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MBA-Abschlussprojekte:"Für meine Zukunft stehen mir alle Türen offen"

Kommunikation in internationalen Teams: Unter anderem auf diesem Gebiet erwerben MBA- und EMBA-Studierende den für die Karriere notwendigen Feinschliff.

(Foto: Getty Images)

Auch angehende Manager müssen eine Masterarbeit abgeben. Anders als an Universitäten entsteht sie oft im Verbund mit Unternehmen. Das kann eine große Chance sein.

Von Lara Voelter

"Vor meiner MBA-Thesis habe ich noch nie so intensiv mit einem interkulturellen Team zusammengearbeitet", sagt Niklas Preiß. Er schloss 2018 seinen einjährigen Vollzeit-MBA an der Mannheim Business School mit einem praktischen Gruppenprojekt ab. Zuvor hatte er mehrere Jahre als Wirtschaftsingenieur bei einer Zulieferfirma für Windkraft gearbeitet. Doch die Unternehmenskultur in der Industrie sei ihm zu unflexibel, die Denkweise häufig zu eingefahren gewesen. "Mir war auch schnell klar, dass ich immer mehr generalistischer Leader als technischer Spezialist sein möchte", sagt der 29-Jährige selbstbewusst.

Für Akademiker mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung, die eine Führungsposition anstreben oder seit etlichen Jahren als Manager arbeiten, kann ein Master of Business Administration (MBA) oder Executive MBA (EMBA) an einer renommierten Business School dabei helfen, weiter aufzusteigen oder der Karriere Feinschliff zu verleihen.

Alle Absolventen schließen ihr MBA-Studium mit einer Masterarbeit ab, der MBA-Thesis. Doch die MBA-Abschlussarbeiten an einigen Schulen unterscheiden sich von traditionellen Masterarbeiten an Universitäten oder Hochschulen, wo die umfangreichen Arbeiten meist im Allein-gang geschrieben werden und in der Regel sehr forschungsorientiert sind.

Die Abschlussprojekte sind meist interdisziplinär und interkulturell ausgerichtet

An der Frankfurt School of Finance & Management, an der Mannheim Business School und an der European School of Management and Technology Berlin (ESMT) zum Beispiel wird viel Wert auf praktische Abschlussarbeiten gelegt. Zwar gibt es in Frankfurt und Berlin auch die Option, als Einzelperson eine klassische Masterarbeit zu schreiben. Jedoch würden sich, so der Leiter der MBA-Programme an der Frankfurt School, Professor Horst Löchel, nicht mehr als zehn Prozent der Studierenden eines Programms dafür entscheiden.

Deutlich beliebter ist es an den Schulen, ein praktisches Gruppenprojekt umzusetzen; zum Beispiel einen Businessplan für eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln - von der Produktidee über das Marketing und die Finanzierung bis hin zur strategischen Organisation interner Prozesse. Immer wieder führt dies auch zur Gründung eines eigenen Start-ups. Alternativ dazu ist es gängig, gemeinsam mit einer Firma ein Beratungsprojekt zu realisieren. Projektgruppen von meist je bis zu vier, fünf Leuten erarbeiten gemeinsam mit ausgewählten externen Unternehmen Lösungen für firmeninterne Problem- und Fragestellungen.

Egal welche der beiden Varianten die Studierenden wählen, ihre praktische Master-Thesis wird stets durch einen wissenschaftlichen Teil komplettiert. Aus diesem muss klar hervorgehen, wer in der Gruppe welchen Beitrag geleistet hat, wodurch sich dann auch eine individuelle Note für die verschiedenen Teammitglieder ergeben kann. An der Frankfurt School und an der ESMT macht diese ein Viertel der Gesamtnote aus, an der Mannheim Business School ein Fünftel.

Die Business Schools in Berlin, Mannheim und Frankfurt bilden generalistisch aus, und das spiegelt sich auch in den Abschlussarbeiten wider: "Die praktischen Projekte sind meist sehr interdisziplinär, da die Studierenden darin viele Themen umsetzen, mit denen sie sich im Unterricht beschäftigt haben", sagt der Fakultätsdirektor für die MBA-Programme an der ESMT Berlin, Michał Grajek.

Die Teilnehmer würden diese Erfahrung schätzen und viel Wissen aus anderen Fachgebieten mitnehmen. An der Mannheim Business School müssen die Masterarbeitsprojekte ebenfalls eine gewisse Tiefe haben und ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. "Nur so können die Teilnehmer ihr Wissen und ihren breiten Erfahrungsschatz einbringen. Eine Werbekampagne für ein Produkt wäre daher deutlich zu eng gefasst", erläutert die Direktorin der MBA- und EMBA-Programme, Nina Landauer.

