und fällt alles mit einer guten Teamführung, einem professionellen Teammanagement und der richtigen Motivation", betont Reuter. Ursprünglich war der MBA für Techniker und Renningenieure konzipiert, die Teams leiten wollen. Laut Reuter kommen zwar viele Studierende aus den Motorsportabteilungen, etwa von Audi, Porsche oder Mercedes. Überraschenderweise würden sich aber auch Lehrer, Agraringenieure, Informatiker oder Marketingfachleute für dieses Studium entscheiden. "Sie interessieren sich über die Maßen für den Automobilsport und wollen wissen, wie das organisiert und gemanagt wird." Deswegen wagten sie einen beruflichen Wechsel.

Ein weiterer MBA-Studiengang im Bereich des Sports ist der MBA Sport-/Gesundheitsmanagement an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG). Vier Wahlschwerpunkte bietet die Hochschule in dem viersemestrigen Fernstudium an; die stärkste Nachfrage gibt es für das Fach Betriebliches Gesundheitsmanagement. Dafür entscheiden sich vor allem Sportwissenschaftler und Physiotherapeuten, aber auch Pharmazeuten und Betriebswissenschaftler, die in einem Unternehmen bereits für die Gesundheit der Mitarbeiter zuständig sind oder als Dienstleister arbeiten. "Mit diesem MBA sind unsere Absolventen in der Lage, strategische Konzepte zu entwickeln oder das betriebliche Gesundheitsmanagement in einem mittelständischen Unternehmen zu leiten", sagt Roman Spitko, Dozent im Fachbereich Management an der DHfPG. Die Nachfrage nach solchen Fach- und Führungskräften sei groß. Hinzu komme, dass die Themen Gesundheit und Prävention für Unternehmen immer wichtiger würden. Das wirkt sich auch auf den MBA der DHfPG aus: Er wird seit dem vorigen Jahr nicht mehr nur am Standort Saarbrücken, sondern auch in Köln angeboten.

Eine Auswahl von Studiengängen mit dem Abschluss Master of Business Administration im Bereich Sport und Gesundheit: MBA Sportmanagement (berufsbegleitend), Universität Bayreuth, www.uni-bayreuth.de; MBA-Studiengang Sportmanagement (berufsbegleitend), Universität Jena, www.mba-sportmanagement.com; MBA Motorsport-Management (berufsbegleitend), Hochschule Kaiserslautern, https://mba.bw.hs-kl.de; MBA Sport- und Gesundheitsmanagement (berufsbegleitend), Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, www.dhfpg.de; MBA Sportmanagement (berufsbegleitend), IST-Hochschule für Management, www.ist-hochschule.de; MBA Internationales Sportmarketing (berufsbegleitend), Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, www.hfwu.de; MBA Sportmanagement (berufsbegleitend), Hochschule Koblenz, www.hs-koblenz.de