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Männliche Erzieher:"Jungen fehlen männliche Vorbilder"

Sie mussten gegen Vorurteile kämpfen?

Beim ersten Elternabend wurde ich ganz unverblümt gefragt: "Sie als Mann glauben also, uns als Müttern beibringen zu können, wie man mit Kindern umgeht?" Ich habe darauf nur gesagt: "Schauen wir mal." Das erste Jahr stand ich unter kritischer Beobachtung. Ist er kompetent in dem, was er tut? Handelt er nach dem, was er sagt? Nachdem mich die Mütter eine Zeitlang bei der täglichen Arbeit mit den Kindern beobachtet hatten, sind die Vorbehalte verschwunden. Andererseits habe ich auch immer wieder erlebt, dass mir ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht wurde, allein wegen meines Geschlechts: "Toll, endlich ein Mann in der Krippe!"

Kindertagesstätte ´forum thomanum"

Haben Kinder im Vorschulbereich zu wenige männliche Bezugspersonen? Deutschlandweit sind weniger als drei Prozent der Erzieher Männer.

(Foto: dpa)

Mit welchen Erwartungen waren Sie konfrontiert?

Gerade wenn Väter beruflich sehr eingespannt und in der Erziehung nicht präsent sind oder die Frau alleinerziehend ist, wurde schon mal der Wunsch an mich herangetragen, ob ich nicht die Rolle der männlichen Bezugsperson einnehmen könnte. Ich habe dann immer ganz klar gesagt: Ich bin von Beruf Erzieher, kein Vaterersatz.

Ein Argument für mehr Erzieher ist, dass Jungen in frauendominierten Krippen und Kindergärten möglicherweise nicht optimal gefördert oder sogar benachteiligt werden. Wie sehen Sie das?

Jungen fehlen männliche Vorbilder - im Leben insgesamt. Natürlich wäre es erstrebenswert, mehr Erzieher zu haben. Ich bin hier momentan der einzige Mann, ab und zu haben wir männliche Jugendliche als Schülerpraktikanten. Die sind immer der Hit! Gerade für Jungen sind sie eine Art großer Bruder, an dem sie sich orientieren können, zu dem sie gehören möchten.

Unterscheidet sich Ihr Erziehungsstil von dem Ihrer Kolleginnen?

Im Umgang mit den Kindern sehe ich kaum Unterschiede. Die Herangehensweise mag manchmal eine andere sein. Gerade Kolleginnen mit Familie fühlen sich sehr stark verantwortlich, auch über ihren Erziehungsauftrag hinaus. Ich bin da bisweilen sachlicher, unaufgeregter. Wobei das nicht heißen soll, dass ich mich den Kindern weniger verbunden fühle. Ich bin auch wehmütig, wenn ein Kind in die Schule kommt, das ich begleitet habe, seit es fünf Monate alt war. Gleichzeitig macht es mich stolz, zu sehen, dass aus einem Baby in der Tragetasche ein Kind geworden ist, dass die Kita als selbstbewusster, sprachlich gewandter und weltoffener Mensch verlässt.

Manche männliche Lehrer achten darauf, nicht mit Schülerinnen allein in einem Zimmer zu sein. Treffen Sie auch solche Vorsichtsmaßnahmen?

Nein. In meiner bisherigen Laufbahn waren Elternängste vor sexuellen Übergriffen nie ein Thema. Wir achten ohnehin darauf, dass die Kinder nur von vertrauten Personen gewindelt werden, neue Mitarbeiter wickeln erst einmal gar nicht. Die Kinderpflege ist ein intimer Bereich, den wir respektieren und schützen.