Die Mehrheit der Studierenden entscheide sich für ein Beratungsprojekt mit einer externen Firma, berichten die Programmdirektoren. "Wir haben sehr viele ausländische Studierende, die interessiert daran sind, in Deutschland zu arbeiten. Mit dem Unternehmensprojekt können sie zeigen, dass sie schon einmal mit einer deutschen oder internationalen Firma in Deutschland zusammengearbeitet haben", erklärt Löchel. Typische Themen an den drei Schulen waren bisher beispielsweise ein Beratungsprojekt zur Zukunft der Mobilität in Zusammenarbeit mit einem großen Automobilhersteller, eine Markteintrittsstudie für ein innovatives Produkt eines Pharmaunternehmens oder die Entwicklung einer Vermarktungsstrategie eines Energieanbieters für Solarenergie.

Die genannten Business Schools unterstützen ihre Studierenden vor allem im Vollzeit-MBA bei der Themenfindung und gewinnen häufig auch über ihr breites Alumni-Netzwerk namhafte Firmen. Denn die Vollzeit-MBAler arbeiten in der Regel nicht parallel zum Studium in einem Unternehmen, das ihnen ein Sujet für die Masterarbeit liefern könnte. Außerdem kommen viele MBA-Vollzeitstudierende aus dem Ausland und verfügen schlichtweg nicht über die nötigen Firmenkontakte.

Diese stellen ihre Projekte den Studierenden vor, die danach Themenpräferenzen angeben. Immer wieder komme es zwar vor, dass sich Gruppen selbst eine Firma suchen, der Regelfall sei dies in den Klassen aber nicht, sagt Landauer. Niklas Preiß und seinem Team war das jedoch gelungen: In Kooperation mit einem Windkraftanlagenhersteller führten sie eine globale Marktanalyse zur Kostenoptimierung der Lieferkette für Bauteile von Windanlagen durch.

An Business Schools lernt man auch, dem Team zu vertrauen und nicht alles zu kontrollieren

Executive-MBA-Studierende oder Teilnehmer eines Teilzeit-MBA-Programms legen häufig ein Thema in Absprache mit dem Unternehmen fest, in dem sie - parallel zum Studium - in Vollzeit weiterarbeiten. In den Projektgruppen arbeiten oft Studierende mit unterschiedlichem fachlichem und kulturellem Hintergrund zusammen. Schließlich werden viele der Absolventen zukünftig ein interkulturelles Team führen.

"Die Idee hinter dem MBA-Programm ist, dass die Studierenden nicht nur von uns lernen, sondern vor allem auch voneinander, und Diversität spielt dabei eine große Rolle", so Michał Grajek von der ESMT Berlin. Jede Projektgruppe und alle Studierenden, die sich für eine klassische Masterarbeit entscheiden, werden an den Business Schools von einem Dozenten betreut. Handelt es sich um ein Unternehmensprojekt, steht den Teams zusätzlich ein firmeninterner Betreuer zur Seite.

Das Team von Aslam Khadaroo hat an der Frankfurt School of Finance & Management gemeinsam mit einem Unternehmen an einer Digitalisierungsstrategie gearbeitet. "Ich wusste, dass ich nach dem MBA die Consulting-Richtung einschlagen möchte, deswegen war ein Beratungsprojekt als Abschlussarbeit für mich naheliegend", sagt er. Der 35-Jährige stammt aus Mauritius und lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat er seinen MBA in Teilzeit beendet und arbeitet seit Februar als Consultant bei dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte.

Khadaroo war lange Jahre vor der MBA-Ausbildung, aber auch währenddessen, im Luftverkehrsmanagement bei Lufthansa tätig und hatte eine neue Herausforderung gesucht. "Vollzeit zu arbeiten und in Teilzeit zu studieren - dafür brauchst du einen guten Plan und ein gutes Team", sagt er. Es sei zwar nicht einfach gewesen, sich aufgrund der vollen Terminkalender und wegen Corona nur selten persönlich für das Abschlussprojekt treffen zu können, trotzdem habe sich das dreiköpfige Team sehr gut ergänzt.

Auch Niklas Preiß schätzte die Zusammenarbeit mit seiner Gruppe sehr. Dadurch habe er auch viel über sich selbst gelernt, etwa dass er nicht alles kontrollieren könne und Vertrauen ins Team essenziell sei, sagt er. Inzwischen arbeitet Preiß bei Microsoft als Senior Partner Development Manager. Über seinen Arbeitgeber äußert er sich lobend: "Hier werde ich gefördert, und für meine Zukunft stehen mir alle Türen offen."

© SZ vom 26.03.2021
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