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Management:Greifen Sie Freunde an! Loben Sie sich selbst!

Wer denkt, die Macht des Amtes brächte Kompetenz mit sich, irrt: Fünf Ratschläge für alle, die Kraft simulieren - für CSU-Chefs und andere Bosse.

Die ersten 100 Tage sind die gefährlichsten im Leben. Das gilt für Neugeborene genauso wie für Führungskräfte aller Art. Während Neugeborene, natürlichen Schutzmechanismen folgend, erst nach Ablauf dieser Frist zaghaft zu lächeln beginnen, scheint es im späteren Leben umgekehrt zu sein: Zuerst wird heftiger Strahle-Optimismus eingesetzt, um den Job erst einmal zu kriegen - und im selben Stil wird weitergepowert, 100 Tage lang.

Uwe Klein

Uwe Klein: Der Management-Coach aus München trainierte rund 2000 Manager in Kreativität.

(Foto: Foto: oH)

Zu ihrem Leidwesen werden Führungsmänner und -frauen dieser Art jedoch "missverstanden": Das Umfeld interpretiert das Strahlemensch-Gesicht als: "Der lacht wohl über uns?!" Und dieses bodenlose Unverständnis ist ja nun gemein, ganz gemein. Der neugeborene Führungsmensch hat doch Stress, das möge man bitte verstehen!

Lachen und Strahlen ist ja bei weitem nicht immer lustig gemeint, so lehrt die Verhaltensforschung und erklärt uns dann, was eine Übersprunghandlung ist: Man hat Stress, und was man in diesem Zustand tut, ist häufig nicht das, was man eigentlich tun will - und schon gar nicht das, was andere von einem erwarten. Wie man es dreht und wendet: Man verhält sich also immer falsch.

Heilsame Identitätskrise

Lachen und Vor-sich-hin-Strahlen entkoppelt ganz rasch von den Mitmenschen, wenn man nicht sicherstellt, dass gemeinsam gelacht wird. Führungsmenschen - Sie merken schon, ich vermeide hier den Ausdruck Führungs-"Kraft", weil letzteres Attribut aufgrund jüngster Erfahrungen in der deutschen Industrie nicht mehr so ganz passt - solche Menschen sind sehr zielorientiert.

Aber Ziele verfolgen und dabei von den Mitarbeitern entkoppelt sein? Lange kann das nicht gutgehen. Wenn die Führungskräfte sich selbst in Führungsmenschen umbenennen würden, könnte das zwar eventuell eine Identitätskrise auslösen, aber eine heilsame. Sie würden sich, so wagt man dann zu hoffen, weniger auf das Ausstrahlen von Kraft, als vielmehr auf das andere Wort, Menschen, konzentrieren. Denn die sollen sie ja schließlich führen - zu gemeinsamen Zielen. Klingt einfach und ist auch so. Wird bloß nicht immer so gemacht.

Manch einer denkt, dass die Macht eines Amtes automatisch Führungskompetenz mit sich bringt. Diese Annahme ist eine Blindenkappe, sozusagen das Gegenteil einer Tarnkappe: Wer sie trägt, ist nicht unsichtbar, sondern er wird gnadenlos sichtbar für alle anderen - bloß er selber sieht dabei gar nichts mehr. Manchmal ist das praktisch zum Überleben, bis zum 100. Tage, aber auch bloß bis dahin.

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